Schicksale der Kriegswaisen

Wittenberg/MZ. - Viele zogen aus dem früheren Königsberg nach Litauen, bettelten bei den Bauern, wurden nicht selten aufgenommen und später sogar adoptiert.

Von Karina Blüthgen 06.03.2005, 18:03

Viele zogen aus dem früheren Königsberg nach Litauen, bettelten bei den Bauern, wurden nicht selten aufgenommen und später sogar adoptiert.

Als 1947 die Deutschen aus der Stadt, die dann Kaliningrad hieß, umgesiedelt wurden, blieben durch die überstürzte Abreise weitere Kinder zurück. Die Autorinnen, die beiden Historikerinnen Ruth Leiserowitz und Maria Schultz, haben sich intensiv mit dem Schicksal der Flüchtlingskinder beschäftigt. Dokumente, private Fotos und solche aus sowjetischen Wochenschauen haben sie zusammengetragen, um den Überlebenskampf der Kinder zu verdeutlichen. Ein Teil der Schau ist auch der Aufarbeitung in der Gegenwart gewidmet. Über 200 ehemalige "Wolfskinder" haben, nachdem sie ihre Geschichte jahrzehntelang verdrängen mussten, 1990 einen Verein in Litauen gegründet. Seit 2004 gibt es in Berlin den "Wolfskinder.Geschichtsverein", dessen Vorsitzende Ruth Leiserowitz ist. Sie hat das Buch "Wolfskinder" veröffentlicht.

Maria Schultz hat bei ihren Recherchen regionale Bezüge gefunden hat. 1947 kamen 3 000 Waisenkinder aus Ostpreußen nach Sachsen-Anhalt. Ein Teil war in sowjetischen Kinderheimen gewesen, andere monatelang von Dorf zu Dorf vagabundiert. Der Bezirksausschuss der Volkssolidarität bekam den Auftrag, in Wittenberg für 126 elternlose Kinder aus Königsberg ein Heim zu schaffen. Dieses wurde am 18. Dezember 1947 in der Zimmermannstraße 25, der früheren Herberge zur Heimat, eingerichtet.

"Im Stadtarchiv haben wir ein Fotoalbum mit den Abbildungen von 42 Kindern gefunden", fügt Maria Schultz hinzu. Weitere Aufnahmen stellte das Haus der Geschichte zur Verfügung. 1949 wurde das Heim in Wittenberg aufgelöst, die Kinder kamen nach Kropstädt. "Ich hoffe, dass sich durch die Tagung neue Kontakte mit ehemaligen Wolfskindern ergeben", sagte Ruth Leiserowitz nach der Vernissage.

Die Ausstellung ist ab Mitte März wieder in der Evangelischen Akademie zu sehen.