„Würfelzucker“ zum Glück

„Würfelzucker“ zum Glück: 19-jähriger aus Oranienbaum widmet sein berufliches und privates Leben Bussen

Dessau/Oranienbaum - Ein 19-jähriger Oranienbaumer widmet sein berufliches und privates Leben Bussen. Derzeit bereitet er ein ehemaliges Dessauer Linienfahrzeug auf.

Von Danny Gitter 01.09.2019, 07:00

Während viele in seinem Alter sich beruflich noch orientieren, weiß Niklas Grigo schon ganz genau, wo er hingehört. Der Fahrersitz eines Linienbusses soll sein berufliches Zuhause werden. Bei den Leipziger Verkehrsbetrieben lässt sich der 19-Jährige aus Oranienbaum derzeit in seinem Traumberuf ausbilden.

Doch auch nach Feierabend kann er nicht genug von Bussen kriegen und lebt seine Leidenschaft auch bei den Dessauer Nahverkehrsfreunden aus. Der Verein mit derzeit zwölf Mitgliedern möchte durch Themenfahrten mit historischen Bussen und Straßenbahnen die Geschichte des hiesigen öffentlichen Personennahverkehrs Interessierten zugänglich machen und damit lebendig halten.

Ein alter Mercedes-Linienbus, der zwar nie in Dessau-Roßlau, aber in der Bundeshauptstadt Berlin vor Jahrzehnten seine Runden im Linienverkehr drehte, ist derzeit der ganze Stolz des Vereins. Er kommt seit dem vorigen Jahr bei Themenfahrten sowie für Hochzeits-, Geburtstags- und sonstige Feiergesellschaften zum Einsatz.

Aufgrund der Größe und Farbe bekamen die Busse im Dienste der DVG den Spitznamen „Würfelzucker“

Der alte Berliner Stern soll ab dem nächsten Frühjahr Verstärkung bekommen. Ein MAN NM 222 wird derzeit in Oranienbaum von Grigo und einigen Mitstreitern der Dessauer Nahverkehrsfreunde aufbereitet. Wenn der 19-Jährige über den Werdegang des Busses erzählt, dann merkt der Zuhörer sofort, dass da jemand eine regelrechte emotionale Beziehung zum Fahrzeug aufgebaut hat. Der Bus des bayerischen Nutzfahrzeugherstellers „MAN“, Baujahr 1996, wurde damals zusammen mit zwei anderen Fahrzeugen dieser Produktreihe von der Dessauer Verkehrsgesellschaft (DVG) erworben.

Nur 8,6 Meter lang sind die Linienbusse gewesen. 22 Sitzplätze passten rein. Ein heutiger Linienbus durchschnittlicher Größe hat im Schnitt 49 Sitzplätze. „Für seine kleine Größe hatte er mit 220 PS aber ordentlich Kraft unter der Haube“, schwärmt Grigo. Aufgrund ihrer kompakten Größe und der ursprünglich schneeweißen Lackierung bekamen die drei Busse im Dienste der DVG schnell den Spitznamen „Würfelzucker“.

Von 1996 bis 2004 waren die Würfelzucker im Dessauer Linienverkehr hauptsächlich in den Spät- und Nachtstunden und als Verstärkerlinie für die Schülerbeförderung unterwegs. Zwei wurden dann an den Omnibusbetrieb Müller in Roßlau verkauft. Dort wurden sie bis 2017 unter anderem für Busverbindungen nach Dessau, Coswig und Jeber-Bergfrieden genutzt. Der dritte Bus ist seit 2015 in Bulgarien als Linienbus im Einsatz.

„Wenn man an einer Sache Spaß hat, vergisst man sowieso die Zeit“

Vor zwei Jahren meldete der Roßlauer Omnibusbetrieb die zwei „Würfelzucker“ ab. Die Dessauer Nahverkehrsfreunde nutzten die Gelegenheit zum Kauf. Seit dem Mai vorigen Jahres wird einer der zwei Busse in Oranienbaum für seinen Einsatz bei den Nahverkehrsfreunden vorbereitet. Durch einen Rahmenbruch beim zweiten Bus, dient dieser nur noch als Ersatzteilspender. Über 20 Jahre im Liniendienst haben ihre Spuren hinterlassen. „Der Zustand des Busses, den wir für Einsätze vorbereiten, ist trotz alledem ziemlich gut“, konstatiert Grigo. Die Anzeige musste ausgetauscht und der Lack erneuert werden. Demnächst werden die Sitze erneuert und noch kleinere fällige Reparaturen durchgeführt.

Die Stunden an Arbeit, die schon in den Würfelzucker geflossen sind, zählt Grigo schon gar nicht mehr. „Wenn man an einer Sache Spaß hat, vergisst man sowieso die Zeit“, stellt er fest. Er hat Gefallen daran gefunden, Busse zu fahren und zu reparieren. „Mit einem Bussimulator im Kinderzimmer fing alles an“, erzählt der 19-Jährige. Um das Simulationsspiel am PC herum baute er sich Stück für Stück eine Fahrerkabine. Gleichzeitig ließ ihn ein Schülerpraktikum in der DVG-Werkstatt nicht mehr los.

Wann immer es ging, schaute Grigo anschließend in den Ferien vorbei. In einem Oranienbaumer Autohaus begann er nach der Schule eine Kfz-Mechatroniker-Lehre. Doch die Ausbildung zum Berufsbusfahrer in Leipzig, die er im Februar 2020 abschließen wird, überzeugte ihn noch mehr. So wähnt sich Grigo schon in jungen Jahren in Beruf und Hobby angekommen. (mz)