Wolfener Straße erregt die Gemüter

Frustrierte Thalheimer kritisieren unklaren Bauablauf - Landkreis sieht alles geklärt

Von Frank Czerwonn 15.10.2021, 11:47
Auf dem Fußweg werden Gas- und Wasserleitungen erneuert. Gebaut wird im ersten Abschnitt bis April 2022.
Auf dem Fußweg werden Gas- und Wasserleitungen erneuert. Gebaut wird im ersten Abschnitt bis April 2022. Foto: Maul

Thalheim/MZ - Die Sanierung der quer durch Thalheim führenden Wolfener Straße sorgt bei Einwohnern für Verärgerung. Im Ortschaftsrat kochten die Emotionen hoch. Vorwürfe an Kreis- und Stadtverwaltung wurden laut: Diese reichten von zu späten Informationen über Behinderung der Feuerwehr und Desinteresse an den Sorgen der Anwohner bis zur Behauptung, dass die Straße gesperrt sei, aber nichts passiere.

Dieser Eindruck ist entstanden, weil die Fahrbahn noch nicht abgefräst ist. Doch haben inzwischen mehrere Einwohner bestätigt, dass gearbeitet wird. „Bevor der Landkreis den Straßenkörper in Angriff nimmt, werden gegenwärtig im Randbereich durch die Stadtwerke neue Gas- und Trinkwasserleitungen verlegt“, erklärt Kreissprecher Udo Pawelczyk. Danach würden einzelne Hausanschlüsse erneuert. Wahrscheinlich ab Mitte November werde die Regenentwässerung neu eingebaut. „Zuvor wird der Straßenkörper abgefräst“, so der Sprecher.

Warum bis dahin Anwohner, Feuerwehr und Nutzer des Geländes der SG Rot Weiß Thalheim die Fahrbahn nicht nutzen dürfen, verstehen viele Thalheimer nicht. „Weil auch bei den jetzigen Arbeiten eine Vollsperrung zwingend notwendig ist“, so Pawelczyk. Wegen des Bauverkehrs, der offenen Gräben und aus Sicherheitsgründen. Doch in der Praxis nutzen viele Anwohner noch die Chance, vorsichtig zu ihren Häusern zu fahren. „Die Baufirma ETB zeigt großes Entgegenkommen und findet im Einzelfall individuelle Lösungen“, lobt Ortsbürgermeister Uwe Bruchmüller (CDU).

Die Wolfener Straße in Thalheim ist komplett gesperrt.
Die Wolfener Straße in Thalheim ist komplett gesperrt.
Foto: Maul

Bei anderen sitzt der Frust tief. Zum Beispiel bei der Feuerwehr. „Wir hätten noch heute aus unserem Gerätehaus ausrücken können“, sagt Feuerwehr-Urgestein und Ortschaftsrat Manfred Lüdecke. Stattdessen zog wegen der Vollsperrung die Wehr in Eigeninitiative zur Firma Hoffmann um. Für das Asyl ist man dankbar. Doch es hat auch Nachteile: „Unsere Einsatzkleidung liegt auf dem Boden“, so Lüdecke.

Zudem habe die Stadtverwaltung nicht genügend geholfen, eine Lösung zu finden. „Ohne unsere Initiative wären wir wohl abgemeldet worden.“ Im Rathaus sieht man das freilich anders. Man habe Lösungen vorgeschlagen, so die Pressestelle. Und auch die Einwohnerversammlung habe auf Initiative der Stadt stattgefunden. Letztlich liege diese Baumaßnahme aber federführend in Verantwortung des Landkreises.

Doch auch die Sportler fühlen sich im Stich gelassen. Der Zugang zum Vereinsgelände wurde nur durch das Anlegen eines Schotterweges ermöglicht - ebenfalls in Selbstregie. All das zeige, dass die Probleme der Einwohner nicht ernst genommen würden.

Im Landratsamt versteht man den Vorwurf nicht. „Natürlich steht der Landkreis möglichen Nöten und Beschwerden nicht gleichgültig gegenüber“, so Pawelczyk. Doch wisse man nicht, welche Nöte und Beschwerden das sein sollten. In der Einwohnerversammlung sei über den Bauablauf informiert worden. Geklärt sei die Abfallentsorgung, Anwohner könnten am Sportplatz parken und auch eine Buswendeschleife sei eingerichtet worden.

Ortsbürgermeister Bruchmüller dagegen sagte im Ortschaftsrat, der Informationsfluss an die Einwohner sei zu spät erfolgt. Auch die Interessen der Feuerwehr seien nicht ausreichend beachtet worden. „Bis heute wurde keine Bauablaufplanung vorgelegt.“ Und es sei unerträglich, dass die Verantwortung immer auf den Nächsten geschoben wird. „Ich wünsche mir, dass bei Bauvorhaben alle Beteiligten samt des Ortschaftsrates frühzeitig an einen Tisch geholt werden und man präzise Absprachen trifft. Bürger, Verwaltung und Unternehmen müssen das gemeinsam hinbekommen.“