Wald im Wandel

Welche Aufgaben ausgebildete Forstwirte aus Vockerode, Gräfenhainichen und Söllichau nun übernehmen

Forstwirt ist gefragt. Lehrmeister Lutz Fiedler hat seinen letzten Jahrgang begrüßt. Wo Azubis aus Vockerode, Gräfenhainichen und Söllichau nun arbeiten.

Von Heidi Thiemann 16.09.2021, 08:26
Die neuen Auszubildenden Norman Remmling, Hannes Heßler, Philipp Schrödter und Max Jander  mit ihrem Lehrmeister Lutz Fiedler (M.) vorm Jagdschloss in Haideburg. Hier hat das Betreuungsforstamt Dessau, ihre Ausbildungsstelle, seinen Sitz.
Die neuen Auszubildenden Norman Remmling, Hannes Heßler, Philipp Schrödter und Max Jander mit ihrem Lehrmeister Lutz Fiedler (M.) vorm Jagdschloss in Haideburg. Hier hat das Betreuungsforstamt Dessau, ihre Ausbildungsstelle, seinen Sitz. Foto: Heidi Thiemann

Dessau/Gräfenhainichen/MZ - „Wir haben mit unliebsamen Arbeiten begonnen“, schmunzelt Lutz Fiedler. Mit Brennnesseln haben die vier jungen Männer, die im August ihre Ausbildung zum Forstwirt im Dessauer Betreuungsforstamt begonnen haben, ebenso schon Bekanntschaft gemacht wie mit Schlehdorn, Winde oder Tausenden Mücken.

„Aber dafür ist die Wertschätzung des Holzes entsprechend groß“, sagt der Lehrmeister, der seinen letzten Ausbildungsjahrgang begleitet. Ab 1. Dezember wird der dann 63-Jährige aus Schwemsal sich nur noch seinen Hobbys widmen. Dass die auch mit Wald zu tun haben - Imkerei und Jagd -, ist selbstredend bei einem Mann, der seit 45 Jahren zwischen Dübener, Oranienbaumer und Mosigkauer Heide unterwegs ist. Erst im ehemaligen Forstamt Tornau, seit elf Jahren in der Lehrausbildung.

Vockeroder ist Spitze

1998 hatte Fiedler seinen Forstwirtschaftsmeister gemacht. Und inzwischen zahlreiche junge Leute auf dem Weg ins Berufsleben begleitet. So wie den Jahrgang, der erst im Sommer die Ausbildung abgeschlossen hatte. Erik Wildgrube aus Vockerode war Zweitbester des Jahrgangs in Sachsen-Anhalt und ist nun im Betreuungsforstamt Annaburg angestellt. Die Dessauerin Kiara Georgi kann nun im Dessauer Betreuungsforstamt im Bereich Waldarbeiten, Waldpädagogik und beim Forsttraktoreinsatz ihre Vielseitigkeit zeigen. Auch für Willy Zincke aus Gräfenhainichen geht es nahtlos weiter - beim Landesforstbetrieb im Betriebsteil Anhalt. Und der Vierte im Bunde, Robin Hönemann aus Söllichau, ist nun in der Baumschule seines Heimatortes angestellt.

„Die Berufsaussichten sind wirklich sehr gut“, sagt Forstoberinspektor Jürgen Kristin. Auch beim Land selber. Viele Jahre lang hatte das gar keine Forstwirte übernommen, obwohl es sie ausgebildet hat. In Dessau pro Jahr vier bis fünf. „Jetzt bahnt sich ein Generationenwechsel an“, sagt Kristin. Und bemerkbar hat sich das offensichtlich auch bei den Bewerbungen um die Forstwirtausbildung gemacht. Gab es in den vergangenen Jahren immer um die 30 junge Frauen und Männer, die den Beruf erlernen wollten, waren es diesmal 60. Vielleicht, denkt Kristin, liege es auch mit daran, dass andere Ausbildungsbetriebe in der Coronazeit zurückhaltender waren?

Traumberuf Forstwirt

Norman Remmling (16) aus Raguhn, Hannes Heßler (19) aus Pouch, Philipp Schrödter (17) aus Leipzig und Max Jander (16) aus Quellendorf jedenfalls freuen sich, dass sie ihren Traumberuf erlernen können.

Norman Remmling und Hannes Heßler hatten zuvor Praktika im Betreuungsforstamt gemacht. Auch Max Jander hat hier Praxisluft geschnuppert und sagt: „Mein Bruder hat hier schon seine Ausbildung gemacht“. Er wisse also, was auf ihn zukomme in der Ausbildung, so der 16-Jährige. Außerdem geht er, wie auch sein Bruder und sein Vater, gerne auf die Jagd.

Aber warum ist ein Leipziger in Dessau dabei? „Weil ich im Raum Leipzig keine Ausbildung gefunden habe“, stellt Philipp Schrödter fest. „Und Dessau ist auch sehr schön.“ Er hatte ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in einer Naturschutzstation absolviert. Dort auch war ein Forstwirt angestellt. Das habe, gibt er zu, die Berufswahl mit beeinflusst.

Vielseitiger Einsatz

Mit Praktika, findet Lehrmeister Fiedler, „wird meist ein Grundstein für ein gut funktionierendes Team gelegt“. Ausbildungsbetrieb und künftiger Auszubildender lernen sich vorab kennen. Der neuen jungen Truppe bescheinigt er, dass sie gut zusammenpasst. „Waldarbeit ist harte Arbeit, da muss man sich aufeinander verlassen können.“

Doch nun folgen erstmal drei Ausbildungsjahre für die Neuen. In denen auch so mancher Wunsch der jungen Leute Berücksichtigung findet. Seien es Praktika im Ausland, etwa Irland, Spanien, Zypern, wie sie in Vor-Corona-Zeit über das Erasmus-Programm gefördert wurden, oder Praktika in Köhlereien oder beim Harvestereinsatz. So vielseitig wie möglich soll die Ausbildung sein, sagt Lehrmeister Fiedler. Denn die Herausforderungen für die künftigen Fachkräfte, nicht zuletzt vorm Hintergrund von Klimawandel, Dürre und Waldschäden verschiedenster Art, sind groß. Doch bald wird er den Part der Ausbildung in andere Hände legen. Fiedlers Nachfolger wird gegenwärtig ausgewählt.