Graskarpfen als Waffe gegen die Wasserpest?

Bitterfeld/MZ. - Doch der MZ-Leser fragt, ob man die Ausbreitung der Pflanzen einfach so hinnehmen müsse. "Gibt es keine anderen Möglichkeiten, dem Wachstum Herr zu werden, als die Wasserpest abzumähen?", fragt er. Bedeute nicht die Formulierung "sie hat in Europa keine natürlichen und den Bestand regulierenden Feinde" (MZ berichtete), dass es anderswo solche geben könne, fügt er hinzu. Und vermutet zugleich, dass ein Ansatzpunkt zur natürlichen Lösung des Problems Wasserpest in deren Herkunftsregion Nordamerika liegen ...

Von Ulf Rostalsky 16.08.2006, 15:45

Doch der MZ-Leser fragt, ob man die Ausbreitung der Pflanzen einfach so hinnehmen müsse. "Gibt es keine anderen Möglichkeiten, dem Wachstum Herr zu werden, als die Wasserpest abzumähen?", fragt er. Bedeute nicht die Formulierung "sie hat in Europa keine natürlichen und den Bestand regulierenden Feinde" (MZ berichtete), dass es anderswo solche geben könne, fügt er hinzu. Und vermutet zugleich, dass ein Ansatzpunkt zur natürlichen Lösung des Problems Wasserpest in deren Herkunftsregion Nordamerika liegen könnte.

Peter Rösner vom Angelverein Bitterfeld ist weniger optimistisch als Lutz Belitz, wenn es um den Kampf gegen die Wasserpest geht. "Man muss sie als gegeben hinnehmen, auf Dauer befriedigende Lösungen gibt es nicht." Was allerdings nicht heiße, dass es nicht woanders Möglichkeiten gebe, mit denen der Wasserpest zumindest zeitweise das Leben schwer gemacht werden könne. "Aber der Gras- beziehungsweise Amurkarpfen ist nicht die Allzweckwaffe. Außerdem darf er in Deutschland als hier nicht ursprünglich beheimateter Fisch nicht in Seen eingesetzt werden", betont Peter Rösner.

Tatsächlich spricht er dem Karpfen auch nicht ab, ein wenig gegen die Pest tun zu können. Gerade junge, im Wachstum befindliche Fische würden zweifellos frische Triebe der Wasserpest vertilgen. Gegen das enorme und schnelle Wachstum der Wasserpflanze würden sie allerdings auch nicht ankommen.

Carola Hübner, Sachgebietsleiterin Naturschutz in der Landkreisverwaltung, bestätigt, dass es unter anderem im Naturschutzgesetz heiße, dass fremde Arten von Tieren und Pflanzen nicht verbreitet werden dürften. Damit wolle man erreichen, dass nicht neue und ähnlich große Probleme wie die derzeit mit Waschbären oder Marderhunden existierenden entstehen. "Allerdings schließt die Formulierung kein striktes Verbot ein. Über Einzelfälle muss nach Antrag entschieden werden", so Carola Hübner.

Mit oder ohne Graskarpfen in der Goitzsche: Die Wasserpest hat für den passionierten Angler Peter Rösner auch ihre positiven Seiten. Sicher, sie behindere auch die Arbeit der Petrijünger. Doch sie zeige, dass die Goitzsche ein nährstoffreiches Gewässer sei. Ein dichter Teppich aus Wasserpest halte zudem Kormorane davon ab, in gewohnter Manier auf Beutezug zu gehen.

"500 bis 600 Gramm Fisch fressen die am Tag. Wir haben hier eine bis zu 1 000 Vögel starke Kolonie. So viel Fisch geben unsere Gewässer gar nicht her. Da hilft die Wasserpest zum Schluss sogar ein wenig", bekräftigt Rösner. Dass der Angelverein über die Ansiedlung von Graskarpfen nachdenkt, konnte er indes nicht bestätigen.