Begeisterung für Lokomotiven

Eine Modellbahn von 1950 war der Grundstein für Marco Zeddels heutiges Hobby

Marco Zeddel kennt die Besonderheiten einer Anlage von 1950, mit der schon sein Vater spielte.

Von Daniela Kainz
Marco Zeddel wurde von seinem Großvater an das Thema Modellbahn herangeführt. (Foto: Jürgen Lukaschek)

Kreisfeld

Wenn Marco Zeddel heutzutage auf die historische Modellbahnanlage seiner Familie schaut, muss er sich hinhocken, wenn er alle Details im Blick haben will. Als kleiner Junge reichte er gerade mal mit der Nase über die Tischplatte, wenn er beobachten wollte, wie die Züge durch die beleuchtete Landschaft fahren. Eines aber ist gleich geblieben, die Faszination für die Anlage. Verbindet er doch mit ihr Erinnerungen an jene Zeit, als sein Interesse an Lokomotiven und Zügen geweckt wurde.

Modellbahnanlage H0 als Weihnachtsgeschenkt

Waren es damals Modellbahnen, denen Zeddel seine Aufmerksamkeit widmete, sind es inzwischen längst Bahnen in Originalgröße, für die er sich begeistert. Der Name des 47-Jährigen ist untrennbar mit der Mansfelder Bergwerksbahn verbunden. Als Schatzmeister und verantwortlicher Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit wird er nicht müde, für die Angebote der Bergwerksbahn zu werben und Spendenaufrufe für notwendige Arbeiten an der Technik zu starten. Trotzdem: Die Modellbahnanlage aus seinen Kindertagen hält er in Ehren. Auch wenn ihm die Zeit fehlt, sich näher mit ihr zu beschäftigen. „Da hängen viele Erinnerungen dran“, sagt er.

Die Familiengeschichte der Modellbahnanlage der Nenngröße H0 (Halb Null) nahm 1950 ihren Lauf. „Mein Vater Manfred und mein Onkel Roland bekamen etwa zu Weihnachten eine Spielzeugeisenbahn von ihren Eltern“, erzählt Zeddel. Es handelte sich um ein Starterset der Marke „Pico Express“ (Pionier Construction). Und der Modellebahnfan macht auf eine Besonderheit aufmerksam: Die Anlage fußte auf einem Zweileiter-Wechselstromsystem und wurde ihm zufolge nur im Zeitraum 1948 bis 1951 von RFT (Rundfunk- und Fernmelde-Technik) in Chemnitz hergestellt. „Es gab ein eigenes Gleissystem, also Bahndamm, Schotterbett und Gleis in einem.“ So wurde verhindert, dass sich Schmutz und Teppichfasern in den Fahrzeugen verfingen. Denn Modellbahnplatten seien noch nicht üblich gewesen. Die Gleise wurden im Wohnzimmer zu besonderen Anlässen wie Weihnachten auf dem Boden aufgebaut.

Trafo der Eisenbahn immer noch im Einsatz

Zeddel: „Auch der Trafo war etwas Besonderes. Er hatte für die Fahrstufen eine kleine Kurbel, mit der man aber nur in eine Richtung fahren konnte.“ Das zweite Steuerelement sei ein Taster gewesen. Wenn man ihn drückte, löste er einen Impuls für einen Fahrrichtungswechsel aus. „Dieser Trafo ist auch heute noch auf der Platte vorhanden und sorgt für die Beleuchtung von Straßen und Häusern“, erzählt der Kreisfelder. Später seien die Gleise durch normale Gleichstromgleise ergänzt worden, genau wie Gleichstromlokomotiven der Marken Piko und Gützold und weiteres rollendes Material. Die Schienen kamen „auf eine eigene Platte aus Pressspan, es wurden zwei getrennte Gleisovale, für jeden der beiden Brüder ein eigenes, aufgebaut und mit Weichen, Abstellgleisen und Tunnel ergänzt“. Wohngebäude, Bäume, Bahnhöfe, Lokschuppen komplettierten die Landschaft. Die Bäume waren aus Pappmache, Häuser aus Pressspan, Presspappe und Holz. Der Lokschuppen oder die Bahnsteigüberdachung wurden selbst gebaut. „Als Lampenschirme dienten Kappen von Zahnpastatuben“, so Zeddel.

Aus Erzählungen weiß er, dass die Platte im Kinderzimmer der Brüder stand. Als beide älter wurden und ihr Interesse eines Tages erlosch, kam die Anlage in den Keller, wo sich fortan Zeddels Opa Erich um die Platte kümmerte. „Mitte der 1970er Jahre wurde ich dann an die Modelleisenbahn herangeführt“, erinnert sich Zeddel. Die Anlage habe immer noch betriebsfähig in der Werkstatt gestanden. Wann immer er wollte, konnte er mit ihr spielen. Vom Opa erfuhr Zeddel auch, dass die meisten Fahrzeuge und das Zubehör aus dem Laden des Spielwarenhändlers Franz Knothe vom Eisleber Markt stammen. (mz)