Abschied mit Tränen

Ursel Schmidt war 30 Jahre die Leiterin der Grundschule Sandersdorf - jetzt ruft der Ruhestand

Von Christine Färber
Ursel Schmidt, Leiterin  der Grundschule Sandersdorf,  ist nun im Ruhestand.
Ursel Schmidt, Leiterin der Grundschule Sandersdorf, ist nun im Ruhestand. (Foto: Michael Maul)

Sandersdorf/MZ - Abschiednehmen für immer - das tut weh. Keine Frage. Das spüren die Schüler der vierten Klassen der Sandersdorfer Grundschule, die nun auf eine neue Schule kommen. Und das spürt deren Direktorin. Sie ganz besonders. Denn Ursel Schmidt hat diese Schule 30 Jahre lang geleitet. Lehrer und Schüler durch wunderschöne aber auch sehr schwere Zeiten geführt. Die letzte riesige Herausforderung liegt allen noch schwer auf der Seele.

Ursel Schmidt kann ihre Tränen nicht zurückhalten, als die Kids ihr am letzten Arbeitstag ein tolles Abschiedsprogramm bieten. Und das will sie auch gar nicht. Warum auch? Über 40 Jahre ist sie Lehrerin. Und das quasi mit Haut und Haar, mit Herzblut. Es sei stets ein schöner Umgang gewesen mit ihr, sagt Simone Nimmich, Hortnerin im Ruhestand. „Was soll ich sagen? Sie war immer konstruktiv im Sinne der Kinder.“

1991 bewirbt sich Ursel Schmidt für die Schulleiterstelle an der Grunschule Sandersdorf

Lehrerin ist Ursel Schmidts Traumberuf. Sie lächelt und meint: Das trifft’s. Ihre eigene Grundschullehrerin habe sie dafür begeistert. Also los ging’s: vier Jahre Pädagogik-Studium in Halle, erste Stelle in Sandersdorf in der August-Bebel-, später in der Farabundo-Marti-Schule, 1991 die Bewerbung für die Schulleiterstelle. Es klappt und fortan und bis gestern ist sie die Leiterin der Grundschule Sandersdorf. 30 Jahre - eine lange Zeit. In der hat sie die Schule geprägt, sind ihr ihre Schüler und ihr Team ans Herz gewachsen.

Letzteres besteht aus neun Lehrern, einer pädagogischen Fachkraft und der „guten Seele im Sekretariat“, sagt die sympathische Frau mit den raspelkurzen blonden Haaren. Und das habe sie immer an ihrer Seite gewusst. Anders hätte sie es sich auch nicht vorstellen können, meint sie. Und anders wären auch viele Dinge nicht machbar gewesen. Die auch, die außerhalb des Unterrichts mit den Kindern stattgefunden haben, die so viel Spaß machten und die als schöne Erinnerung bleiben werden: die Klassenfahrten, die Feste und Feiern, die Biathlon-Olympiade, das Eis-Meißeln und vieles mehr.

Die vergangenen vier Jahre hat Ursel Schmidt zusätzlich selbst wieder eine Klasse als Klassenlehrerin geführt

Freilich wird sie auch die Schule als Gebäude, in der so lange Zeit ihr Arbeitsplatz war, vermissen. 1993 wird hier Einzug gefeiert, das Haus ist fertig. Nigelnagelneu, zweckmäßig und auch schön. „Wir haben alle sehr darauf geachtet, dass hier kein Schlendrian einzieht. Wir haben eine super Ausstattung“, sagt sie. Die Stadt, Träger der Schule, sei stets dagewesen. „Von Thiel bis Grabner - für uns standen die Türen immer offen.“

Die vergangenen vier Jahre hat Ursel Schmidt zusätzlich selbst wieder eine Klasse als Klassenlehrerin geführt. „Wir hatten Personalmangel“, erklärt sie. „Und zwei Klassen zu einer zusammenzulegen, das kam für mich nicht in Frage. Das tue ich den Kindern nicht an, hab ich gesagt.“ Diese vierte Klasse geht nun mit ihr aus dieser Schule. Und sie alle werden nun neue Wege einschlagen.

Ursel Schmidt selbst freut sich auf ein bisschen Ruhe und auf die Zeit, die sie mit ihrem Mann und den vier Enkelkindern genießen kann. „Die werden mich schon auf Trab halten“, meint sie und lächelt verschmitzt. Und dann ist da noch das Sehnsuchtsziel Ostsee. Denn die liebt sie. „Und jetzt kann ich ja auch außerhalb der Schulferien dorthin fahren.“