Körnitz Körnitz: Verlorene Münze blieb unentdeckt
Körnitz/MZ. - Was die Körnitzer schon grämt: So klein das Dorf, ein Ortsteil von Meilendorf, auch ist, geschichtsbewusst und heimatverbunden ist man hier allemal. "Wir hätten die Münze schon gern gehabt, zumal wir im Jahr 2005 den 800. Jahrestag der Erwähnung von Körnitz feiern wollen", so Gitta Linde, die sich wie viele andere Einwohner kräftig ins Zeug legt, wenn es darum geht, das Leben im Ort interessanter zu gestalten, das Dorf schön zu machen.
Wozu nicht zuletzt gehört, Bäume und Sträucher zu pflanzen und zu pflegen. Insgesamt 42 Bäume und Sträucher kamen am vergangenen Wochenende in die Erde. "Körnitz hat 34 Einwohner und davon sind etwa 40 Prozent beim Einsatz dabei", rechnet Gitta Linde vor. Die Bürger seien immer bereit, sich für ihren Ort zu engagieren, stellt die "Ureinwohnerin" fest, auch diejenigen, die in Körnitz zugezogen sind.
Die mit 22 sogar das Gros der Einwohner stellen. "Neuester" Körnitzer ist Heiko Lange, an dessen Haus noch gebaut wird. Er ist mit Lebensgefährtin Michaela Peschka aus Wolfen aufs Land gezogen. "Ich bin durchs Internet auf Körnitz gekommen", sagt Lange. Die Fläche, auf der jetzt sein Haus wächst, sei zum Verkauf angeboten worden, man habe sich das Dorf angesehen. "Es hat uns gefallen und dann ging alles recht schnell. Die Leute sind in Ordnung, hier gibt es nicht die Anonymität wie in der Stadt, hier kann jeder mit jedem über alles reden."
Dass Heiko Lange bei der Baumpflanzaktion mitmacht, obschon er am Bau genug zu tun hätte, ist für Gitta Linde ein besonderer Beweis, "wie man hier zusammenhält und zusammenarbeitet für das Dorf." Die Körnitzer haben im heißen Sommer Patenschaften über Bäume übernommen und dafür gesorgt, dass sie genug Wasser bekommen haben. Fünf, sechs Bäume habe jede Familie in Betreuung gehabt, sagt Klaus Bekierz. Dass es dennoch einige Bäume "nicht geschafft" haben, lag mit Sicherheit nicht an der Pflege.
Wenn 2005 die Körnitzer ihre "Hocketse" zur 800-Jahr-Feier planen, wird man das auf alle Fälle in grüner Umgebung machen können. Nicht nur wegen der Bäume, die jetzt gepflanzt wurden: Körnitz hat in der Hinsicht durchaus mehr zu bieten. Etwa den "Körnitzer Wald", der sich zwar auf dem Grund von Klaus Bekierz befindet, aber ohne Zaun jedem Körnitzer offen steht. Ein buntes Sammelsurium verschiedener Bäume, irgendwann in den 70er Jahren nach und nach angepflanzt - "da hat jeder mal einen Setzling mitgebracht." Nicht weit entfernt davon ist der Körnitzer Berg zu finden, ein flacher Buckel in der platten Landschaft, bestanden mit jungen Bäumchen und einer Bank von der aus man mit ein bisschen Glück Rehe beobachten kann.
Weniger Stimmung kommt bei Gitta Linde auf, wenn sie sich den "Himmelsteich" ansieht, dessen Name von dem Umstand herrührt, dass der Teich durch Regen gespeist wurde und nicht durch das Grundwasser, wie der nebenan befindliche "Grundwasserteich". Am "Himmelsteich" sei allerdings der Name in jeder Hinsicht überholt, klagt Gitta Linde, da der Teich bei einer Sanierung so verpfuscht wurde, dass er inzwischen überhaupt kein Wasser mehr hält, auch wenn es lange regnet - alles versickert im Boden. "Dabei konnte man hier früher schwimmen, auf der kleinen Insel hatten Enten ein Domizil." Vermutlich sei bei der Schlammentfernung die Sohle des Teiches nicht richtig repariert worden.
Das freilich sind alles nur kleine Sorgen gegen das große Ärgernis, das die Körnitzer fuchst. Zwar wisse man schon, dass man am Ende der Welt wohne, hieß es in der Baumpflanzerrunde, dennoch könne man nicht verstehen, dass es nicht möglich sei, wenigstens die Verbindungsstraße nach Meilendorf in einen ordentlichen Zustand zu versetzen. Vor einigen Jahren, als ein Teil der Strecke als Umleitungsstraße für Hinsdorf genutzt wurde, hätten Schwerlaster der Straße den Rest gegeben, sagt Fritz Linde. "Die Strecke hätte entweder nicht Umleitung sein dürfen oder man muss sie hinterher wieder so herstellen wie sie vorher war."
Immerhin hat man in Körnitz Hoffnung, dass die Verantwortlichen sich irgendwann doch erbarmen werden und auch die rund 50 noch fehlenden Straßenbäume für die Straße nach Meilendorf noch gepflanzt werden. Eine andere Hoffnung hat sich am Wochenende allerdings zerschlagen. Ihre über 200 Jahre alte Münze haben die Körnitzer nicht wiedergefunden. Dafür haben sie etwas im Boden gelassen, das spätere Generationen vielleicht einmal ausgraben werden. Beim Setzen einer Friedenseiche wurde auch eine Flasche mit eingegraben, die u.a. eine Ausgabe der MZ und einen Zettel enthält, auf dem neben den Unterschriften der Beteiligten einige Daten zu Körnitz im Jahr 2003 vermerkt sind.