Internationale Band

Internationale Band: Im Marienheim in Dessau musizieren Studenten mit den Heimbewohnern

Dessau - Im Marienheim musizieren internationale Studierende mit Heimbewohnern. 2018 gegründetes Projekt soll fortgesetzt werden.

Von Danny Gitter 27.01.2019, 08:00

Adetayo „Tutipsy“ Manuwa schnippt mit den Fingern. Er beginnt zu klatschen. Im Hintergrund steigen andere mit einem gesummten „dudubdubdub..“ ein. „When the night has come And the land is dark“, schallt es durch den großen Saal im Marienheim. Sekunden später machen alle mit beim Singen des weltbekannten Klassikers „Stand by Me“ von Ben E. King. „Die, die hier singen, wären im Alltag wahrscheinlich nie zusammengekommen“, stellt Antje Thomas fest. Sie ist die Leiterin des Seniorenheims der Anhaltischen Diakonissenanstalt „Marienheim“.

Doch als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt wäre, singen ein 25-jähriger Student der Denkmalpflege aus Nigeria, ein 27-jähriger Architekturstudent aus Malaysia und fünf Bewohner des Marienheims, die gut 50 Jahre älter sind, internationale Klassiker der Musikgeschichte.
„Homies & Omies“, nennt sich die Formation aus jungen und alten Musizierenden, die das erste Mal im Frühjahr 2018 zusammengefunden hat und am 23. Januar im Marienheim bei einer Abschlusspräsentation ihr Können noch einmal zeigen wollte.

Zweimal im Monat wollen die „Homies“ ihre „Omies“ in Zukunft im Seniorenheim besuchen

Doch Schluss sein, wird noch lange nicht. „Ich habe noch ein halbes Jahr Studium in Dessau vor mir. Da kann ich doch auch weiterhin regelmäßig vorbeikommen, damit wir gemeinsam singen“, sagt Adetayo Manuwa. Gleichtun will es ihm Eugene Lim, der 27-Jährige aus Malaysia studiert noch ein Semester Architektur an der Hochschule Anhalt. Zweimal im Monat wollen die „Homies“ ihre „Omies“ in Zukunft im Seniorenheim besuchen. Die Idee zum Musikprojekt hatte Samreem Azam.

Bis zum vorigen Sommer hat die Pakistanerin einen internationalen Designstudiengang an der Hochschule Anhalt in Dessau absolviert. Derzeit arbeitet sie bei einem Start-up in München.

Für ihre Abschlussarbeit wollte sie junge und alte Menschen zusammenbringen, die sonst kaum Berührungspunkte miteinander haben. Die Idee zu einer generationsübergreifenden Band ist entstanden. Bei Antje Thomas, der Leiterin des Marienheims rannte die Pakistanerin offene Türen ein. „Wir sind für diese Abwechslung sehr dankbar.

Wo es Sprachbarrieren gab, verständigte man sich mit Mimik und Gestik, Händen und Füßen

Zudem sind die jungen Menschen mit unseren Bewohnern sehr zuvorkommend umgegangen“, resümiert sie. Schnell fand die Designerin weitere fünf internationale Studierende auf dem Dessauer Campus, die ihr Bandprojekt unterstützten. Im Marienheim konnten sich fünf Bewohner, eine grüne Dame und der Ehemann einer Bewohnerin, der aber nicht im Heim lebt, dafür begeistern.

Mal wurde mehrmals pro Woche geprobt. Manchmal auch nur ein paar Mal im Monat. Wo es Sprachbarrieren gab, verständigte man sich mit Mimik und Gestik, Händen und Füßen oder ließ Ursula Holze übersetzen. Die Heimbewohnerin war früher Dolmetscherin für Englisch. Auf jeden Fall musste innerhalb kurzer Zeit ein bühnenreifes Programm auf die Beine gestellt werden.

Denn zur Zeugnisausgabe der internationalen Studiengänge Anfang Juli performten die „Homies & Omies“ auf der Bauhausbühne deutsches Volksliedgut und Klassiker der Rock- und Popgeschichte, wie „We will rock you“, von Queen oder „Hey Jude“ von den Beatles.
Zwei der sechs „Homies“ sind noch in Dessau. Die Hochschule will zukünftig weitere Studierende dafür begeistern, damit die Band noch länger Bestand hat. (mz)