Wohnungsgenossenschaft Dessau

Wohnungsgenossenschaft Dessau: Der „harte Hund“ Hans Tschammer geht in den Ruhestand

Dessau - Hans Tschammer war Unternehmen seit 1990 zuerst im Aufsichtsrat, dann als Vorstandschef verbunden. Nun ist er im Ruhestand.

Von Heidi Thiemann
Hans Taschammer verabschiedet sich in den Ruhestand.

Der „harte Hund“ ist abgetreten. Zum Jahreswechsel ist Hans Tschammer, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft Dessau, in den Ruhestand gegangen. Am Donnerstag wurde er offiziell verabschiedet. Und hat den blauen Staffelstab, den er 1998 von seinem Vorgänger Hans-Joachim Becher bekam, weitergereicht an seinen Nachfolger Nicky Meißner. Der führt die Geschäfte bereits seit Januar.

Mit 100 Gästen hatten Tschammer und Meißner gerechnet - es waren weitaus mehr, die dem 70-Jährigen ihre Referenz erweisen wollten. Dicht gedrängt standen Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Handwerk, Verwaltung, von Banken oder der Wohnungswirtschaft im Foyer des Sitzes der Wohnungsgenossenschaft, die der erste Neubau des Unternehmens nach der Wende war. Dieses Haus, weiß Tschammer, „war für viele eine Frechheit“.

Manch Oberbürgermeister habe den Firmensitz bis heute nie betreten. „Aber es ging nicht darum, dass wir einen warmen Hintern haben, sondern es ging um das Wichtigste, unsere Kundschaft“, sagt der Mann, der vielen bis heute als streitbarer Querdenker, harter Verhandler, aber stets der Sache dienlicher Mensch bekannt ist. „Ich weiß, dass mich nicht alle lieben.“ Aber den Mitgliedern sei er verpflichtet.

Die Leerstandsquote der Wohnungsgenossenschaft Dessau beträgt drei Prozent

Denen hinterlässt er ein gut aufgestelltes Unternehmen, bei dem rund 6.500 Bewohner ein Zuhause gefunden haben. Der Bestand wurde modernisiert, 101 Aufzugsanlagen sind eingebaut, die Leerstandsquote beträgt drei Prozent. Zahlreiche Neubauvorhaben wurden umgesetzt. Die Stadtvilla in der Parkstraße gehört dazu wie auch Projekte in der Ebert- und Gropiusallee. Unter seiner Ägide wurden die Laubenganghäuser Teil der Unesco-Welterbes.

Stadtumbau, würdigte Oberbürgermeister Peter Kuras, war bei Hans Tschammer nie die Definition von Abriss und Untergang. „Er hatte von Anfang an einen scharfen Blick in die Zukunft.“ Trotz schwieriger Situation nach der Wende, wie auch Nicky Meißner beschrieb, hatte sich die Wohnungsgenossenschaft entgegen dem allgemeinen Trend erfolgreich entwickelt.

Die Stadt, gestand OB Kuras, habe zulange ein Übergewicht auf sozialen Wohnungsbau gelegt. „Es gibt aber auch Bedarf an gutem Wohnraum, für den die Menschen gerne mehr bezahlen.“ Die Wohnungsgenossenschaft habe das erkannt. Nicht zuletzt deshalb sei Tschammer von der Wohnungswirtschaft ausgezeichnet worden und erhielt 2013 den Sonderpreis für unternehmerische Lebensleistung der Stadt.

40 Prozent der Mitarbeiter sind ehemalige Azubis

Ein halbes Arbeitsleben, blickte Tschammer zurück, habe er im Unternehmen „mit meiner Mannschaft“ verbracht. „Ich würde das auch weitermachen, wenn es die Jugend nicht gäbe.“ Doch er weiß: „Der Nachwuchs kann es, auch ohne mich.“ 40 junge Leute wurden mittlerweile zu Immobilienkaufleuten ausgebildet, 40 Prozent der Mitarbeiter sind ehemalige Azubis. Darunter der neue Chef Nicky Meißner, der sagte, Tschammer als Förderer, nie als Bremser erlebt zu haben.

Tschammer, studierter Jurist mit Spezialisierung Wirtschaft, war ebenfalls jung, als er Führungsverantwortung übernahm. Mit 33 wurde der zweifache Vater und heutige Großvater dreier Enkel beim VEB Spezialbau Potsdam, Betriebsteil Dessau, Betriebsdirektor. Als das Unternehmen nach der Wende übernommen wurde von Maculan, war er Niederlassungsleiter, dann zwei Jahre bei Hoch und Tief.

Seit 1990 war er im Aufsichtsrat der Wohnungsgenossenschaft. Schon seit 1974 gehörten Tschammer und seine Frau der damaligen AWG Einheit an, „weil wir eine Wohnung brauchten“. Die Arbeit im Aufsichtsrat war Ehrenamt. 1998 wechselte er von der Bau- in die Wohnungswirtschaft und bildete bis 2013 mit Erika Chwalinski das Team im Vorstand.

Hans Tschammer will sich auch weiter ehrenamtlich in der Stadt einmischen

Ehrenamtlich war Tschammer weiter unterwegs. Seit 2014 ist er Stadtratsmitglied der SPD, führte den Kreisverband zuvor von 2010 bis 14. Er war Präsident des Wirtschafts- und Industrieclubs, auch Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates Dessau, Mitglied des Verwaltungsbeirates der Sparkasse und mehr.

Und nun? „Ich bin nicht weg, ich wandel mich nur in was anderes“, sagt Tschammer zum Abschied. Dass er sich weiter ehrenamtlich einmischt, davon dürfe man gerne ausgehen. (mz)

Blick in die Muldstraße: Die von der Wohnungsgenossenschaft sanierten Blöcke stechen hervor.
5.000 Euro überreichte Hans Tschammer an Dino Höll vom Mausoleumsverein. Er hatte auf Geschenke verzichtet und um Spenden gebeten.