Emotionaler Abschied

Erzieherin Birgitt Wagner verlässt nach 41 Jahren die Kita „Gänseblümchen“ in Osterhausen

Von Kathrin Labitzke
Nach mehr als vier Jahrzehnten geht die Erzieherin Birgitt Wagner (li.) in den Ruhestand. Sie wurde  von Kita-Leiterin Gabi Jantos verabschiedet.
Nach mehr als vier Jahrzehnten geht die Erzieherin Birgitt Wagner (li.) in den Ruhestand. Sie wurde von Kita-Leiterin Gabi Jantos verabschiedet. (Foto: Kathrin Labitzke)

Osterhausen/MZ - Es war ein tränenreicher Abschied in der Kita „Gänseblümchen“ in Osterhausen. Denn wenn eine geschätzte Kollegin nach 41 Jahren für immer Adieu sagt und in den Ruhestand geht, dann ist das nicht nur ein emotionaler Moment für die betroffene Person, sondern auch für die Kinder, Eltern und Arbeitskolleginnen.

„Sie war unser Urgestein in der Kita, eine zuverlässige Kollegin, war sehr beliebt bei den Kindern und den Eltern und es wird schwer sein, sie zu ersetzen“, fand Gabi Jantos warme Worte beim offiziellen Abschied von Birgitt Wagner.

Wagner war ihr ganzes Berufsleben lang Kindergärtnerin mit Leib und Seele und auch nach 45 Jahren Dienstzeit würde sie den gleichen Beruf noch einmal wählen, hätte sie die Wahl. Am 1. August 1976 begann sie als Kindergärtnerin, „obwohl meine Eltern mich lieber bei einer Bürotätigkeit gesehen hätten“, sagt sie rückblickend. Doch letztendlich hat sie sich damals durchgesetzt und die Entscheidung, als staatlich anerkannte Erzieherin zu arbeiten, nicht bereut.

Für den Beruf des Erziehers benötigt man gute Nerven

Was man für Voraussetzungen und Eigenschaften für den Beruf als Erzieher mitbringen muss? Erstens brauche man sehr gute Nerven, antwortet Wagner. Zudem seien Ideenreichtum und ganz viel Liebe zum Beruf gefragt, „denn schließlich ersetzen wir tagsüber die Eltern und dieser Verantwortung muss man sich bewusst sein“.

Von den insgesamt 45 Jahren war sie 41 Jahre in Osterhausen und hat dort mehrere Generationen auf den Start in das Schulleben vorbereitet. Selbst die heutige Kita-Leiterin, Gabi Jantos, gehörte zu ihren Kindergartenkindern.

Ursprünglich hat die 63-Jährige in einer für DDR-Zeiten fortschrittlichen Kita in Querfurt begonnen, hat sich aber dann für den Wechsel nach Osterhausen entschieden, „weil mein Mann Claus und ich dort eine Wohnung bekommen haben“, sagt sie heute im Nachhinein mit einem Lächeln, denn Osterhausen war zu damaligen Zeiten alles andere als modern. „Wenn wir es warm haben wollten, dann mussten wir selbst die Öfen in der Kita befeuern und auch die Kohlen haben wir ins Objekt schippen müssen“, erinnert sich Wagner.

Birgitt Wagner zieht ein positives Resümee

„Trotz allem war es mein Traumberuf“, zieht sie ein positives Resümee und begründet es damit, „dass einem die Kinder so viel zurückgeben“. Wie viele Kinder sie über die Jahre betreut hat, weiß sie nicht genau. Sie erinnert sich jedoch an jedes Einzelne. Und deshalb war die Freude umso größer, als das Team der Kita „Gänseblümchen“ ihr zum Abschied ein Buch zum Geschenk gemacht hat, in dem sich jedes Kind, welches jemals in ihrer Gruppe war, verewigt hat. „Ich kann gar nicht in Worte fassen, was mir das bedeutet“, sagt sie mit Tränen in den Augen.

Doch ab dem 1. Oktober beginnt ein neuer Lebensabschnitt für die Osterhäuserin, eine Zeit, auf die sich Birgitt Wagner jetzt auch freut und die sie in vollen Zügen genießen möchte. „Ich freue mich, wenn der Wecker nicht mehr jeden Tag klingelt und ich auch mal alle zehn gerade sein lassen kann“, gesteht sie, obgleich sie „jeden Tag an die Kita erinnert wird“, wohnt sie doch direkt neben der Einrichtung. „Das war für viele Jahre quasi mein zweites Wohnzimmer“, sagt sie lachend. So hat sie etwa abends immer noch einmal geschaut, ob auch die Alarmanlage eingeschaltet ist.

Birgitt Wagner ist seit 39 Jahren verheiratet, hat mit ihrem Mann zusammen zwei Kinder und vier Enkelkinder, mit denen sie in Zukunft viel Zeit verbringen möchte.