Nach schwierigem letzten Jahr

Nach schwierigem letzten Jahr: Dessauer Schaltschrankbau hat einen neuen Chef

Dessau - Im Dessauer Schaltschrankbau hat Aleksadar Mijovic die Verantwortung übernommen. Sein Vorgänger Stefan Grimm blickt auf sieben Jahre zurück.

Von Heidi Thiemann

Der Staffelstab liegt auf dem Schreibtisch. Stefan Grimm, Geschäftsführer der Dessauer Schaltschrank- und Gehäusetechnik (DSG), hat ihn an seinen Nachfolger Aleksandar Mijovic übergeben. Denn der Rheinländer verlässt die Bauhausstadt.

Sieben Jahre ist es her, dass Grimm und und sein Geschäftsfreund Thomas Hennecke von der Hennecke-Gruppe die zuvor insolvente Dessauer Schaltschrank- und Gehäusetechnik übernommen hatten. „Uns ist es gelungen, die DSG zu einem gut strukturierten und erfolgreichen Marktteilnehmer in der Schaltschrank- und Gehäusetechnik Branche zu formen“, sagt Grimm rückblickend.

Bereits vor anderthalb Jahren verkündete er stolz: „Uns ist ein Coup gelungen.“ Er und Hauptanteilseigner Hennecke hatten zum 1. Oktober 2019 die DSG an die Indus Gruppe verkauft. Hennecke ist weiter Eigner der Gebäude.

Obwohl vor Monaten geplant, fällt dem 57-Jährigen Grimm der Abschied aus Dessau wohl doch nicht so leicht

Die Indus Holding Aktiengesellschaft mit Sitz in Bergisch Gladbach ist eine deutsche Beteiligungsgesellschaft und im SDAX gelistet. Sie investiert langfristig in mittelständische Produktionsunternehmen im deutschsprachigen Raum. Das operative Geschäft liege aber weiter in den Händen vor Ort, war Grimm darüber begeistert. Diese Begeisterung teilt auch Aleksandar Mijovic, sein Nachfolger ab 1. März.

Obwohl vor Monaten geplant, fällt dem 57-Jährigen Grimm der Abschied aus Dessau wohl doch nicht so leicht. Dass die Indus die Dessauer Firma als „Hidden Champion“, also bislang unterschätztes Unternehmen, lobt, weil sie ein Zulieferer in die Zukunftsbranche Technik für Infrastruktur und Logistik ist, macht ihn stolz.

Auch, dass die DSG breit aufgestellt ist und Nischen belegt, Kleinserien fertigt, neue Konstruktionen und angepasste Produkte anbietet für Kunden - darunter zahlreiche namhafte. Diese kommen aus den Bereichen Schienenfahrzeug- und Schifffahrtstechnik, der Elektro- und Kommunikationstechnik sowie aus dem Maschinen- und Anlagen- und Apparatebau.

Im August sei dann auch Corona bei den Schaltschrankbauern angekommen

Er habe das Unternehmen durch Höhen und Tiefen geführt, sagt Grimm rückblickend. Und der Rheinländer gibt zu: „Das letzte Jahr war das schwierigste.“ Das hatte nichts mit seinem Abschied zu tun, sondern vor allem mit Corona und einigen Projekten, die die Firma stemmen wollte. Die DSG sollte nach dem Verkauf an Indus stark wachsen, 80  neue Leute eingestellt werden.

„Wir haben Strukturen aufgebaut, doch dann platzt eine Sache...“, erklärt er, vor schwierigen Entscheidungen gestanden zu haben. Im August sei dann auch Corona bei den Schaltschrankbauern angekommen. „Kurzarbeit einzuführen, war die schwerste Entscheidung, die ich je treffen musste“, gibt er zu. Die Mitarbeiterzahl der Firma, inzwischen auf 135 aufgebaut, ging wieder runter auf 105.

Die Lage wird im neuen Jahr nun wieder besser. Auch im März rechnet das Unternehmen mit guten Auftragseingängen. „Wir können zuversichtlich sein, dass wir schnell und komplett wieder aus der Kurzarbeit herauskommen“, sagt Aleksandar Mijovic. Ziel 2021 sei eine Stabilisierung des Unternehmens, im nächsten Jahr „wird wieder mit Wachstum gerechnet werden können“.

Die Firma Dessauer Schaltschrank- und Gehäusetechnik wurde 2004 gegründet. Ihre Tradition reicht aber bis 1895 zurück – auf das Unternehmen Junkers & Co. Im Jahr 2005 übernehm die Berliner Geyer-Gruppe die Firma und errichtete an der Alten Landebahn den hochmodernen Firmenkomplex.

Im November 2012 meldete Geyer Insolvenz an. Die Hennecke-Gruppe aus Neustadt (Wied) übernahm 2015. Nun gehören alle Firmenanteile der Indus Holding AG.

„Ich möchte das Geschäft weiter ausbauen, den Mitarbeitern eine Perspektive geben“

Der 44-Jährige mit serbischen Wurzeln ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, hat in Dortmund Maschinenbau studiert. Beim börsennotierten Automobilzulieferer Hella in Recklinghausen und einem Stahlbearbeitungsunternehmen in Johannesburg (Südafrika) war er tätig und zuletzt als Werkleiter des Batterieherstellers Exide Technologies in Bad Lauterberg für 750 Mitarbeiter verantwortlich. Nun ist er Chef der DSG.

„In Dessau ist alles kleiner“, gibt er zu, „aber super.“ Und: Hier ist er für alle Bereiche verantwortlich. In seinen Augen ist die Firma sehr gut positioniert. „Ich möchte das Geschäft weiter ausbauen, den Mitarbeitern eine Perspektive geben“, sagt er. In Dessau-Roßlau ist Mijovic mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter schon seit Weihnachten Zuhause. Er fühlt sich wohl: „Die Leute hier sind sehr offen und freundlich.“

Auch Grimm sagt rückblickend, „ich war hier nicht fremd“. Er habe zu vielen Unternehmen und Vereinen Kontakte geknüpft, Freundschaften seien entstanden. Nun lege er erst einmal eine Pause ein. In Zukunft konzentriere er sich auf seine Firma SG Unternehmensberatung im Großraum Köln und wolle seine Erfahrungen in Fragen der Unternehmensnachfolge einbringen. (mz)