Nicht einmal 100 Euro wert

Täter werfen Sicherheitsglas ein und entführen Marienstatue aus Pfarrgarten von Kirche in Dessau

Von Oliver Müller-Lorey
Da war sie noch da: In der mittleren Grotte steht die Marienfigur, geschützt hinter Sicherheitsglas.
Da war sie noch da: In der mittleren Grotte steht die Marienfigur, geschützt hinter Sicherheitsglas. (Foto: Matthias Hamann)

Dessau - Der Wert ihrer Beute dürfte nicht einmal 100 Euro betragen, und doch ist es weit mehr als ein Dummejungenstreich oder eine spontane Tat gewesen, die Unbekannte im Pfarrgarten der katholischen Kirche Peter und Paul in Dessau verübt haben.

Anfang des Monats haben Diebe eine holzgeschnitzte Marienfigur, die hinter Sicherheitsglas an der rückwärtigen Seite der Kirche aufgestellt war, gestohlen. Bis heute ist sie nicht wieder aufgetaucht und nicht nur Pfarrer Matthias Hamann fragt sich: Warum um alles in der Welt man so etwas tut?

Nun ist die Grotte leer.
Nun ist die Grotte leer.
(Foto: OML)

„Die Figur stammt aus einem Altersheim und steht seit 20 Jahren bei uns“

„Wir können davon ausgehen, dass die Tat gut geplant war. Denn die Diebe haben eine ganze Tasche voller Granit-Pflastersteine mitgebracht, mit der sie das Sicherheitsglas einwarfen. Die Tasche stand am Morgen danach noch dort“, sagt der Probst. Es ist nicht der erste Diebstahl in seiner Gemeinde. Vor drei Jahren waren kriminelle in die Kirche eingedrungen und hatten ein Bronzerelief abgebaut, das sie später auf dem Kunstmarkt verkaufen wollten. Nur weil ein Zeuge das Relief auf der Seite des Kunsthändlers erkannte und die Polizei verständigte, kam die Kirche wieder zu ihrem Schatz.

Die Holzfigur dürfte dagegen materiell uninteressant sein, schätzt Hamann. „Es ist ganz normales Holz. Die Figur stammt aus einem Altersheim und steht seit 20 Jahren bei uns.“ Der ideelle Wert sei deutlich höher. „Für die Leute aus der Gemeinde ist die Marienfigur wichtig und auch für manche Patienten der Alexianer-Tagespflege in der Nähe“, sagt er. Zwei Frauen pflegten bis zum Diebstahl die Grotte, in der die Figur stand, pflanzen Blumen, kümmerten sich um den Ort.

Für die Dessauer Polizei spielen indes weniger die religiösen Hintergründe, und dafür mehr die kriminalistischen eine Rolle

Ob die Täter aus antireligiösen Motiven handelten, weiß Hamann nicht. Für Gläubige hat die Darstellung der Mutter Jesu aber eine hohe Bedeutung. Sie erinnert an Wallfahrtsorte in Portugal und Frankreich, wo Maria in der Nähe einer Grotte erschienen sein soll. Daher stand die Figur im Pfarrgarten an der Zerbster Straße ebenfalls in einer Grotte.

Für die Dessauer Polizei spielen indes weniger die religiösen Hintergründe, und dafür mehr die kriminalistischen eine Rolle. Sie hat sich mit einem Zeugenaufruf an die Bevölkerung gewandt. Wer zwischen dem 2. Juni, 23 Uhr, und dem 3. Juni, 8 Uhr, etwas Verdächtiges gesehen hat oder gar weiß, wo sich die rund 80 Zentimeter große Figur befindet, wird gebeten, sich an die Polizeiinspektion unter 0340/25030 zu wenden.

Probst Matthias Hamann hofft, dass seine Gemeinde wie vor drei Jahren noch einmal Glück hat, und die Figur wieder auftaucht. „Vielleicht stellt sie der Täter ja im Schutz der Dunkelheit wieder hin“, sagt er. Doch gern wüsste er auch, was die Gründe für den Diebstahl sind. (mz)