Weniger Krippenkinder in Dessau-Roßlau

Weniger Krippenkinder in Dessau-Roßlau: Keine Kita wird geschlossen

Dessau-Roßlau - 7.900 Kinder besuchen eine Kindertageseinrichtung oder eine Tagespflegestelle (Stand Ende 2014) in Dessau-Roßlau. Das sind rund 63 Prozent aller Kinder im Alter unter 14 Jahren in der Doppelstadt. Betreut werden sie in 41 Kindertagesstätten unterschiedlicher Trägerschaft und elf ...

Von Sylke Kaufhold 07.04.2016, 11:33

7.900 Kinder besuchen eine Kindertageseinrichtung oder eine Tagespflegestelle (Stand Ende 2014) in Dessau-Roßlau. Das sind rund 63 Prozent aller Kinder im Alter unter 14 Jahren in der Doppelstadt. Betreut werden sie in 41 Kindertagesstätten unterschiedlicher Trägerschaft und elf Tagespflegestellen.

„Von der Angebots- und Trägervielfalt sind wir in Dessau-Roßlau gut aufgestellt“, stellt Mario Wegener, Jugendhilfeplaner im städtischen Jugendamt, den Aussagen der Fachplanung für den Zeitraum bis 2020 voran. Auch in der Qualität der Betreuung und der konzeptionellen Arbeit habe es bei allen Trägern eine Steigerung gegeben, schätzt das Jugendamt ein.

Der Fachplan für die Kindertagesbetreuung wird nicht langfristig festgeschrieben, sondern bedarf einer regelmäßigen Anpassung an die sich stets verändernden Rahmenbedingungen. Derzeit ist die Planung bis 2020 in Vorbereitung und soll am 13. April im Stadtrat beschlossen werden. Dann sind die darin formulierten Handlungsempfehlungen umzusetzen.

Die MZ stellt die wesentlichen Aussagen vor:

Entwicklung des Platzangebotes

Laut Prognose werden im Jahr 2020 circa 7.723 Kinder unter 14 Jahren in Dessau leben (2014: 7 910 Kinder). Damit werden gegenüber der bisherigen Prognose 228 Kinder in dieser Altersgruppe mehr erwartet. Damit wird eine Reduzierung der Betreuungsplätze um circa 200 nicht mehr notwendig. „Wir haben deshalb keine Einrichtungs-Schließung geplant“, so Jugendamtsleiterin Heike Förster. Die Zahl der Kinder wird sich laut Prognose in den innerstädtischen Bereichen Nord, Mitte und Süd erhöhen, in den Vororten dagegen verringern. Bis zum Jahr 2020 wird sich laut Fachplan auch an der Gesamtkapazität der Plätze (Kinderkrippe, Tagespflege, Kindergarten, Hort) von 5.005 nichts ändern, da sich auch das Nutzerverhalten im Vergleich zu heute kaum verändern wird.

Wie die Öffnungszeiten gestaltet und die Betreuungsangebote aussehen sollen, lesen Sie auf Seite 2.

Gestaltung der Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten sollen einheitlich für alle Einrichtungen von 6 bis 18 Uhr gelten. Bisher sind die Zeiten sehr unterschiedlich geregelt, manche Einrichtungen schließen schon um 16.30 Uhr. „Damit sind für die Eltern von vornherein Einschränkungen vorgegeben, die oft am Familienbedarf vorbeigehen“, erklärt Förster.

Erweiterung der Betreuungsangebote

Grundsatz ist die Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit. Die Randzeitenbetreuung ist seit Jahren ein Thema, „aber keiner kann den tatsächlichen Bedarf festschreiben“, so Mario Wegener. Deshalb werde mit Beschluss der Teilplanung in der Kita Rasselbande modellhaft eine Betreuung von 5.30 Uhr bis 20.30 Uhr angeboten, auch an den Sonnabenden, da sich dieser zunehmend als Arbeitstag herauskristallisiert. Nach einem Jahr wird die Inanspruchnahme geprüft. „Wenn der Bedarf nicht da war, werden wir die Randzeitenbetreuung wieder einstellen“, betont die Dessau-Roßlauer Jugendamtsleiterin. Ähnlich wird mit der 24-Stunden-Kita verfahren, die nach deren Sanierung in der Kita „Bremer Stadtmusikanten“ eingerichtet werden soll, als Angebot insbesondere für Alleinerziehende.

Der Bedarf an pädagogischem Personal wird aufgrund des Generationswechsels in den Einrichtungen in den nächsten fünf Jahren sehr hoch sein. Fachkräfte zu finden, ist auch in diesem Bereich schwierig. Die Fachplanung schlägt deshalb vor, aktiver mit den Berufsfachschulen vor Ort zusammenzuarbeiten und zum Beispiel durch Praktika-Angebote gezielt Nachwuchs zu gewinnen. Der Eigenbetrieb Dekita wird ab 1. Juni fünf Auszubildenden eine duale Ausbildung in Kooperation mit der Fachschule Halle anbieten.

In Auswertung des Bildungsberichtes ist die Sprachförderung in allen Einrichtungen ein Schwerpunkt. Nach einer Bedarfsanalyse soll mit entsprechenden Angeboten, zum Beispiel einer Sprachförderkraft, reagiert werden. Das Jugendamt bereitet eine entsprechende Beschlussvorlage vor. (mz)