Ein Bitterfelder Original

Kunst aus der Heimat: Ausstellung zum 101. Geburtstag von Ernst Thronicke in Bitterfeld eröffnet

Sein Schaffen mündete in die gleichnamige Stiftung.

Von Silke Ungefroren
Carola Niczko berichtet Landrat Andy Grabner, OB Armin Schenk und Daniel Krake von der Landkreisverwaltung (v. r.) über Ernst Thronicke.
Carola Niczko berichtet Landrat Andy Grabner, OB Armin Schenk und Daniel Krake von der Landkreisverwaltung (v. r.) über Ernst Thronicke. (Fotos: André Kehrer)

Bitterfeld/MZ - Ein Blick auf Bitterfeld im Jahr 1999. Der Wiederaufbau der 1945 gesprengten Eisenbrücke über die Mulde von 1948. Eine Ansicht vom Poucher Schloss, die Ernst Thronicke 1993 mit Pinsel und Ölfarben festgehalten hat. 90 Bilder des Bitterfelder Heimatkünstlers - Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, gemalt in Öl und Acryl, mit Wasserfarbe, Kohle oder Bleistift - sowie zehn der von ihm geschaffenen Holzskulpturen sind jetzt im Bitterfelder Wasserzentrum zu sehen. Doch halt: Um sein Selbstporträt ist die Ausstellung erweitert worden, womit genau 101 seiner Werke einen Platz im Klangspeicher gefunden haben.

Und das hat einen guten Grund: Weil der 100. Geburtstag Thronickes am 6. September 2020 und damit die Würdigung seines Schaffens wegen Corona nicht stattfinden konnte, wurde das Ganze um ein Jahr verschoben. Am Montag nun, zum 101. Geburtstag, fand die Vernissage zur Ausstellung „Ernst Thronicke - 101 Jahre Sein - Ein Leben mit der Kunst“ statt. Bis zu seinem Todestag am 28. Oktober - er ist 2007 gestorben - soll sie möglichst viele Besucher anziehen.

Das Selbstbildnis Thronickes ist das 101. Werk in der Ausstellung.
Das Selbstbildnis Thronickes ist das 101. Werk in der Ausstellung.
(Foto: André Kehrer)

Bitterfeld-Wolfens Oberbürgermeister Armin Schenk (CDU) würdigte das Leben und Wirken Thronickes

Dieser Tag vor 14 Jahren ist gleichzeitig das Gründungsdatum der Ernst-Thronicke-Stiftung: Dies hatte der Künstler in seinem Testament hinterlassen, um mit seinem Nachlass die Malkunst zu fördern. In seinem Wohnhaus in der Bitterfelder Weinbergstraße entstand so eine Begegnungsstätte, die Heimstatt für die Jugendkunstschule des Vereins Kreativ geworden ist und Platz für Stiftungszimmer und Fundus mit Werken des Künstlers bietet.

Unter anderem Bitterfeld-Wolfens Oberbürgermeister und damit Stiftungsratsvorsitzender Armin Schenk (CDU) würdigte das Leben und Wirken Thronickes, deren Bedeutung für die Region und weit darüber hinaus. „Viele können sich noch an den kleinen Mann mit Bart und schwarzer Brille erinnern“, sagte er. Und immer mit seiner Maltasche, die den Skizzenblock enthielt, unterwegs. Er bedankte sich beim Stiftungsrat und bei ehrenamtlichen Mitarbeitern, Sponsoren und Unterstützern, die das Lebenswerk Thronickes weiterführen.

?Frau mit Krug auf dem Kopf? - eine der Holzskulpturen, die zu sehen sind.
?Frau mit Krug auf dem Kopf? - eine der Holzskulpturen, die zu sehen sind.
(Foto: André Kehrer)

„Das reicht von regionalen Themen mit Landschaften und Industrie über Familie und Stillleben bis hin zu großen Meistern, die er auf seine Weise adaptiert hat“

Geboren am 6. September 1920 in Oberschmon bei Querfurt, kam er schon kurze Zeit später zu seinen Großeltern in den Bitterfelder Töpferwall. Bitterfeld blieb seine Heimat, die er liebte und das Leben seiner Menschen auf seine Weise künstlerisch verarbeitete. Er wurde Lehrer, Kunsterzieher und Studienrat, bezeichnete sich selbst als Bitterfelder Original. 1998 wurde er Ehrenbürger der Stadt, erhielt Auszeichnungen wie die Ehrennadel des Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts.

Stiftungsratsmitglied Carola Niczko, die sich in seinen letzten Lebensjahren auch persönlich um den Mann gekümmert hat, verwies auf die Vielfältigkeit seines Schaffens. „Das reicht von regionalen Themen mit Landschaften und Industrie über Familie und Stillleben bis hin zu großen Meistern, die er auf seine Weise adaptiert hat“, sagte sie. Und dass es nicht leichtgefallen sei, aus dem Fundus von etwa 2.000 Werken die Exponate für die jetzige Jubiläumsausstellung auszuwählen.

Es ist übrigens die mittlerweile 15. Verkaufsausstellung, die von der Stiftung organisiert wurde - und damit auch die bisher größte.

Öffnungszeiten im Wasserzentrum, Berliner Straße 6a: Montag - Freitag von 10 bis 14.30 Uhr. Weitere Infos: www.wasserzentrum-bitterfeld.de