Haus-Traum in Roßlau

Haus-Traum in Roßlau: Edmund Scherz gibt alter Villa ihren Glanz zurück

Roßlau - Dachdecker Edmund Scherz hat eine alte Villa und einen Traum: Sie soll ihren alten Glanz zurückerhalten.

Von Annette Gens

Wer abends die Roßlauer Burgwallstraße entlang fährt, dem fällt die kleine beleuchtete Villa sofort auf. Sie steht nicht in der Häuserfront, sondern unüblicherweise etwas zurückgesetzt von den anderen Gebäuden. Backstein, Putz und Stuckelemente, die farblich gut harmonieren, erinnern an die Gründerzeit.

Scherz-Dachbau deckt rund 150 neue Dächer im Jahr ein

Die kleine Villa gehört Dachdecker Edmund Scherz, Firmeninhaber von Scherz-Dachbau. Der 57-Jährige arbeitet mit seinen acht Mitarbeitern vor allem im norddeutschen Raum für das Unternehmen Heinz von Heiden, das sich auf den Bau von Einfamilienhäusern, Doppel- und Reihenhäusern spezialisiert hat.

Durchschnittlich 150 neue Dächer deckt das Roßlauer Unternehmen im Jahr ein. Auch der Chef steigt aufs Dach und ist deshalb viel unterwegs.

Kleine Villa als Ruhepunkt

Die kleine Villa in Roßlau ist Scherz’ Ruhepunkt. Mit dem Kauf des Gebäudes hat sich der Roßlauer einen Traum erfüllt. Träume hat er noch einige: „Ich möchte, dass mein Haus wieder so aussieht, wie es früher einmal aussah“, sagt Scherz. Das Satteldach soll abgebaut und durch ein prächtiges Mansarddach ersetzt werden, das ein schmiedeeisernes filigranes Gitter zieren soll.

Alte Zeichnungen sind noch erhalten

Den noch erhaltenen Zeichnungen nach muss die Villa einst zu den schönsten Gebäuden Roßlaus gehört haben. Errichten ließ sie der größte Roßlauer Bauunternehmer Friedrich August Oskar Schmidt (1849 - 1916), dessen Initialen sich noch heute im Giebel befinden.

Über den Maurermeister ist bekannt, dass er zum Hofmaurermeister avancierte und sich auch politisch im damaligen Roßlauer Stadtrat einbrachte. Es wird erzählt, er habe in Roßlau als allererster einen Mercedes gefahren.

Viele Jahre lang war die Villa im Familienbesitz

Viele Jahre war die Villa in Familienhand. Als aber die SED 1972 die letzten privaten, halbstaatlichen und genossenschaftlichen Betriebe enteignete und in Volkseigentum umwandelte, waren auch die Firmen Oskar Schmidt - Hochbau, Carl Schmidt - Tiefbau oder Maler Rattmann betroffen. Schmidt-Bau wurde Teil des Kreisbaubetriebes Roßlau.

In den folgenden Jahren wurde das vermutlich marode Mansarddach durch das schmucklose Satteldach ersetzt. Das Firmenarchiv habe sich in der Mansarde befunden. Einige wichtige Bauunterlagen konnten gesichert werden, erzählt Roßlaus Geschichtsforscher Klemens Koschig. „Sie befinden sich heute im Stadtarchiv.“

Seit 2009 saniert und baut Edmund Scherz an der Villa

Nach der Wende bekamen die Alteigentümer das Gebäude zurück und werteten es schrittweise auf. 2009 schlug die Stunde von Dachdecker Edmund Scherz, der bis heute weiter saniert und baut. Bei der Wahl der Farben an Ornamenten und Putzteilen hat der Handwerker versucht, sich dem Original zu nähern. Ein Teil der originalen Zaunanlage konnte gesichert werden. „Den anderen Teil habe ich nachbauen lassen“, beschreibt Scherz.

Doch der größte Brocken Arbeit wartet noch. „Für diese Herausforderung muss ich aber Lust und Zeit haben“, sagt der Dachdeckermeister.
Vor dem Haus steht eine Bank, die der Handwerker als seine Rentnerbank bezeichnet. Hier sitzt er, wenn er darüber nachdenkt, wie das Großprojekt angegangen werden kann. „Es muss gut überlegt sein, wie man vorgeht“, schildert er und weiß um seine komfortable Lage. „Ich kann bei dem Umbau vieles selber machen.“

2002 war Scherz` erste Firma insolvent

Irgendwie passen die zwei zusammen, die kleine Villa und der Roßlauer Dachdecker. Beide haben enorme Durststrecken hinter sich. Das Haus, das jahrelang leer stand und der 57-Jährige, mit dem es das Leben nicht immer gut gemeint hat. Edmund Scherz hat seinen Beruf im Kreisbau von der pike auf gelernt und immer Lust, anderen aufs Dach zu steigen.

Die erste Firma lief anfangs erfolgreich, die Aufträge wurden immer größer. Irgendwann blieben jedoch die Zahlungen von Auftraggebern aus.
2002 war die Insolvenz unumgänglich. „Es war eine schlimme Situation“, schildert er. Er musste sich durchbeißen.

2006 gründete Erdmund Scherz seine neue Firma

2006 gründete er Scherz-Dachbau, das erfolgreich auf dem Markt ist. „90 Prozent meiner Aufträge werden außerhalb Sachsen-Anhalts erledigt“, erzählt er. Seinen Traum will er nicht aus den Augen verlieren. „Fakt ist eins, das Dach wird gemacht. Dann hat Roßlau die Villa wieder, so wie sie war.“(mz)