Lehnshoheit des Hauses Anhalt

Lehnshoheit des Hauses Anhalt: Enkelin findet historische Urkunde im Familiennachlass

Dessau - Nach über 60 Jahren kehrt eine Urkunde an das Landesarchiv Sachsen-Anhalts in die Dessauer Abteilung zurück: Sie dokumentiert 1576 die Lehnshoheit des Hauses Anhalt über Bärenrode im Harz.

Nach über 60 Jahren kehrt eine Urkunde an das Landesarchiv Sachsen-Anhalts in die Dessauer Abteilung zurück: Sie dokumentiert 1576 die Lehnshoheit des Hauses Anhalt über Bärenrode im Harz.

Das Territorium mussten die Grafen von Stolberg zuvor an Mitglieder der Familie von Hoym und von Werder verpfänden. Lehnshalter aber waren die Anhalter, die ihr Einverständnis geben mussten und die Urkunde ausstellten.

Dabei hatte Jahrzehnte vorher das Haus Anhalt selbst unter anderem Bärenrode als Pfand geben müssen - weil es Geld brauchte. „Ausgerechnet die Grafen von Stolberg, die größten Rivalen um die Vorherrschaft im Harz, erhielten die umstrittenen Ämter Harzgerode und Güntersberge als Pfand“, erklärt Andreas Erb, Leiter der Abteilung des Landesarchivs in Dessau.

1518 hatten die Stolberger von den Erben des Magnus von Hoym aufgegebene Dörfer auf dem Gebiet dieser Ämter gekauft. 1536 aber konnte das Haus Anhalt das Pfand auslösen. Bärenrode blieb im Besitz der Stolbergs - allerdings unter der Lehnshoheit der Fürsten von Anhalt. 1576 mussten sich aber die Stolberger Geld leihen und verpfändeten Bärenrode.

Viele hostorische Dokumente landeten nach dem Zweiten Weltkrieg in Privatbesitz

Die Urkunde vom 24. September 1576 kam für Jahrhunderte in das anhaltische Archiv – bis in die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs, als Archivalien aus dem Schloss Zerbst in die Schachtanlagen der Bernburger Solvaywerke eingelagert wurden. Dort waren sie dem Zugriff der Besatzungsmächte und Privatpersonen ausgesetzt.

Viele Stücke, auch die Urkunde, kamen in Privatbesitz von Soldaten und Einwohnern. Manche gelten bis heute als Kriegsverlust. „Umso erfreulicher war, dass die Enkelin eines Bernburgers, Kerstin Neubauer aus Düsseldorf, im Nachlass ihres Großvaters die Urkunde wieder entdeckte“, so Erb. Ihre Recherchen führten sie zur Abteilung Dessau des Landesarchivs, die das Stück durch den Eigentumsstempel und der alte Repertorien identifizierte. (mz)