Marktgilde bilanziert zehn Jahre

Markthändler fordern Unterstützung der Stadt Dessau-Roßlau - Ist Sortiment zu sehr eingeschränkt?

Von Heidi Thiemann
Stephan Spitschka ist Marktmeister auf dem Wochenmarkt in Dessau-Roßlau. Die Stadt, sagt er, könnte mehr Unterstützung geben.
Stephan Spitschka ist Marktmeister auf dem Wochenmarkt in Dessau-Roßlau. Die Stadt, sagt er, könnte mehr Unterstützung geben. (Fotos: Thomas Ruttke)

Dessau/MZ - „Von mir aus kann das ruhig öfter so sein“, sagt Frank Samberg. Seit 20 Jahren ist er Verkäufer auf dem Dessauer Wochenmarkt, steht dienstags und donnerstags für „Blumen ohne Ende“ vorm Rathaus. Doch so voll wie am Dienstag war es schon lange nicht mehr. Mitten zwischen den Marktständen saßen mit den „Big Chaps“ 34 junge Musiker aus Gera, die mit Schlager, Popsongs und Evergreens für gute Laune, viel Zulauf und auch ein gutes Geschäft sorgten. Eine Ausnahme, denn oft sei tote Hose angesagt, beklagt Samberg.

Deutsche Marktgilde ist seit zehn Jahren für die Wochenmärkte in Dessau-Roßlau verantwortlich

Seit zehn Jahren ist die Deutsche Marktgilde für die Wochenmärkte in der Doppelstadt verantwortlich. Dienstags und donnerstags findet der auf dem Dessauer Marktplatz und in Roßlau in der Breitscheidtstraße statt, mittwochs in Ziebigk in der Elballee. „Das Konzert ist unser Geburtstagsgeschenk“, sagt Kathrin Schiel von der Marktgilde, die von Dresden aus 36 Städte in Mitteldeutschland betreut. Das Geschäft sei kein leichtes.

„Nach der Wende hatten die Märkte an Fahrt aufgenommen“, erzählt sie. Das ist lange her. „Das Markttreiben hat sich verändert.“ Die Wochenmärkte waren anfangs Ersatz für nicht vorhandenen Einzelhandel, luden von 8 bis 18 Uhr zum Besuch ein. „Jetzt ist am frühen Nachmittag Schluss.“ Und die Zahl der Händler ist übersichtlich geworden. Viele stehen alleine da, haben kein Personal, sind Einzelkämpfer. „Bei acht Stunden auf dem Markt, Vor- und Nachbereitungszeiten kommen schnell zwölf Stunden zusammen“, sagt Schiel. Bei Wind und Wetter, Sonnenschein und Regen draußen zu stehen, sei nicht jedermanns Sache. Deutschlandweit ist das Händleraufkommen im Rückgang.

Die „Big Chaps“ der Musikschule Fröhlich aus Gera haben den Wochenmarkt mit einem bunten Programm aufgepeppt.
Die „Big Chaps“ der Musikschule Fröhlich aus Gera haben den Wochenmarkt mit einem bunten Programm aufgepeppt.
(Foto: Thomas Ruttke)

Wochenmärkte aufgeben will die Marktgilde aber nicht. Hier gibt es nicht nur Brot, Wurst, Blumen, Fisch, sondern auch tausend kleine Dinge zu kaufen, „hier treffen sich die Leute auch auf einen Schwatz“. Gerade in Corona-Zeiten „sind die Märkte eine tolle soziale Plattform“, findet Schiel. Für die Neuausschreibung der Wochenmärkte in der Doppelstadt ab 1. Januar 2022 hat sich die Marktgilde wiederum beworben. „Wir hoffen, dass wir weitermachen können“, erklärt sie. Dann soll auch einmal monatlich sonnabends ein Markt stattfinden.

Markthändler fordern Unterstützung der Stadt - Ist das Sortiment zu sehr eingeschränkt?

Doch Schiel wünscht sich mehr Unterstützung seitens der Stadt. In keiner anderen Kommune sei das Sortiment so eingeschränkt wie in Dessau-Roßlau. Schuhe und Lederbekleidung sind in Dessau-Roßlau tabu. „In vielen Städten danken uns die Einzelhändler, weil wir etwas zusätzlich anbieten und somit Kundschaft für alle angezogen wird. Wir werden nicht als Konkurrenz, sondern Bereicherung angesehen.“ Aus Wittenberg und aus Bitterfeld-Wolfen kenne die Marktgilde solche Einschränkungen nicht. Auch dort werden zu 70 Prozent Frischeprodukte angeboten. „Das soll auch so sein“, sagt Schiel, die denkt, dass die Leute immer mehr auf Hausmannskost setzen und frische Produkte aus der Region. Hier könne der Wochenmarkt punkten.

Ist seit 31 Jahren auf dem Wochenmarkt: Christine Mahlo.
Ist seit 31 Jahren auf dem Wochenmarkt: Christine Mahlo.
(Foto: Thomas Ruttke)

Auch Marktmeister Stephan Spitschka, der mit Doris Schmidt für die Märkte in der Doppelstadt verantwortlich ist, hadert mit der Stadt. Er fühlt sich vom Stadtmarketing im Stich gelassen. „An unseren Märkten und Veranstaltungen besteht kein Interesse und dementsprechend gibt es keine Unterstützung“, sagt er. Andernorts werden Märkte mit beworben, etwa auf den Internetseiten der Städte, so Kathrin Schiel. Und Burgstädt bei Chemnitz finanziert das kulturelle Programm für den Markt. „So was bräuchten wir in Dessau auch“, findet sie.

Marktmeister Spitschka möchte das Gespräch mit den Stadtverantwortlichen suchen. Sie sollten mal hinter die Kulissen schauen, mit den Händlern sprechen, um einen anderen Blickwinkel zu erhalten. Stattdessen gäbe es Knöllchen-Ärger mit dem Ordnungsamt. „Das macht den Markt für Händler unattraktiv und ist ein Ärger für die Marktbesucher.“

Am Dienstag freilich war von Ärger nichts zu spüren. Aber zu sehen, wie Wochenmarkt auch gehen kann. Beispielsweise war das erste Mal die Verbraucherzentrale dabei. „Gerne können auch andere Vereine und Institutionen den Wochenmarkt nutzen“, lädt Kathrin Schiel ein.