Wirtschaft

Auf dem Weg zum Meister mit altem Militärgerät

Ein 22-Jähriger macht sein Hobby zum Beruf und sich selbstständig. Er kennt sich aus in Militärtechnik sowjetischer Herkunft oder aus der DDR.

Von Dietmar Bebber
Paul Kreibich aus Gräfenhainichen, der sich für Militärfahrzeuge begeistert,  ist stolz auf seine neueste Errungenschaft. Den   Lkw ZIL 131 KO möchte er  zum Wohnmobil umrüsten.
Paul Kreibich aus Gräfenhainichen, der sich für Militärfahrzeuge begeistert, ist stolz auf seine neueste Errungenschaft. Den Lkw ZIL 131 KO möchte er zum Wohnmobil umrüsten. (Foto: Dietmar Bebber)

Gräfenhainichen - Sein erstes Auto war ein russischer Militärjeep. Die neueste Errungenschaft ist ein ganz besonderer ZIL 131 KO. Der Lkw besitzt einen ABC-Kofferaufbau, der für die chemische Aufklärung gedacht war. 1986 gebaut, wurde das Fahrzeug ein Jahr später für den damaligen sowjetischen Geheimdienst KGB in einem Depot eingelagert und 2017 vom jetzigen weißrussischen KGB ausgemustert. Damit es bei den erst 56 Kilometern auf dem Tacho bleibt, hat sein neuer Besitzer das Militärfahrzeug per Spedition anliefern lassen.

Der solch eine ausgefallene Leidenschaft besitzt, ist Paul Kreibich aus Gräfenhainichen. Seit er den Führerschein besitzt, ist er immer wieder zu Fahrzeugtreffen im In- und Ausland gefahren. Dabei wurde das Interesse an Militärfahrzeugen aus dem ehemaligen Ostblock noch mehr bestärkt. Schnell stand ein Lkw Robur LO auf dem Hof.

Der wurde gegen einen Gaz 66 ausgetauscht, dieser wiederum musste einem ZIL-131 Platz machen. Ein Ural mit Kofferaufbau und einer als Pritschenfahrzeug waren dann noch eine Nummer größer. Als schließlich die Ausbildung ins Haus stand und das Geld knapp wurde, verkaufte er die Fahrzeuge schweren Herzens.

Jung und Unternehmer

Jetzt vereint er die Worte jung und Unternehmer kaum treffender in einer Person, denn er ist mit seinen 22?Jahren einer der jüngsten, wenn nicht sogar der jüngste Unternehmer von Gräfenhainichen. Sein Unternehmen, das sich mit Handel und Ersatzteilbeschaffung beschäftigt, nennt er „PK-Dienstleistungen“.

Schon im Alter von fünf Jahren ist er mit seinem Vater, der auch gern an Autos herumbastelt, zu Fahrzeugtreffen mitgefahren. Gern erinnert sich die Mutter an die Anfänge der Leidenschaft ihres Sohnes: „Mit Luftaufpumpen hat alles angefangen.“ Es folgten Basteleien und das erste Mal Motorrad fahren. In diese Zeit fiel auch die Einschulung von Paul.

Er besuchte in den ersten vier Jahren die Grundschule „Johannes Gutenberg“ Gräfenhainichen. 2009 dann der Wechsel ans Paul-Gerhardt-Gymnasium, welches er 2017 mit dem Abitur verließ. Schon während seiner Schulzeit begann er, sich mit dem Restaurieren, Sammeln und Tunen von Mopeds der Marke Simson zu beschäftigen.

Doch bis zu den ersten Schritten in die Selbstständigkeit ging er erst einmal einen anderen Weg. Nach dem Abi zog es ihn im Oktober 2018 nach Köthen, um an der Hochschule Anhalt Maschinenbau zu studieren. „Hier kamen in mir immer mehr Zweifel auf, ob es das ist, was ich wirklich will. Zuzuhören, wie dir einer erzählt, wie es sein könnte, dass es funktioniert, mit dem Resultat, dass es dann doch anders gemacht wird“, beschreibt Kreibich seine Gefühlswelt. Die Konsequenz, er beendete nach nur einem Semester das Studium wieder.

Stattdessen begann er im August im Autohaus Moll eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker mit dem Schwerpunkt Nutzfahrzeuge. Hier war Paul in seinem Element und lief zur Hochform auf. Parallel dazu hatte er schon längst ein Gewerbe angemeldet, welches er neben der Lehre betrieb. Irgendwann wurde es dann aber immer mehr, dass Kumpels und Bekannte kamen und fragten, ob er nicht mal dies und jenes reparieren könne.

So reifte die Idee, komplett in die Selbstständigkeit zu gehen. Auch die Berufsschule unterstützte ihn bei der Umsetzung dieses Planes, machte ihm Mut. Parallel dazu kam auch die Zustimmung, die Lehre um ein Jahr verkürzen zu dürfen.

So was hatte es vorher auch noch nicht gegeben. Die Grundlage waren die ausgezeichneten Leistungen (Theorie 1,0) in der Berufsschule und das selbstständige Arbeiten im Lehrbetrieb. Zusätzlich wurde ihm empfohlen, den Meisterbrief zu machen. Diese Ausbildung sollte jetzt im Mai starten, aber Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Um die Zeit zu überbrücken, sagte sich Kreibich: „Guckst du das halbe Jahr doch mal, ob man allein mit dem Gewerbe über die Runden kommt.“ - Es funktioniert.

Der frischgebackene Nutzfahrzeugmechatroniker machte gleich am 20. Januar dieses Jahres, dem Tag seiner bestandenen Gesellenprüfung, das Neben- zum Hauptgewerbe. Das betreibt er so lange, bis er den Meisterbrief hat, in Betreuung der Handwerkskammer. Start der Meisterausbildung ist der 17.?Oktober, übrigens finanziert über die Begabtenförderung. Nach bestandener Prüfung könnte Kreibich schon im Sommer 2022 richtig durchstarten.

Ein passendes Grundstück für seine Firma hat er in Möhlau gefunden und schon erworben. Ende dieses Jahrs soll dann auch die neu zu bauende Halle bezugsfertig sein. Was Paul Kreibich besitzt, hat er sich selbst geschaffen. Seine Eltern hätten ihm schon als kleinem Jungen klargemacht: Wenn du dich für so ein Hobby entscheidest, musst du es auch finanzieren können.

Interessen verbinden

Aus Möhlau stammt auch seine Freundin, deren Familie der gleichen Leidenschaft frönt. Kennengelernt hat er sie in Dolle bei einem Militärmotorradtreffen. „Nach dem gemeinsamen Tanzkurs kam dann auch die klassische Frage und auch die Liebe nahm endgültig Fahrt auf“, verrät der 22-Jährige schmunzelnd. Auch wenn sie sich beruflich für einen anderen Weg entschieden hat und Pharmazie studiert, bei der Organisation von Treffen mit Militärtechnik ist sie mit an Bord. Wer etwas über die die Militärtechnik sowjetischer Herkunft oder aus der ehemaligen DDR wissen möchte, ist bei dem 22-jährigen Jungunternehmer genau richtig.

Das Typschild ZIL 131 KO
Das Typschild ZIL 131 KO
(Foto: D. Bebber)