Feinschliff für Wahrzeichen

Der Saftjunge ist zurück in Zörbig - Kopie soll dem Original in nichts nachstehen

Von Andrea Dittmar
Der neu gegossene Saftjunge ist bei Steinmetz Arnd Scholz zur Fertigstellung eingezogen.
Der neu gegossene Saftjunge ist bei Steinmetz Arnd Scholz zur Fertigstellung eingezogen. (Foto: Andrea Dittmar)

Zörbig/MZ - Gut zwei Wochen ist es her, dass der kleine Junge zurück nach Hause kam. Festgegurtet auf Paletten wurde der Saftjunge in die Bitterfelder Straße in Zörbig transportiert. Dort hat Steinmetz Arnd Scholz seinen Betrieb. Er soll dem Nachbau des Zörbiger Wahrzeichens im wahrsten Sinne des Wortes den letzten Schliff verpassen.

Arnd Scholz ist nicht nur beruflich ein kundiger Ansprechpartner, wenn es um den Saftjungen geht. „Mein Vater hat für das Original Modell gestanden“, erzählt der Zörbiger. Sein Großvater schuf die Figur aus Sandstein, die auf dem Brunnen am Marktplatz thronte. Der Saftjunge, der jetzt bearbeitet wird, ist allerdings eine Kopie, die von der Hochschule Anhalt in Köthen erstellt wurde.

Beton soll den bekannten Zörbiger vor Randalierenden und dem Zahn der Zeit schützen

Sein neues Material, Beton, soll den bekannten Zörbiger vor Randalierenden und dem Zahn der Zeit schützen. Doch erst einmal bekommt der Saftjunge eine Schleifkur mit kleinem Werkzeug und viel Druckluft. Die Kanten, die beim Guss entstanden sind, müssen glatt werden. Sie stammen aus den einzelnen Segmenten des Negativdrucks. Deswegen, erklärt der Fachmann, wird die Nachbildung auch nicht wie neu aussehen - sie entstand schließlich aus dem Vorgänger, der bald 70 Jahre auf den Schultern hat.

Immer wieder wurde das Original auf dem Markt beschädigt.
Immer wieder wurde das Original auf dem Markt beschädigt.
(Foto: Kehrer)

Es ist Handwerkskunst und ein Geduldsspiel. Denn die feinen Löcher müssen auch noch verspachtelt werden, im letzten Schritt kommt eine Versiegelung mit Lack auf den Beton, der wie Sandstein aussieht. Diese soll vor Wasser schützen und wird in Handarbeit aufgetragen. „Kleine Makel vom Gießen werden so verschwinden.“ Scholz nimmt sich dafür Zeit. Immer wieder widmet er sich neben seinen anderen Aufträgen zwei, drei Stunden der Nachbildung des Saftjungen. „Die Farbe ist ganz gut getroffen. Es wird sicher auch noch von allein nachdunkeln.“ Der Saftjunge ist aus Beton gegossen, hat aber weiterhin das Aussehen von Sandstein - so wie sein Original.

Der Vorgänger fand sich dreimal in der Werkstatt des Steinmetzes, weil er beschädigt wurde

Auch Arnd Scholz findet: Der Saftjunge gehört zu Zörbig. „Deswegen war es mir wichtig, dass er hier auch den letzten Schliff erhält.“ Seine Hoffnung ist, dass der neue Saftjunge, wenn er bald seinen Platz auf dem Marktbrunnen einnimmt, nicht wieder zerstört wird. Zumindest sind jetzt viele Voraussetzungen geschaffen: Die Platte, auf der die Füße stehen, ist dicker als zuvor. Dicke Schrauben schützen von unten.

Der Vorgänger fand sich dreimal in der Werkstatt des Steinmetzes, weil er beschädigt wurde. „Das war dann wie puzzeln, ich habe unten angefangen und mit Restaurationsmörtel gearbeitet“, erinnert sich Scholz. Das Original, das in Köthen für den Negativdruck Modell stand, lagert ebenfalls in seiner Werkstatt. Von dort aus soll es ins Museum im Kulturquadrat umziehen, das sich derzeit im Umbau befindet. Dort soll das kleine Leckermaul, das seine Finger in ein Glas Rübensaft steckt, von der industriellen Revolution und der Blütezeit der Stadt erzählen.