Ein Hauch Silicon Valley

Mandy Klingbeil aus Raguhn gehört zu Deutschlands besten IT-Absolventen

Von Tim Fuhse 27.11.2021, 14:00
Mandy Klingbeil stammt aus Raguhn - und hat ihr Studium in Potsdam mit Bestnote abgeschlossen.
Mandy Klingbeil stammt aus Raguhn - und hat ihr Studium in Potsdam mit Bestnote abgeschlossen. (Foto:HPI/Kay Herschelmann)

Raguhn/Potsdam/MZ - Chemieunternehmen? Na klar. Solarindustrie? Die gibt es vor Ort auch längst. Doch als deutsches Silicon Valley hat sich Bitterfeld-Wolfen und Umgebung bislang eigentlich nicht hervorgetan. Manchmal muss man allerdings nur genau genug hinsehen.

Denn auch der Altkreis bringt talentierte Tech-Tüftlerinnen hervor. Kürzlich hat die aus Raguhn stammende Mandy Klingbeil ihr Masterstudium im Fach IT-Systems Engeneering an der Universität Potsdam und dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) mit der Note 1,1 abgeschlossen. Laut HPI gehört sie damit zu den deutschlandweit besten Absolventen in diesem Fachgebiet.

Auslandspraktikum bei einem IT-Start-Up in der kalifornischen Bay Area nahe San Francisco

Das klingt direkt nach kalifornischem Digital-Pioniergeist, muss aber erklärt werden. „Im Prinzip geht es in dem Studiengang um alles, was mit Software zu tun hat“, sagt Klingbeil. Um das Programmieren von Firmenanwendungen etwa. Oder um Videospiele und Smartphone-Apps. Auf letztere hat die Raguhnerin sich mittlerweile spezialisiert.

Danach sah es gleichwohl nicht immer aus. „Ich wollte eigentlich in den Journalismus“, sagt Klingbeil. Als Schülerin am Wolfener Heinrich-Heine-Gymnasium hat sie seinerzeit auch Texte für die MZ geschrieben. Nach dem Abitur folgte dann zunächst ein Studium der Politikwissenschaft in Potsdam. Den Berufsweg änderte erst ein Auslandspraktikum. Und zwar bei einem IT-Start-Up in der kalifornischen Bay Area nahe San Francisco - im angesprochenen Silicon Valley also.

Nach der Rückkehr nach Deutschland schrieb sie sich in dem gemeinsamen Studiengang der Potsdamer Universität und des HPI ein

„Das war eine ganz andere Welt. Ich habe gesehen, was man mit Software erreichen kann“, sagt Klingbeil. Aufbruchsstimmung. Nahezu unbegrenzte Möglichkeiten in der damals noch relativ jungen Tech-Branche. Zunächst für die Vermarktung eingeplant, wechselte die Raguhnerin in dem US-Unternehmen schnell zu den App-Erfindern.

Nach der Rückkehr nach Deutschland schrieb sie sich in dem gemeinsamen Studiengang der Potsdamer Universität und des HPI ein. Das war 2012. Rund ein Jahrzehnt später hat Klingbeil nun ihren Bachelor- und Masterabschluss in der Informatik-Fachrichtung. Von dem akademischen Programm spricht sie in höchsten Tönen. Die Lehre sei praxisnah und gruppenorientiert. Auch zwei Schwangerschaften hätten das Studium nicht länger als nötig verzögert. „Selbst mit Kindern hat das sehr gut funktioniert.“

Als Produktmanagerin laufen bei Klingbeil alle Fäden zusammen

Bereits im Studium hat sie zudem damit begonnen, bei einem kleinen Tech-Unternehmen zu arbeiten, das aus dem HPI hervorgegangen ist. Hier dreht sich alles um Bildbearbeitungssoftware fürs Smartphone. Als Produktmanagerin laufen bei Klingbeil alle Fäden zusammen, sie verbindet etwa Programmierer und Marketing-Abteilung.

„Ich bin quasi die Schnittstelle in der Mitte von allem“, erklärt sie. Dabei wiederum helfe ihr auch das politikwissenschaftliche Studium - sie spreche sozusagen die Sprache der Techniker und die der Geisteswissenschaftler. Damit aber nicht genug. Zeitnah will Klingbeil nun noch ein Fernstudium in der Fachrichtung Business Administration an einer amerikanischen Universität beginnen. Ziel: Führungsposition. Und auch ein Berufswechsel steht an - nicht in die alte Heimat, sondern zu SAP in Potsdam. Bitterfeld-Wolfen ist eben doch noch kein richtiges Silicon Valley.