„Jude“, „Nazi“, „Homo“

Frust über beschmierte Wahlplakate in Bernburg

Unbekannte gehen mit roher Gewalt vor, zerstören und verunglimpfen Bilder der Landtagskandidaten. Betroffen sind nahezu alle Parteien.

Von Katharina Thormann
Das Plakat von Stefan Ruland wurde beschmiert. E. Pülicher

Bernburg - Viereinhalb Wochen vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bekommen es immer mehr Kandidaten im Wahlkreis 21, zu dem der Altkreis Bernburg gehört, mit Attacken auf ihre Wahlplakate zu tun. So gingen Unbekannte unter anderem mit roher Gewalt auf Wahlplakate an der Lindenstraße und der Dessauer Straße in Bernburg los.

Davon auch betroffen: CDU-Landtagskandidat Stefan Ruland: „Wir mussten schon viele Plakate austauschen“, sagt Ruland, dessen Telefon am Sonntag aber aus einem anderen Grund nicht mehr still stand. Denn Unbekannte hatten es auch auf seinen großflächigen Aufsteller am Platz der Jugend in Bernburg abgesehen.

„Zuerst wurde mein Mund auf dem Bild mit einem durchsichtigen Klebestreifen zugeklebt, was aussah wie eine riesige OP-Maske“, erzählt Ruland. Dies habe er noch problemlos wieder entfernen können. Doch in der Nacht zum Sonntag beschmierten Unbekannte seinen Aufsteller in schwarzer Farbe mit der Aufschrift „Jude“.

„Ich fühle mich damit nicht beschimpft und ich bin auch nicht jüdischen Glaubens. Ich bin aber enttäuscht von den Menschen, die nachts herumziehen und Plakate beschmieren“, sagt Ruland, der daraufhin bei der Polizei sofort Anzeige gegen Unbekannt erstattete.

Das Wahlplakat der FDP in Bernburg ist beschmiert. Es steht am Werder.
Pülicher

Es ist im jetzigen Wahlkampf bei weitem nicht die erste ihrer Art, die im Bernburger Polizeirevier eingegangen ist. Das Revier in Bernburg hat in den vergangenen Tagen mehrere dieser Anzeigen wegen Sachbeschädigung aufgenommen.

Das bestätigte Jens Galetzka, Leiter der Zentralen Aufgaben im Polizeirevier Salzlandkreis. Je nachdem, was auf die Plakate geschmiert wurde, laufen die Ermittlungen zum Teil auch wegen politisch motivierter Straftaten.

Massiv betroffen von dieser Art der Attacken ist auch AfD-Landtagskandidatin Claudia Weiß: „In den ersten 14 Tagen als die Plakate hingen, war es noch relativ ruhig, aber nun ist fast jeden Tag ein Plakat kaputt geschlagen, ganz verschwunden oder beschmiert. Das hat wirklich massiv zugenommen.“

Das Wahlplakat von Paul Engel wurde verunstaltet.
E. Pülicher

Besonders bitter für sie: In Peißen und Bebitz wurde ihr am Wochenende auf mehreren Plakaten ein markanter Schnurrbart angemalt, in Zepzig habe man ihr sogar noch einen Seitenscheitel verpasst in Anlehnung an die Hitler-Frisur. „Das greift mich persönlich an“, sagt Weiß, deren zwei Großplakate keine 24 Stunden unbeschadet überstanden hatten.

Das Plakat von Claudia Weiss wurde beschmiert.
E. Pülicher

Erst am Montag dieser Woche wurden sie aufgestellt, am gestrigen Dienstag stand auf einem das Wort „Nazi“ geschrieben. „Ich habe es nun gleich wieder beräumen lassen“, sagt Weiß.

Mit blinder Zerstörungswut hat es unterdessen auch SPD-Landtagskandidat Paul Engel zu tun, dessen Plakate unter anderem an der Dessauer Straße hinuntergerissen wurden. Zum Plakatwechsel ausrücken musste auch die FDP, wie Kreisvorsitzender Holger Dittrich bestätigte.

Auch Henriette Krebs von den Linken ist von der blinden Zerstörungswut betroffen.
H. Krebs

Aber auch die Linke blieb nicht verschont. Landtagskandidatin Henriette Krebs fand dafür folgende Worte: „Diese Zerstörung nervt, die Leute können zum Infostand kommen und mit mir reden, wenn sie ein Problem haben. Plakate zerstören, bringt aber niemandem was.“

Die Polizei im Salzlandkreis setzt laut Jens Galetzka unterdessen auf die Mithilfe der Bevölkerung: „Zeugen können sich jederzeit melden.“ Hinweise werden entgegengenommen unter: 03471/37 90. (mz)