Frust bei Eltern in Bernburg

Zweite von drei Kinderärztinnen hört auf

Hiobsbotschaft trifft mitten im Lockdown hunderte Familien in Bernburg. Wohin nun mit dem kranken Kind?

In Bernburg schließt bald die zweite von drei Kinderarztpraxen. Foto: DPA

Bernburg - Bei hunderten Eltern in Bernburg klingeln dieser Tage die Telefone und sie erhalten von der Sprechstundenhilfe am anderen Ende der Leitung die nächste Hiobsbotschaft: Nachdem zum 1. April Beate Klotz ihre Praxis im neuen Gesundheitszentrum im historischen Postgebäude geschlossen hat, hört überraschend auch Kinderärztin Birgit Lechner zum 30. Mai auf. Damit spitzt sich die Lage bei der Versorgung von kranken Kindern in der Kreisstadt weiter zu.

Dabei hatte das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) des Städtischen Klinikums Dessau als Betreiber der beiden künftig geschlossenen Praxen vor einem Monat noch davon gesprochen, dass Birgit Lechner nur vorübergehend halbtags arbeiten und im Anschluss wieder die volle Stelle besetzen will (die MZ berichtete). Doch daraus wird nichts. Wie Gelfo Kröger, Sprecher des MVZ Dessau, auf Nachfrage der MZ bestätigte, wird ab 1. Juni von ehemals drei nur noch eine Kinderärztin - Heike Hüfner - in Bernburg praktizieren.

Die übrig gebliebene Kinderärztin nimmt inzwischen keine Patienten mehr auf

Für viele Eltern ist das der absolute Super-Gau. Denn inzwischen kann aufgrund des großen Ansturms die letzte übrig gebliebene Kinderärztin keine Patienten mehr aufnehmen. Genauso wie einige andere Kinderärzte in der Region, von denen Eltern in Bernburg bereits reihenweise Absagen erteilt bekommen haben.

Unterdessen hat das MVZ Dessau angekündigt, weiter nach Bewerbern zu suchen, die die beiden offenen Stellen in Bernburg besetzen sollen. „Unsere Priorität liegt ganz klar darauf, die Kinderarztstellen in Bernburg neu zu besetzen. Dazu suchen wir auf allen Kanälen mit Hochdruck, inklusive Headhunter“, versichert Gelfo Kröger.

Aber wahr sei auch, dass es in Deutschland derzeit einen Mangel an Kinderärzten gebe. Und es sei nicht einfach, Kandidaten zu finden - zumal das MVZ auch in Dessau eine weitere Kinderarztstelle ausgeschrieben hat.

Nichtsdestotrotz hat das Medizinische Versorgungszentrum derzeit nicht vor, die beiden Stellen an die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt zurückzugeben, damit diese selbst die Suche nach Bewerbern starten kann.

„Sollte es nicht gelingen, die offenen Stellen kurzfristig zu besetzen, werden die Eltern, so leid es uns tut, nicht umhinkommen, ihre Kinderarzttermine mit einem größeren zeitlichen Vorlauf zu planen und auf umliegende Praxen und Krankenhäuser auszuweichen bis unsere Suche erfolgreich ist“, sagt Kröger.

„Die Eltern werden nicht umhinkommen, Termine mit Vorlauf zu planen und auf umliegende Praxen und Krankenhäuser auszuweichen.“

Gelfo Kröger, Sprecher des MVZ Dessau

Aber was tun bei medizinischen Notfällen? Weil eine lange Fahrt durch den Salzlandkreis oder gar durch das ganze Bundesland mit ihren kranken Kindern für viele Eltern als unzumutbar erscheint, bekommen sie nun Unterstützung vom CDU-Landtagskandidaten Stefan Ruland.

Er will nach eigenen Angaben bereits in der kommenden Woche Gespräche mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung führen und auf die zugespitzte Lage in Bernburg aufmerksam machen. Denn die Gefahr besteht, dass die Stellen bis zu einem Jahr unbesetzt bleiben könnten. Erst nach zwölf Monaten erfolgloser Suche kann die KV die Stellen, die derzeit dem MVZ Dessau gehören, selbst öffentlich ausschreiben.

Offen ist derzeit ebenfalls, was aus dem Personal werden soll, das über viele Jahre in den beiden Kinderarztpraxen in Bernburg beschäftigt war. „Wir werden uns natürlich bemühen, eine Übergangslösung für die betroffenen Mitarbeiter zu finden, bis die Praxis wieder besetzt ist“, sagt Gelfo Kröger. Wie diese genau aussehen wird, könne er aber im Moment noch nicht sagen, nur: „Wir diskutieren zurzeit verschiedene Modelle.“ (mz/kt)