Visionen für Schloßplatz

Visionen für Schloßplatz: "Wir wissen um das tragische Schicksal der Stadt"

Dessau - Warum sich der Verein „Stadtbild Deutschland“ mit der Idee der Dessauer Muldterrassen von Kerstin Franz beschäftigt.

Von Sylke Kaufhold

Visionen für den Schloßplatz stehen im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung, zu der am Montag, 21. Januar, in die Marienkirche eingeladen wird. Gastgeber ist der Verein „Stadtbild Deutschland“, der sich bundesweit für mehr Qualität im Städtebau einsetzt. Die Dessauerin Kerstin Franz wird ihr Projekt der „Muldterrassen“ vorstellen.

Für die Moderation der Veranstaltung konnte der Dessauer Schauspieler Karl Thiele gewonnen werden. Vorstandsmitglied Manuel Reiprich wird das zweite Impulsreferat des Abends halten und beantwortete einige Fragen im Vorfeld.

Was ist das für ein Verein, der sich für attraktive Stadtbilder engagiert?

Gegründet wurde „Stadtbild Deutschland“ im Jahr 2005 als Dach für die bereits existierenden verschiedenen lokalen Vereine und Initiativen. Der Verein hat knapp 500 Mitglieder, organisiert in verschiedenen Ortsverbänden, wie zum Beispiel Magdeburg, Halle-Dessau. Vereinssitz ist in Frankfurt/Main. Ziel des ehrenamtlichen Engagements ist neben dem Schutz erhaltenswerter Architektur und der Rekonstruktion besonders herausragender Bauwerke das Bemühen um ästhetische Aufwertung deutscher Stadtbilder.

„Wir setzen uns dafür ein, dass die Prinzipien des historischen Städtebaus wieder angewendet werden“, erklärt Manuel Reiprich. Dabei sieht sich der Verein als Vermittler und Moderator mit fachlicher Kompetenz. „Wir sind kein Fachgremium, verfügen aber über fachliche Kompetenz“, sagt der Berufsschullehrer.

Warum engagiert sich der Verein in Dessau?

Eines der Mitglieder sei von einem Dessauer über die Idee von Kerstin Franz informiert worden. „Das hat unser Interesse geweckt, zum anderen kenne auch ich Dessaus Zentrum als ziemlich gesichtslos, weiß aber um das tragische Schicksal der Stadt, die im Zweiten Weltkrieg nahezu völlig zerstört wurde“, erklärt Reiprich das Interesse des Vereins an der einstigen Residenzstadt.

Dessau könnte also sein Gesicht wiederbekommen?

Manuel Reiprich zählt mit Dresden, Hildesheim, Frankfurt/Main Beispiele erfolgreicher Rekonstruktionen zerstörter Altstädte auf. „Es ist möglich, sinnvoll und erfolgreich“. Bei der Veranstaltung am Montag soll verdeutlicht werden, dass dies auch in kleineren Städten wie Dessau möglich ist. In allen drei Städten waren es die Bürger, die eine teilweise Rekonstruktion ihrer Altstädte gewünscht und nach hartem Widerstand auch durchgesetzt haben. Eine exakte Rekonstruktion des Vorkriegszustandes hält der Verein allerdings nur an wenigen Stellen für sinnvoll, erklärt Reuprich. „Wir haben heute ganz andere Nutzungsansprüche als damals“. Vielmehr sollte man sich die Stadtbaukunst vergangener Jahrhunderte und ihre positiven Qualitäten zum Vorbild nehmen und für die heutige Zeit neu entdecken.

Wie kommen die Meinungen und Ideen der Bürger zu den Entscheidungsträgern der Stadt?

Alle Ideen werden vom Verein gebündelt und an die Stadt übergeben, mit der auch direkt Kontakt aufgenommen wird, ebenso mit den Fraktionen. Vertreter der Verwaltung seien am Montag aber auch eingeladen teilzunehmen und mitzudiskutieren. „Wir wünschen uns, dass die Stadt die Ideen aufgreift“, kündigt Manuel Reiprich gleichzeitig weitere derartige Veranstaltungen an. Denn mit Architektur müssten sich die Menschen identifizieren können, sie sei bedeutsam für das Heimatgefühl. Der Verein will helfen, die Kommunikation darüber zwischen Bürgern und städtischen Vertretern zu verbessern. (mz)

Veranstaltung „Vision Schloßplatz - Gemeinsam für Dessau“ am Montag, 21. Januar, 18 Uhr in der Marienkirche. Eintritt frei. Dauer: 90 Minuten.