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Chance für Schloßplatz? Chance für Schloßplatz in Dessau?: Politik fordert ein Gesamtkonzept für Aufwertung des Platzes

Von Lisa Garn 28.02.2018, 13:17
Der Schloßplatz mit Marienkirche, Ex-Berufsschule (Gebäude rechts), Hochhaus und Geschäftshaus.
Der Schloßplatz mit Marienkirche, Ex-Berufsschule (Gebäude rechts), Hochhaus und Geschäftshaus. Lutz Sebastian

Dessau - Mit dem Planungsstart für einen Hotelneubau am Schloßplatz mehren sich Forderungen, den Platz an der Marienkirche insgesamt aufzuwerten. Bereits die Ausschreibung für das Bauprojekt hatte für Kritik gesorgt - weil sie nie Thema im Ausschuss war. Wie der Platz entwickelt werden kann, dazu gibt es aber ganz unterschiedliche Ansätze. Unklar ist auch, was dort gestalterisch möglich und finanzierbar ist.

„Der Schloßplatz ist einer der bedeutendsten Plätze in Dessau, das Zentrum der alten Stadt Dessau mit dem Johannbau, der Marienkirche und dem Rathaus“, meint Stadtrat Thomas Busch (Liberales Bürgerforum/Grüne), der sich auch im Amtsblatt zum Thema zu Wort gemeldet hat.

Busch sieht mit dem geplanten Hotelneubau die Chance, die seit dem Krieg veränderte Ansicht „zu reparieren und die Platten- und Parkplatzödnis zu überwinden“. Busch schlägt einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für den Spätsommer 2018 vor. Ergebnisse könnten Ende des Jahres vorliegen und in den Bebauungsplan einfließen.

Teil des Wettbewerbs soll Umgang mit dem Plattenbau-Hochhaus gegenüber der Berufsschule sein

Teil des Wettbewerbs soll, so Busch, der Umgang mit dem Plattenbau-Hochhaus gegenüber der Berufsschule sein, das sich im Besitz der Dessauer Wohnungsbaugesellschaft befindet. Betrachtet werden müsse ebenso das Geschäftshaus am Schloßplatz 3 und ein Wiederaufbau der im Krieg zerstörten „Buden“.

Grundsätzlich stehe auch die Frage, ob das neue Hotel auch auf dem Areal des Johannbaus entstehen könnte - „als Ergänzung des Schlosses in seiner früheren Form“. Aber wie realistisch sind solche Ideen, auch vor dem Hintergrund, dass beispielsweise das Hochhaus ein gut vermietetes Objekt der DWG ist und ein Aufbau der Buden schwierig zu finanzieren wäre?

„Man muss doch über Optionen nachdenken können“, sagt Busch. „Es geht um die Chance, das Areal neu zu ordnen und mehr Qualität reinzubringen. Dafür brauchen wir gute Ideen.“

Eine historisch einmalige Chance, um am Schlossplatz wieder Bezüge zum alten Dessau herzustellen

Eine Neuordnung will auch der Dessauer Architekt Dieter Bankert. Er hatte in früheren Jahren Entwürfe für die Aufwertung des Zentrums und auch des Schloßplatzes eingebracht. Bankert warnt davor, eine historische Chance verstreichen zu lassen. „Auf den ersten Blick ist ein Hotel auf dem Areal der ehemaligen Berufsschule eine gute Sache für die Entwicklung der Innenstadt.“

Denkbar sei auch eine klassizistische Blend-Fassade, die habe schon Fürst Franz vorgeschrieben. „Ich fürchte aber, dass bei einer Bebauung an dieser Stelle nie wieder eine Funktion für die Kubatur des zerstörten Schlosses gefunden wird. Es wäre eine historisch einmalige Chance und die letzte, um dort wieder Bezüge zum alten Dessau herzustellen.“

Ein Hotel auf dem Gelände der Ex-Berufsschule würde städtebaulich den Johannbau „dominieren“ und ihm die Bedeutung nehmen.

Auf dem Grundriss des ehemaligen Stadtschlosses soll das Hotel entstehen

Bankert hat einen Entwurf im Kopf: Auf dem Grundriss des ehemaligen Stadtschlosses soll das Hotel entstehen - in einer Art L-Form, die den Johannbau ergänzt. Betrieben werden vom Hotel könne auch das Zollhaus gegenüber an der Mulde - in der Nähe des Rondells - als Gastronomie. So könne eine Wechselbeziehung über den Fluss geschaffen werden.

Es sind Vorschläge, mit denen Bankert zur Diskussion anregen will. „Ich würde mir wünschen, dass es eine Debatte zu den Möglichkeiten gibt. Es ist ein so sensibler Platz für Dessau und es wäre schade, wenn wir die Möglichkeit nicht nutzen, dass sich dort etwas Fürstliches bewegt.“

Für einen Hotelneubau mit Gastronomie läuft seit Januar eine Konzeptausschreibung der Stadt

Ralf Schönemann (Linke), Vorsitzender des Bauausschusses, spricht von Gleichgesinnten, die am Schloßplatz „etwas bewegen wollen. Das ist nicht nur Sache des Rates“. Für eine Thematisierung im Ausschuss sei es allerdings noch zu früh. „Es geht um Vorschläge, die man jetzt nicht übers Knie brechen sollte. Aber der Hotel-Investor sollte die Vorstellungen kennen, die mit dem Platz verbunden sind. Ohne dass er dabei bevormundet wird.“

Für einen Hotelneubau mit Gastronomie läuft seit Januar eine Konzeptausschreibung der Stadt. Bis Ende Juni holt sie Angebote von Bietern ein. Für einen Verkauf des Geländes spielen Preis und die architektonische Gestaltung in Verbindung mit der Umgebung eine Rolle.

Der kleinere Block direkt neben dem Schulgebäude, das Depot des Stadtarchivs, soll stehen bleiben und kann in die Planung einbezogen werden. Ende 2018 soll das Grundstück verkauft werden. Den Investitionszeitraum gibt die Stadt von 2019 bis Ende 2021 an. (mz)