Negativ-Jubiläum

Zehn Jahre langes Warten auf den Zaun an der Villa Krötenhof in Dessau

Vor zehn Jahren wurden die Torflügel des Lutzmann-Zauns an der Villa Krötenhof abmontiert. Warum Sie bis heute nicht wieder an ihrem Platz sind.

Von Danny Gitter
Der Zaun der Villa Krötenhof ist in keinem guten Zustand. Die Torflügel warten seit einem Jahrzehnt auf ihre Sanierung.
Der Zaun der Villa Krötenhof ist in keinem guten Zustand. Die Torflügel warten seit einem Jahrzehnt auf ihre Sanierung. (Foto: Danny Gitter)

Dessau - An den Anblick haben sich die Dessauer, die von und nach Waldersee über die Wasserstadt fahren, schon fast gewöhnt. Das Gelände zur Villa Krötenhof ist seit zehn Jahren zu jeder Tag- und Nachtzeit zu begehen und zu befahren, weil das große schmiedeeiserne Tor fehlt. Vertreter der Kreishandwerkerschaft haben es damals in der Kunstschmiedewerkstatt von Frank Schönemann in Reppichau eingelagert, um es vor dem weiteren witterungsbedingten Verfall zu bewahren und langfristig die Sanierung in Angriff zu nehmen.

Auch die restliche Zaunanlage sollte eine Schönheitskur bekommen. Heute regiert hier stark sichtbar der Rost. Lediglich ein Stück der Stützmauer des Zauns, ein Torpfeiler und eine schmale Eingangstür sind bisher saniert worden. Klaus-Lothar Bebber, Vorsitzender der hiesigen Kfz-Innung und Initiator der Aktion zur Sanierung der Zaun- und Toranlage an der Villa Krötenhof ärgert sich über den Status quo.

Versuche die Stadt bei der Finanzierung mit ins Boot zu holen sind bisher immer gescheitert

„Natürlich hätten wir schon viel weiter sein sollen und wollen“, sagt er. Doch es scheiterte bisher am Geld.

2011 hatten die Stadt als Eigentümerin der Villa Krötenhof und die Kreishandwerkerschaft Anhalt-Dessau die Sanierung der Zaun-Anlage aus der einstigen Werkstatt des Kunstschmieds und Automobilpioniers Friedrich Lutzmann (1859 - 1930) in einem Patenschaftsvertrag vereinbart. Die Handwerker sollten das nötige Geld auftreiben. Auf 120.000 Euro schätzt Bebber die Sanierungskosten. Eine mittlere fünfstellige Summe ist bisher zusammengekommen. „Der Aufwand, solch ein Vorhaben nur durch Spenden zu finanzieren ist enorm“, stellt Bebber fest.

Versuche seinerseits die Stadt bei der Finanzierung mit ins Boot zu holen sind bisher immer gescheitert. Es sei immer auf die angespannte städtische Haushaltslage und den vereinbarten Patenschaftsvertrag, laut dem sich die Kreishandwerkerschaft um die Finanzierung kümmert, verwiesen worden. Auch innerhalb der Kreishandwerkerschaft haben sich im Laufe der Zeit immer mehr Gewerke vom Vorhaben der Sanierung des Lutzmann-Zauns zurückgezogen. „Die meisten Spenden wurden durch Geburtstage in meinem Umfeld akquiriert“, erzählt Bebber von der Kfz-Innung.

Auf Großspender hofft man bei dem Sanierungsvorhaben bisher vergebens

Auf Großspender hofften er und seine Innung für das Sanierungsvorhaben bisher vergebens. „Das demonstriert für mich auch den Stellenwert, den Persönlichkeiten wie Lutzmann, die in ihrer Zeit viel leisteten, für die Stadt haben“, erzählt Bebber mit frustriertem Unterton.

Lutzmann eignete sich zunächst durch Ausbildung und europaweite Wanderschaft Fähigkeiten im Kunstschmiedehandwerk an und eröffnete 1884 eine Werkstatt in Dessau. Das einzig verbliebene Zeugnis seiner Kunstfertigkeit in der Stadt ist die 1886 entstandene 60 Meter lange Zaunanlage an der Villa des Kommerzienrates Albert Meinert, heute Villa Krötenhof. In die Geschichte ging Lutzmann auch als erster Taxiunternehmer Deutschlands und als Konstrukteur des ersten Opel ein.

Bebber kündigt an, noch in diesem Jahr den Auftrag für die Sanierung der großen, seit 2011 in Reppichau gelagerten Torflügel, auslösen zu wollen. Seine bisherige Zurückhaltung begründet er auch mit dem lange unsicheren Status der Villa Krötenhof.

In der Sanierung sieht auch die Stadt einen Mehrwert und eine besondere Würdigung seitens der Handwerker

In den letzten Jahren war immer ein Verkauf des Krötenhofs an privat im Gespräch. Das ist vorerst vom Tisch. „Für Investoren hätte ich den ganzen Aufwand nicht betrieben“, macht er deutlich. Für den restlichen Zaun hat er eine vorerst einfache Lösung. Solange nicht vollständig saniert werden kann, solle Rostschutzmittel zum Einsatz kommen.

In der Sanierung sieht auch die Stadt einen Mehrwert und eine besondere Würdigung seitens der Handwerker. „Die Kunstfertigkeit von Lutzmann hat für die Stadt Dessau-Roßlau enorme Bedeutung. Sein Wirken dient als weiterer Beleg, welch innovatives Potenzial die Stadt einst hervorbrachte“, teilt Ines Binkau von der städtischen Pressestelle mit. (mz)