RTL-2-Reportage aus dem Plattenbau

Hartz und Herzlich: RTL-2-Reportage aus Bitterfeld-Wolfen

Bitterfeld-Wolfen - Für die Serie Hartz und Herzlich besuchte RTL 2 Bitterfeld-Wolfen und drehte in der Neubausiedlung.

Von Andreas Montag 12.09.2017, 20:15
Nadine, Yvonne und Pascal (von links) leben in Wolfen-Nord.
Nadine, Yvonne und Pascal (von links) leben in Wolfen-Nord. obs

Man hat ja etwas skeptisch sein können: Zumal private Fernsehsender sind in der Vergangenheit nicht zimperlich gewesen, wenn es darum ging, der TV-Gemeinde vorzuführen, wie der gemeine Ossi so lebt in seinem Elend. Dabei haben die Probanden nicht selten wie die Deppen ausgesehen und durften die landläufigen Vorurteile bestätigen.

Nun hat RTL 2 eine aufwendige Sozialrecherche in der teils schon abgerissenen, einst für Chemiearbeiter errichteten Neubau-Siedlung Wolfen-Nord unternommen. Am Dienstagabend lief der erste Teil von „Hartz und herzlich“ - netto, also ohne Werbung, immerhin 90 Minuten lang und dabei weder voyeuristisch noch langweilig.

Natürlich bedient die als Dokusoap etikettierte Sendung auch das Unterhaltungsbedürfnis, aber das Bemühen um Genauigkeit und Fairness ist immer deutlich, die Würdigung der sozial- und wirtschaftspolitischen Hintergründe eingeschlossen.

Mit Wolfen-Nord ist es, bedingt durch den radikalen Arbeitsplatzverlust in der Chemieregion, nach 1990 bergab gegangen. Viele sind weggezogen, Ältere und Schwache sind geblieben, nicht wenige verloren Hoffnung und Halt.

Hartz und Herzlich aus Bitterfeld-Wolfen: RTL 2 besucht  Bewohner des Plattenbaus

Aber es gibt auch Kämpfer wie den 59-jährigen Gerhard, der sich Trost gegen die Tristesse in seinem Schrebergarten holt. Oder Yvonne, die versucht, mit Geschick ein halbwegs gutes Leben für sich, ihre vier Kinder und ihren Freund Pascal in der Hartz-IV-Welt zu organisieren.

Wer lange in Wolfen-Nord gelebt hat oder sogar schon dort geboren worden ist, hängt oft an der Siedlung - so bedrückend die Umstände oft sind. Und die eigenen Träume brennen auf kleiner Flamme dabei.

So geht es der 26-jährigen Jenny, die allein mit vier Kindern und zwei Hunden lebt. Jenny wirkt überfordert, sie kann ihren Alltag nicht gut managen. Da werden auch schon mal Schuldige wie „der schwarze Mann“ gesucht, dem der Staat alles zahlt.

Aber die junge Frau sehnt sich auch nach Schönheit. Hier ist einer der berührendsten, auch schmerzhaftesten Punkte der Reportage: Für Schönheit sind die Ämter nicht zuständig. Und es ist auch wenig Raum dafür an diesem Ort.

››Die nächste Folge am 19. September, 20.15 Uhr, bei RTL 2. (mz)