Bundestagswahl

Thorben Fiedler ist für mehr Chancen durch mehr Freiheit

Die MZ stellt die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 71 - Anhalt in der Reihenfolge des Wahlzettels vor.

Von Christine Färber 16.09.2021, 14:00
Thorben Fiedler ist gern in Bitterfeld unterwegs. Hier fühlt er sich wohl - und strebt trotzdem nach Berlin in Bundestag.
Thorben Fiedler ist gern in Bitterfeld unterwegs. Hier fühlt er sich wohl - und strebt trotzdem nach Berlin in Bundestag. Foto: André Kehrer

Bernburg/MZ - Der Vater bei den Linken. Der Sohn bei den Freien Demokraten. Geht da noch was? Ja, sagt Thorben Fiedler. Und er meint damit, so manche politische Diskussion geht.

„Meine Mutter meint manchmal schon: ,Ach, das Politbüro tagt wieder’, wenn wir zusammensitzen und diskutieren“, sagt er fröhlich. Die Diskussionen am elterlichen Abendbrottisch in Jeßnitz werden gerade noch befeuert. Denn Thorben Fiedler will mehr als Diskussionen daheim - er will die Debatten im Bundestag. Der 25-Jährige, Mitglied der FDP, kandidiert dafür. Der Vater finde es gut, dass er politisch arbeitet, sagt er. „Für ihn leider in der falschen Partei. Bei mir stehen die Linken im Wahl-O-Mat ganz unten.“

Dem Thema Bildung und Digitalisierung widmen

Er setze andere Schwerpunkte, sagt er. Und die deckten sich mit denen der Freien Demokraten: Mehr Chancen durch mehr Freiheit, heißt das im Kern. Und aufgelöst: Stärkung der Wirtschaft - befördert durch ein besseres Investitionsklima und so mehr Jobs. Einhergehen soll das mit dem gründlichen Abbau der Bürokratie, mit Deregulierung, mit Privatisierungen, mit guter Bildung und mehr. Thorben Fiedler will sich in Berlin vor allem dem Thema Bildung und Digitalisierung widmen und auch seine Kenntnisse in Gesundheitsfragen einbringen. „Ich habe gern ’ne eigene Meinung“, kündigt er schon mal an. Extreme lehnt er ab. „Man kann ja über alles diskutieren.“

Er hat kein Problem, mit Leuten in Kontakt zu kommen. Das mag an seiner ruhigen, aufgeschlossenen, freundlichen Art liegen. Und an seiner Fähigkeit, zuhören zu können. Kein Wunder, dass Azubis und später Kollegen ihm als Gewerkschafter Vertrauen schenken, ihn bestärken. Der Sozialversicherungsfachangestellte arbeitet seit fünf Jahren bei der AOK in Bitterfeld. Hier, sagt er, habe er klasse Kollegen um sich und es mit vielen Kunden und ihren Problemen zu tun. So geht es vor allem darum, ihnen Unklarheiten klar zu machen, sie zu beraten - meist zum Thema Pflege. Oft sind es auch rechtliche Fragen, die eine Rolle spielen.

„Ein lockeres Gespräch geht auch bei ernsten Themen“

Wissen, zuhören, die Kunden ernst nehmen - das ist für ihn Basis für gute Arbeit, die beide Seiten zufrieden macht. „Ich mag eine angenehme Atmosphäre“, sagt er. „Ein lockeres Gespräch geht auch bei ernsten Themen.“ Die wird er, so er nach Berlin geht - und dabei unterstützen ihn vor allem auch seine Freunde -, dann zur Genüge haben. Da kommt ihm seine Erfahrung als Gewerkschafter zugute. Seit zwei Jahren übrigens ist er Jugendvertreter im Deutschen Beamtenbund, Dachverband von Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes und des privaten Dienstleistungssektors. Ein Fundament, auf das sich aufbauen lässt. Hier zählt Bodenhaftung.

Engagement für die Jugend

Fiedler weiß, wohin sein politisches Engagement gehen soll: zur Jugend. Ein Schwerpunkt ist für ihn die Wirtschaft, die Basis für gesellschaftlichen und individuellen Wohlstand. Aus vielen Gesprächen mit jungen Leuten weiß er, die Ansprüche an die Arbeitswelt haben sich verändert. Sie favorisierten heute flexible Arbeitszeit, Work Life Balance spiele eine große Rolle. Darauf müsse Politik sich einstellen. Und: Erfolgreiche Wirtschaft erfordert erfolgreiche Bildung. Corona habe das Dilemma, das mit der Digitalisierungskatastrophe einhergeht, offengelegt. „Ein Thema, das bisher immer hinten runter fiel. Gerade hier aber liegen große Chancen. Und da liegen wir so meilenweit zurück“, sagt der Technikfreak.

Andererseits geht es ihm um ein belastbares Sozialsystem, um Finanzierbarkeit von Krankenkassen und Rententrägern. So favorisiert Fiedler eine wirtschaftsbasierte Aktienrente. „Wir haben eine starke Wirtschaft.“ Lockt Berlin? „Bitterfeld mit der Goitzsche ist mir Heimat geworden“, verrät er. „Ich arbeite auch gern im Zug.“ Seit er in Bitterfeld wohnt, ist er gern mit dem Rad unterwegs. Er habe sich extra ein Rennrad gekauft. „Radfahren macht mir den Kopf frei.“