Neuer Chef im Tierpark

Neuer Chef im Tierpark: Jan Bauer möchte den Lehrauftrag des Zoos stärken

Dessau - Ein Jahr lang war die Chefstelle unbesetzt. Am Freitag hatte der Biologe und Marketingexperte Jan Bauer seinen ersten Arbeitstag in der Querallee.

Von Heidi Thiemann 02.12.2017, 15:00

Viel Zeit, sich an seinem ersten Arbeitstag im Dessauer Tierpark umzusehen, hatte Jan Bauer am Freitag noch nicht. Denn zur Begrüßung haben dem neuen Leiter des Lehrparkes für Tier- und Pflanzenkunde in der Querallee erst einmal viele Leute die Hand geschüttelt - allen voran Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Peter Kuras, der Beigeordnete für Kultur Robert Reck und Dino Höll, Geschäftsführer der Stadtwerke und Vorsitzender des Fördervereins Mausoleum.

Oberbürgermeister Peter Kuras lobt das Tierpark-Team

Die Freude, endlich einen Nachfolger für die in den Ruhestand gegangene Tierparkchefin Christine Kilz zu finden, ist bei Kuras groß. Seit Januar war die Stelle vakant.

Obertierpflegerin Marion Schüler und ihr Team haben diese Zeit aber mit viel Engagement überbrückt. Überhaupt, lobt er, „macht das Team seit vielen Jahren einen hervorragenden Job“. Die Einrichtung, in der auf elf Hektar Fläche 120 Tierarten aus zahlreichen Ländern zu Hause sind, sei sehr beliebt. In diesem Jahr kratzt sie an der 100.000er Besuchergrenze.

Jan Bauer ist Diplom-Biologie und Tourismusbetriebswirt

Die zu knacken, das haben sich das Kulturamt und der neue Chef des Tierparks vorgenommen. Und der bringt laut Kuras dafür auch die richtigen Qualifikationen mit.

Jan Bauer ist nicht nur Diplom-Biologe, sondern auch Tourismusbetriebswirt. Er weiß also nicht nur um die Tier- und Pflanzenwelt bescheid, auch Marketing ist ihm nicht fremd.

Ein Betriebsausflug führte ihn das erste Mal nach Dessau

Bauer ist in Berlin geboren, hat in Berlin und in Bielefeld studiert. Dessau ihm nicht unbekannt. Nicht nur als Geschäftsführer der Deutschen Tierparkgesellschaft, in der mehr als 100 Tierparks von Aschersleben bis Zittau Mitglied sind, hatte er in der Vergangenheit Kontakt nach Dessau.

Das erste Mal war er aber vor neun Jahren hier. Als ein Betriebsausflug den damals jungen Inspektor mit Kollegen aus dem Waldzoo Gera in die Bauhausstadt führte. Bei dem Treffen, verrät er lachend, habe Dessaus Tierparkchefin Christine Kilz gemeint, sie könne sich gut vorstellen, dass er sie einmal beerbe.

Jan Bauer hat unter anderem in Neunkirchen, Erfurt und Köln gearbeitet

Einen Gedanken daran hatte Bauer aber vorerst nicht verschwendet. Nach Gera hatte er in verschiedenen Zoos gearbeitet. Neunkirchen, Erfurt, Köln gehören unter anderem dazu. In Worms war er Tiergartenleiter.

Vor zwei Jahren schließlich hatte er seine eigene Firma Zoo-Management gegründet, ein auf zoologische Einrichtungen spezialisiertes Dienstleistungsunternehmen. Das legte sowohl Schwerpunkte auf die Beratung, auf das Marketing, die Personalschulung als auch Zootierernährung.

All dieses Wissen und die Erfahrungen wird der 40-Jährige nun direkt in seine neue Arbeit in Dessau einfließen lassen können.

Jan Bauer hat sich erst in der zweiten Runde beworben

Bauer gehörte noch nicht zu den Kandidaten, die sich in der ersten Bewerbungsrunde auf die Stelle hin beworben hatten. Erst als er erfuhr, dass die Stelle erneut ausgeschrieben worden war, habe er seine Bewerbung abgeschickt.

Kurz darauf, erzählt er, sei er nach Askania Nova gefahren. Zurück geht Askania Nova auf den Köthener Herzog Ferdinand, der im damaligen Südrussland (heute Ukraine) eine Schafzuchtkolonie gründete. „Dort kennt man noch heute Köthen und Dessau“, erzählt Bauer. „Die Brücke von Askania Nova zu den Askaniern zu schlagen, fand ich spannend.“

Jan Bauer möchte nun erstmal den Park und sein Team kennenlernen

Nun ist er hier. Erst einmal, sagt Bauer, „ist es mir wichtig, den Park und mein Team kennenzulernen“, sich ein umfassendes Bild von allem zu machen. Erst danach werde sich zeigen, welche Veränderungen anstehen.

Aber die Dessauer Einrichtung, zwischen den großen Zoos Halle, Leipzig und Magdeburg gelegen, habe ein Alleinstellungsmerkmal, hebt er hervor: „Er ist ein Lehrpark für Tier- und für Pflanzenkunde. Außerdem befindet sich mit dem Mausoleum ein Kulturdenkmal in seinem Bereich.“ Mit diesem Dreiklang will Bauer stärker werben, „denn gerade auch als Touristiker schaue ich gerne auf das Mausoleum“, gibt er zu.

Jan Bauer möchte den Lehrauftrag des Zoos stärken

Dass dort mit der Jugendbauhütte ein Projekt gestartet wurde, das hilft, den Denkmalkomplex zu erhalten, hört er gern. Wichtig, sagt er, sei ihm aber auch, den Lehrauftrag des Zoos zu stärken. „Er ist eine feste Destination“, weiß er. Nicht nur für Besucher aus der Stadt und Umgebung, auch um Touristen zu locken. (mz)