OB-Kandidaten im Porträt

Warum der Grüne Unternehmer Ralf-Peter Weber glaubt der Richtige OB für Dessau-Roßlau zu sein

Von Oliver Müller-Lorey
Der Platz am Kornhaus-Kiosk direkt an der Elbe ist einer von Ralf-Peter Webers Lieblingsorten.
Der Platz am Kornhaus-Kiosk direkt an der Elbe ist einer von Ralf-Peter Webers Lieblingsorten. (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau-Roßlau - Vom Kornhaus-Kiosk aus hat Ralf-Peter Weber einen guten Blick auf den Elbdeich und die Spaziergänger, die dem kalten Wind trotzen. Sogar einige Radler kämpfen gegen die Brise an und nähern sich Dessaus berühmtester Ausflugsgaststätte.

„Dieser Ort hier passt aus mehreren Gründen zu mir“, sagt der Oberbürgermeisterkandidat, der am 6. Juni ins Rathaus einziehen möchte. „Der Fluss steht für das Trennende und das Verbindende, der wegen des Lockdowns lange geschlossene Kiosk für die Gastronomie, die unter der Krise leidet und Unterstützung braucht und der Radweg, der hier entlangführt, der passt auch.“

Weber, der Staatssekretär im Umweltministerium ist und mehrere Jahre lang mit einem Unternehmen Radreisen verkaufte, hat ein grünes Parteibuch

Warum gerade der Radweg? Weber, der Staatssekretär im Umweltministerium ist und mehrere Jahre lang mit einem Unternehmen Radreisen verkaufte, hat ein grünes Parteibuch, auch wenn er als unabhängiger Kandidat antritt. Da liegt das Radeln nahe. Außerdem sorgte er in seiner Funktion bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für die neue Beschilderung mehrerer Radwege.

Weber glaubt, der Richtige für den wichtigsten Posten in Sachsen-Anhalts drittgrößter Stadt zu sein, weil er Erfahrung als Wirtschaftsförderer, Moderator und Unternehmer habe. So sorgte er als sogenannter Leadermanager für die Verteilung von europäischen Fördermitteln. Er war Geschäftsführer des Bauernverbands und vor seiner Zeit als Staatssekretär mit einer Beraterfirma selbstständig. Seit achteinhalb Jahren führt er das Hotel „Sieben Säulen“.

Im Fall seiner Wahl will er mit dem Stadtrat enger zusammenarbeiten

Nun will er den gut bezahlten Staatssekretär-Job gegen einen neuen tauschen. Warum? „Nach fünf Jahren in Magdeburg reizt es mich, Politik wieder näher am Menschen zu machen“, sagt der 54-Jährige. Im Land habe er vor allem viel mit Verbänden zu tun, selten mit den Personen vor Ort. Die Arbeit „an der Basis“ sei er aber gewohnt. Zwischen 2004 und 2014 war Weber Stadtrat in Dessau. „Viele Gesichter kenne ich noch“, sagt er.

Im Fall seiner Wahl will er mit dem Stadtrat enger zusammenarbeiten, Beschlüsse mit dem Gremium in einer ersten Lesung besprechen und sie nicht in einer „Friss-oder-stirb-Manier“ vorsetzen, wie es derzeit der Fall sei. „Ich weiß, was auf mich zukommt und habe Respekt vor der Arbeit“, sagt er.

Ralf-Peter Weber verbringt seinen Feierabend gerne im Grünen, etwa hier am Teich im Garten.
Ralf-Peter Weber verbringt seinen Feierabend gerne im Grünen, etwa hier am Teich im Garten.
(Foto: Ralf-Peter Weber)

Seinem Programm indes ist eine gewisse Grünfärbung nicht abzusprechen

Weber tritt als überparteilicher und nicht als grüner Kandidat an, weil ein Oberbürgermeister seiner Meinung nach kein „Parteisoldat“ sein solle. „Nicht als Grüner anzutreten, war von vornherein so geplant. Ich bin seit 20 Jahren in der Partei und trage die Grundprinzipien mit, aber ich habe auch einen eigenen Kopf“, sagt er. Er sei das, was man gemeinhin einen „Realo“ nenne. Die SPD, Bürgerliste, Neues Forum und die Grünen sowieso konnte er mit dieser Argumentation überzeugen. Sie unterstützen und empfehlen ihn offiziell für die Wahl.

Seinem Programm indes ist eine gewisse Grünfärbung nicht abzusprechen. „Moderner, weltoffener, nachhaltiger“, will er Dessau-Roßlau aufstellen. Konkret bedeutet das, die Kultur stärker in den öffentlichen Raum zu bringen, temporär leerstehende Objekte in der Innenstadt zu öffnen, Händlern ein Podium zu bieten und einen Kultursommer ins Leben zu rufen. Schulen müssten besser mit der Wirtschaft vernetzt werden. Weber fordert einen anderen Führungsstil, will die Verwaltung effizienter und wirtschaftlicher aufstellen.

In seiner Wahlkampfkampagne setzt der Familienvater sowohl auf Plakate und Flyer als auch auf Gespräche mit Bürgern

Weltoffenheit bezieht er auf den Zuzug von Fachkräften und Flüchtlingen gleichermaßen. „Eine offene Gesellschaft sollte auch offen für Flüchtlinge sein“, sagt er. Würde er am 6. Juni tatsächlich zum Oberbürgermeister gewählt, wären eine Bewerbung für die Bundesgartenschau sowie das Baurecht für eine Ortsumgehung in Roßlau zwei seiner Herzensangelegenheiten. Das European Bauhaus sieht er als Chance.

In seiner Wahlkampfkampagne setzt der Familienvater, der mit seiner Lebensgefährtin zusammenwohnt, sowohl auf Plakate, und Flyer als auch auf Gespräche mit Bürgern. Ob’s hilft? Der Radfahrer hat sich inzwischen durch den Sturm zum Kornhaus gekämpft, und blickt kurz zu Weber hoch. Der lächelt und nickt ihm zu - so von Radler zu Radler. (mz)