Neuer Eigentümer

Neuer Eigentümer: Holding kauft Dessauer Schaltschrank- und Gehäusetechnik

Dessau - Die Schaltschrank- und Gehäusetechnik ist verkauft und soll weiter wachsen. Warum die Indus AG gerade auf die Dessauer Firma setzt.

Von Heidi Thiemann

Die Dessauer Schaltschrank- und Gehäusetechnik GmbH (DSG) hat einen neuen Eigentümer. Die börsennotierte Indus Holding AG hat alle Anteile an der Firma übernommen. Darüber sind die rund 120 Mitarbeiter bereits am 8. Oktober informiert worden. In dieser Woche erfolgte die noch ausstehende Zustimmung durch die Kartellbehörden.

„Jetzt ist alles 100-prozentig unter Dach und Fach“, sagt Stefan Grimm, Geschäftsführer der Schaltschrankbauer. Die Zeichen seien auf die weitere Entwicklung des Standorts gestellt.

Die Dessauer Firma an der Alten Landebahn ist das nunmehr 47. Tochterunternehmen der Indus-Gruppe. Die 1989 gegründete Holding AG mit Sitz in Bergisch Gladbach ist eine mittelständische Beteiligungsgesellschaft, die sich nach eigenen Angaben auf die langfristige Entwicklung ihrer Portfoliounternehmen konzentriert.

„Das Unternehmen passt gut zu uns. Klein, aber fein“

Die Unternehmen kommen aus den Branchen Bau und Infrastruktur, Fahrzeugtechnik, Maschinen- und Anlagenbau, Medizin und Gesundheitstechnik sowie Metalltechnik.
„Das Unternehmen passt gut zu uns. Klein, aber fein“, erklärte Dr. Johannes Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Indus, nach der Bekanntgabe der Übernahme des Dessauer Unternehmens.

DSG werde das Segment Metalltechnik verstärken. Schmidt nennt die Dessauer Firma einen „Hidden Champion“, also ein bisher unterschätztes Unternehmen, und lobt es als „Zulieferer in die Zukunftsbranche Technik für Infrastruktur und Logistik“. Die Kunden der Dessauer Firma - darunter zahlreiche namhafte - kommen sowohl aus der Schienenfahrzeug- und Schiffstechnik, der Elektro- und Kommunikationstechnik als auch dem Maschinen- und Anlagenbau und Automatenbau.

Mit der DSG-Übernahme stärke Indus auch die Aktivitäten im Bereich anspruchsvoller Blechverarbeitung zusammen mit den Schweizer Portfoliounternehmen Bacher und Hakama, so Schmidt.

Für Außenstehende kommt der Schritt des Verkaufs überraschend

Für Außenstehende kommt der Schritt des Verkaufs überraschend. Erst zum 1. Januar 2015 war die zuvor insolvente Dessauer Schaltschrank- und Gehäusetechnik von der Hennecke-Gruppe aus Neustadt (Wied) übernommen worden. Thomas Hennecke hielt 75 Prozent der Firmenanteile, Geschäftsführer Stefan Grimm 25.

Grimm, der im Großraum Köln auch die SG Unternehmensberatung GmbH führt, erklärt, dass es beiden Partnern nicht nur um die Entwicklung des Unternehmens in Dessau, sondern auch perspektivisch um die Unternehmensnachfolge gegangen sei. Hauptanteilseigner Hennecke, mit dem er seit acht Jahren zusammen arbeite, werde 67 und wolle sich zurückziehen, bleibe aber weiter Eigentümer der Gebäude.

Schon jetzt werden Schweißer, Abkanter und Monteure gesucht

Im Frühjahr wurde die Suche nach einem Unternehmensnachfolger auf den Weg gebracht. Es gab mehrere Interessenten. „Uns ist ein Coup gelungen“, sagt Grimm zur Indus AG. Diese sei ein Partner, der strategisch zum Unternehmen passe und sehr hohes Engagement gezeigt habe. „Das sind Leute, die wollen uns voranbringen“, lässt Grimm keinen Zweifel aufkommen. Das operative Geschäft liege weiterhin in den Händen der Dessauer Firma, „das ändert sich nicht“.

Doch um weiter erfolgreich zu sein, brauche die Firma Arbeitskräfte, insbesondere für die Produktion. Schon jetzt werden Schweißer, Abkanter und Monteure gesucht. (mz)

Die Firma Dessauer Schaltschrank- und Gehäusetechnik wurde im Jahr 2004 gegründet, Die Firmentradition reicht aber rund 125 Jahre zurück auf das 1895 gegründete Unternehmen Junkers & Co.

Im Jahr 2005 übernahm die Berliner Geyer-Gruppe die Firma und errichtete an der Alten Landebahn in Dessau einen hochmodernen Neubau. Im November 2012 meldete die Firma Insolvenz an. Zum 1. Januar 2015 wurde die Firma von der Hennecke-Gruppe aus Neustadt (Wied) übernommen.

Nunmehr gehören alle Firmenanteile der Indus Holding AG. Die mittelständische Beteiligungsgesellschaft aus Bergisch Gladbach ist im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet.