Citynet-Portal soll kommen

Erst 20 Händler sind dabei - Dessaus kleines Amazon-Projekt hat ab sofort eine Kümmerin

Von Oliver Müller-Lorey
Ina Stackfleth ist die Portalmanagerin für das Portal des Citynet-Verbandes. Sie wirbt für noch mehr Teilnehmer.
Ina Stackfleth ist die Portalmanagerin für das Portal des Citynet-Verbandes. Sie wirbt für noch mehr Teilnehmer. (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau-Rosslau/MZ - Die Hiobsbotschaft vom Auszug des Saturn-Marktes aus dem Dessau-Center ist gerade einmal ein paar Tage alt. Doch Ina Stackfleth lässt sich nichts anmerken. Ob es an ihrem sonnigen Gemüt liegt? Oder daran, dass sie sich in ihrer täglichen Arbeit für den Dessauer Händlerverband „Citynet“ ohnehin nie ausruhen kann? Die 49-Jährige ist jedenfalls guter Dinge, wenn sie auf die Zukunft der Dessauer Innenstadt angesprochen wird.

Dabei hat sie das neueste Projekt des Verbandes im Blick: einen eigenen Internet-Marktplatz für Händler, Gastronomen und Dienstleister, der noch in diesem Herbst an den Start gehen soll. Stackfleth ist die „Portalmanagerin“, oder wie sie sich selbst bezeichnet und von den Händlern genannt wird, ihre „Kümmererin“. „Ich habe ein offenes Ohr für die Händler, spreche sie an, telefoniere und bin viel in der Stadt unterwegs, um sie für die Teilnahme am Portal zu überzeugen“, erzählt sie. Das sei nicht immer einfach.

Ziel sei es, 50 Teilnehmer für das Portal zu gewinnen, rund 20 haben aber erst unterschrieben. „Es gibt sehr, sehr viele, die die Idee gutfinden und Interesse haben. Bis sie unterschreiben, ist es dann aber noch eine hohe Hürde“, sagt die Frau, die seit 26 Jahren in Dessau lebt.

Risiko ist für die Händler gering - Im ersten Jahr fallen für die ersten 50 keine Gebühren an

Dabei sei das Risiko für die Händler eigentlich gering. Die ersten 50 müssen ein Jahr lang keine Gebühren zahlen, bekommen von dem durch Fördermittel unterstützten Verband aber viel geboten. Ein professionelles Foto-Team setzt den Laden, das Restaurant oder die Werkstatt der Gewerbetreibenden in Szene, Stackfleth kümmert sich dann darum, dass das Geschäft im Portal ansehnlich porträtiert wird. „Das klingt auch gut, sagen mir die meisten. Aber wir erwischen die Händler jetzt natürlich in einer schwierigen Phase.“ Nach den Lockdowns wollten sie erst einmal Geld verdienen und hätten den Kopf woanders, sagt die ehemalige Verwaltungsangestellte. „Daher müssen wird dranbleiben.“

Das Portal ist ein Online-Shop und wird oft als „Amazon für Dessau“ bezeichnet. Nicht sehr treffend, findet Ralf Zaizek aus dem Vorstand des Citynet-Verbandes. „Es geht nicht darum, noch mehr Paketversand hier vor Ort zu generieren, sondern den lokalen Händlern, Gastronomen und Dienstleistern ein Schaufenster zu bieten.“ Die Teilnehmer können ihre Waren und vor allem die Sonderangebote im Portal anzeigen, Dessauer und Touristen können sie nach Kauf meist noch am selben Tag abholen. Dank einer professionellen Pflege des Portals von einer Fachfirma, die in mehreren weiteren Städten ähnliche Webseiten betreibt, sollen die teilnehmenden Händler bei Google-Suchen auch weit oben angezeigt werden. Ein zusätzlicher Vorteil, finden Zaizek und Stackfleth.

Am 1. Oktober soll die Seite ans Netz gehen. Stackfleth hofft, dass sich bis dahin noch mehr Händler für eine Mitgliedschaft entscheiden. Gut in der Zeit liege man dennoch. Andere Städte hätten drei bis vier Jahre von der ersten Idee bis zum Freischalten eines Portals gebraucht.