Wohnen in Gräfenhainichen

Frischer Wind in der Genossenschaft

Zwei Köthener leiten seit einem Jahr die Geschicke der Wohnungsgenossenschaft Gräfenhainichen. Was die beiden umtreibt.

Gräfenhainichen

- Jünger soll sie werden, die Wohnungsgenossenschaft Gräfenhainichen (WGG). Das hat sich der Vorstand, der nun seit einem Jahr im Amt ist, auf die Fahnen geschrieben. Nicole Tausch und Patrick Mette stehen der Genossenschaft seit April 2020 vor. Die beiden Köthener sehen sich als Team. Auch wenn Tausch als hauptamtliche und ihr Kollege Mette als nebenamtlicher Vorstand eingetragen sind, wolle man gemeinsam auftreten - und das Wohnungsunternehmen in die Zukunft führen.

Denn die Herausforderungen seien groß. „Der demografische Wandel macht uns zu schaffen“, sagt die 42-jährige Tausch, studierte Betriebswirtin. Etwa 800 Wohnungen in drei Wohngebieten, die fast ausschließlich aus dem sozialistischen Wohnungsbau ab den 1960er Jahren stammen, besitzt das Unternehmen in der Heidestadt. Zwei Neubauten sind in den Jahren 2013 und 2020 hinzugekommen.

Viele treue Mieter

„Die Mieter, die schon seit DDR-Zeiten in den Objekten wohnen, wohnen dort sehr gerne“, sagt Patrick Mette. Auch, weil einige noch selbst an den Wohnhäusern mitgebaut hätten. Der 40-Jährige kommt aus dem Bankwesen und hatte dort vor allem mit Immobilien zu tun. „Die jungen Leute kriegt man aber etwas schwerer dazu, bei uns einzuziehen“, sagt er. Und das, obwohl die meisten Wohnungen inzwischen auf den neuesten Stand gebracht worden sind. Ebenerdige Duschen, energetische Sanierung und Aufzüge - nachgerüstet hat man bereits umfangreich. „Wir versuchen nun, den Spagat zwischen den alten Genossenschaftlern und den jungen Leuten hinzubekommen“, sagt Mette. Dafür habe man sich ein Marketing-Konzept überlegt.

Die Genossenschaft präsentiert sich jetzt etwa auf Instagram, richtete eine neue Internetpräsenz ein, unlängst baute man ein Schild für Kurzzeit-Parker an der Kita in der Gartenstraße auf. „Wir wollen zeigen, dass eine Genossenschaft einen Mehrwert schafft“, sagt Tausch. Schließlich wirke schon das Wort schnell etwas altbacken und verstaubt. Dabei habe das Modell viele Vorteile: Mieter seien nahezu unkündbar - außer die Mietschulden steigerten sich ins Unermessliche. Zudem gebe es andere Vorteile wie Gästewohnungen, die man kurzfristig für Besuch hinzubuchen könne. Allerdings müsse man sich inzwischen auch von anderen Genossenschaften - etwa in der Hauptstadt - distanzieren. In Gräfenhainichen sei man kein Miethai, wolle nicht spekulieren oder eiskalte Gewinnmaximierung betreiben, sagen die beiden Vorstände.

Vorbereitet auf E-Mobilität

Um einen weiteren Schritt in Richtung Zukunft zu gehen, sollen nach der Sanierung der Wohnungen selbst nun auch die Außenanlagen aufgehübscht werden. Mehr Parkplätze sollen her, teils würden schon die Leitungen für künftige E-Ladesäulen verlegt, wenn auch derzeit noch keinerlei Nachfrage nach diesen seitens der Genossenschaftler bestünde. „Es kann jederzeit ein Ruck in Richtung E-Mobilität kommen“, glaubt Mette. Da sei es besser, vorbereitet zu sein.

Und: Die Genossenschaft will in der Stadt deutlich präsenter sein. An jeweils einem Giebel in den drei Wohngebieten Gartenstraße, Bahnhofsstraße und Poetenweg sollen die alten Werte Gräfenhainichens - Eisenbahn, Umwelt, Natur und Bergbau - verewigt werden. Aus diesen soll dann auch ein neues Logo für die Genossenschaft entstehen. (mz/Julius Jasper Topp)