Festgefahrene Lohnverhandlungen

Mitarbeiter von Aryzta in Eisleben streiken für Lohngerechtigkeit, Respekt und Anerkennung

Von Beate Thomashausen
200 Mitarbeiter streiken vor Aryzta in Eisleben.
200 Mitarbeiter streiken vor Aryzta in Eisleben. (Foto: Beate Thomashausen)

Eisleben/MZ - Trillerpfeifen, Rasseln, laute Musik, Sprechgesang. Transparente, Reden und eine Menge Menschen - das war die Kulisse der Gewerkschaftsaktion am frühen Dienstagmorgen an der Werksstraße vor dem Tiefkühlbackwarenhersteller „Aryzta“ in Eisleben. Ab 4.30 Uhr legten die Beschäftigten der Nachschicht und anschließend die Beschäftigten der Frühschicht die Arbeit nieder. Vor dem Werk versammelten sich über 200 Beschäftigte und machten ihren Unmut über die festgefahrenen Lohnverhandlungen deutlich.

20 Prozent mehr Lohn ist die Kampfansage der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Das sei nicht mit einem Mal zu erreichen, sagt NGG-Geschäftsführer Jörg Most, aber in Stufen über Jahre sei das zu schaffen. Aktuell erhält ein Großteil der Aryzta-Mitarbeiter 10,81 Euro pro Stunde. „Wir brauchen Löhne, von denen die Beschäftigten heute und später im Alter nicht in Armut leben. Deshalb streiken die Kolleginnen und Kollegen. Es geht um Lohngerechtigkeit, Respekt und Anerkennung. Niedriglohn Ost muss endlich ein Auslaufmodell sein. 13 Euro Stundenlohn sind mindestens nötig, um aus dem Niedriglohn rauszukommen und später in der Rente nicht auf Sozialleistungen angewiesen zu sein“, sagt der Gewerkschafter.

„Gute Löhne machen eine Region auch attraktiver für die Jugend“

Auf einen Erfolg der Gewerkschaftsaktion hoffen Mitarbeiterinnen wie Gesine Beinroth und Jana Scholz, die 27 und 23 Jahre lang im Unternehmen sind und nun in der Tarifkommission mitarbeiten. Was die Arbeitgeber bislang angeboten hätten, sei nicht akzeptabel gewesen.

„Guter Lohn stärkt die Region“, steht auf dem kleinen Transparent, mit dem sich Marek Rackwitz an der Kundgebung vor Aryzta beteiligt. Seit 25 Jahren arbeitet der Erdeborner in dem Werk vor den Toren der Lutherstadt. Er ist mit seiner Heimat verwurzelt, nennt sie wunderschön und wünscht sich, dass auch seine Kinder und Enkel einmal so sagen können, dass sie gern hier leben und gern hier bleiben. „Gute Löhne machen eine Region auch attraktiver für die Jugend“, findet Rackwitz. „Wenn Aryzta als großer Arbeitgeber vorlegt, ziehen auch andere nach“, glaubt er.