sanierung

Mit einem Aufzug im Laubenganghaus wird in Dessau das Wohnen im Welterbe modern

In der Peterholzstraße 48 hat die Wohnungsgenossenschaft mit der Sanierung des Weltkulturerbes begonnen. Ein Vorhaben mit vielen Herausforderungen.

Von Sylke Kaufhold 02.11.2021, 08:00 • Aktualisiert: 02.11.2021, 10:00
Im Hof des Laubenganghauses Peterholzstraße 48 laufen derzeit Bohrarbeiten für die Erdwärme-Anlage.
Im Hof des Laubenganghauses Peterholzstraße 48 laufen derzeit Bohrarbeiten für die Erdwärme-Anlage. Foto: thomas ruttke

Dessau/MZ - In der Peterholzstraße 48 sitzen die Mieter auf gepackten Koffern. Alle werden in den nächsten Monaten nach und nach ihre Wohnungen verlassen. Umzugsautos wird man aber vergeblich suchen. Denn die Mieter verlassen das Haus nicht, sondern ziehen nur wenige Meter weiter in eine andere Wohnung. Die ist dann schon modernisiert. Während die eigene für einige Wochen zur Großbaustelle wird.

Nicky Meißner, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Dessau, und Projektleiter Robert Stamm machen sich vor Ort ein Bild von den Arbeiten.
Nicky Meißner, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Dessau, und Projektleiter Robert Stamm machen sich vor Ort ein Bild von den Arbeiten.
Fotos (3):Th. ruttke

Mehr als zwei Millionen Euro werden investiert

Das Laubenganghaus wird generalsaniert. Seit Juli ist die Peterholzstraße 48 eine Baustelle. 2,3 Millionen Euro werden in die denkmalgerechte Sanierung des Hauses mit den 18 Wohnungen investiert. Mehr als die Hälfte, 1,55 Millionen Euro, steuert das Land Sachsen-Anhalt bei. Es ist ein besonderes Bauprojekt, das sich die Wohnungsgenossenschaft Dessau als Eigentümerin der fünf Laubenganghäuser im Dessauer Süden vorgenommen hat. Denn die Bauten gehören seit 2017 zur Unesco-Welterbestätte Bauhaus. Ein Welterbe zu sanieren, das ein genutztes lebendiges Denkmal ist, ist eine Herausforderung. Denn es sind die Ansprüche an modernes Wohnen zu erfüllen, ohne dass das historische Gesamtbild beeinträchtigt wird. „Da waren kreative Ideen und viel Überzeugungsarbeit gefragt“, lässt Nicky Meißner die schwierige und langwierige Vorarbeit anklingen.

Die Fenster sind so ein Beispiel. Ehe dafür eine Lösung gefunden wurde, die Denkmalschützer und Vermieter zufrieden stellte, wurde mehrere Monate hart gerungen. Inzwischen sind die ersten neuen alten Holzfenster eingebaut - doppelt verglast für den nötigen Schallschutz und mit einer Sonnenschutzmöglichkeit. „Die fehlte bisher, was aus Mietersicht ein großer Mangel war, das wollten und mussten wir unbedingt beheben“, so Meißner. Jetzt gibt es auf der Südseite des Hauses eine dezente Verschattung von außen.

Warum die Fassade von innen und nicht von außen gedämmt wird

Auch die Dämmung der historischen Fassade funktioniert nicht nach der herkömmlichen Art und Weise. „Wir können sie nicht von außen dämmen“, erklärt Projektleiter Robert Stamm. Deshalb erhalten die Außenwände von innen eine Schaumglasdämmung. Diese Arbeiten und die parallel stattfindende Strangsanierung sowie Fenster- und Heizungserneuerung sind der Grund für die erforderlichen zeitweisen Auszüge der Mieter. „Das alles ist in bewohntem Zustand nicht machbar“, sagt Nicky Meißner. Acht leerstehende Wohnungen werden deshalb als Ausweichwohnungen hergerichtet. „Das machen wir gerade.“ Diese Wohnungen würden fix und fertig saniert, betont der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft. „Wenn die Mieter wollen, können sie auch dort wohnen bleiben.“ Ansonsten müssten für den Übergang etwa neun Wochen eingeplant werden. „Wir sind unseren Mietern sehr dankbar, dass sie dies auf sich nehmen und helfen ihnen natürlich beim Umzug, lagern Möbel und Hausrat ein und stellen wenn gewünscht eine Küchenzeile zur Verfügung“, so Meißner.

Barrierefreiheit und Energieeffizienz sind zwei weitere Kriterien, die verbesserungswürdig sind. Beides geht der Vermieter im Zuge der Sanierung an. Für die stufenlose Erreichbarkeit aller Wohnungen wird ein Aufzug eingebaut. Über eine Rampe im Hof gelangen die Mieter in den Keller, von wo der Aufzug startet. Damit der Aufzug Platz hat, müssen drei Wohnungen verkleinert werden.

Die Fertigstellung ist im Herbst 2022 geplant

Für geringere Heizkosten wird eine der beiden Gasanlagen durch eine Erdwärmeanlage ersetzt. Die Bohrarbeiten dafür laufen gerade.

Im Herbst kommenden Jahres ist die Fertigstellung der Sanierung geplant. Nach jetzigem Stand stehen die Chancen dafür gut. „Die Arbeiten laufen gut, natürlich spüren auch wir Materialengpässe und Personalnot“, sagt Robert Stamm. Am Bauprojekt beteiligt seien vornehmlich regionale Firmen, das Architekturbüro komme aus Köthen.