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Erlebnisse nach Kriegsende Szenische Lesung hat „Heul doch nicht, du lebst ja noch“ hat Premiere am Eisleber Theater

Wie drei Jugendliche die Zeit kurz nach Kriegsende erleben: Im Eisleber Theater hat heute die szenische Lesung „Heul doch nicht, du lebst ja noch“ Premiere. Im Stück steht vor allem das Zwischenmenschliche im Vordergrund.

Von Jörg Müller 05.06.2024, 07:30
Charlotte Pracht und  Tom Bayer freuen sich auf die Premiere.
Charlotte Pracht und Tom Bayer freuen sich auf die Premiere. (Foto: Jürgen Lukaschek)

Eisleben/MZ. - „Es ist immer wieder schön, an das Haus zurückzukommen“, sagt Charlotte Pracht. Die 22-Jährige hatte 2019/20 am Eisleber Theater zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und danach eine befristete Anstellung als Regieassistentin, Inspizientin und Souffleuse bekommen.

Seit 2022 studiert sie in Leipzig Theaterwissenschaft, ist dem Theater Eisleben aber weiterhin verbunden geblieben. So hat sie als Gast bereits zwei Klassenzimmerstücke, die szenischen Lesungen „Timm Thaler “ und „Emil und die Detektive“ sowie im vergangenen Jahr das Kinderstück „Dachs und Eichhorn – Die Meisterschnüffler“ inszeniert.

Am Mittwoch, 9 Uhr, feiert ihre nächste Arbeit Premiere: die szenische Lesung aus dem Jugendbuch „Heul doch nicht, du lebst ja noch“ von Kirsten Boie.

Stück spielt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs

Zu erleben ist das Stück auf der Großen Bühne „Hinter dem Eisernen“. Dieser Begriff bezieht sich auf den Eisernen Vorhang, der früher bei einem Brand zwischen der Bühne und dem Zuschauerraum herabgelassen wurde. „Hinter dem Eisernen“ bedeutet, dass die Schauspieler im gesamten Bühnenbereich agieren und auch das Publikum auf der Bühne sitzt. Für maximal 70 Zuschauerinnen und Zuschauer ist dort Platz.

Das Buch der renommierten Kinder- und Jugendbuchautorin (geboren 1950) spielt kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs im fast völlig zerstörten Hamburg, wo drei Jugendliche mit den Dämonen der Vergangenheit und der schwierigen Gegenwart klarkommen müssen.

Da ist Hermann (Tom Bayer), dessen Vater im Krieg beide Beine verloren hat. Hermann selbst muss für sich verarbeiten, dass er bei der Hitlerjugend aktiv war. Jakob (Moritz Gehrckens) ist als Jude verfolgt worden und versteckt sich nach wie vor in den Ruinen – er weiß noch gar nicht, dass der Krieg und die NS-Zeit vorbei sind. Traute (Ida Dobrenz) vermisst ihre Freundinnen und die Schule und muss ihr Zuhause mit einquartierten Flüchtlingen teilen.

Zwischenmenschliche steht im Vordergrund

So wird aus verschiedenen Perspektiven ein anschauliches Bild der damaligen Zeit vermittelt, die für heutige Jugendliche natürlich weit entfernt ist. „Mir gefällt daran besonders, dass nicht das Historische im Vordergrund steht, sondern das Zwischenmenschliche“, sagt Schauspieler Bayer.

Das Buch sei nahbar und spreche das Empathievermögen an. Wie Regisseurin Pracht sagt, werden sich die Akteurin und die beiden Akteure auf der Bühne frei durch den Raum bewegen – mitten im Publikum und drumherum. „Wir werden mit kleinen Requisiten und Geräuschen arbeiten“, so Pracht. Wer mag, kann sich zu Beginn seine Augen verbinden und das Stück als Hörspiel erleben.

Pracht hat nicht nur Regie geführt, sondern auch gemeinsam mit der Dramaturgie die Lesefassung erarbeitet. Was bedeutete, den Buchstoff von 120 auf rund 30 Seiten zu reduzieren. „Das war schon sehr viel Arbeit.“

Vier Vorstellungen sind angesetzt: am Mittwoch und Donnerstag, 5./6. Juni, jeweils um 9 und um 11 Uhr. Es gibt noch einige wenige Karten.