Kanzler von Pfau'sche Stiftung

Diese Frau ist als Heimleiterin verantwortlich für 107 Senioren in Bernburg

„Ich war mit Leib und Seele Krankenschwester. Das hat mir geholfen, auch im unbekannten Umfeld Fuß zu fassen“, erzählt die 46-Jährige.

Von Carsten Roloff
Harriet Ködelpeter hat  die Verantwortung für 107 Senioren.
Harriet Ködelpeter hat die Verantwortung für 107 Senioren. Foto: Carsten Roloff

Bernburg/MZ - Ein traumatisches Ereignis hat vor 31 Jahren die Weichen für ihre berufliche Laufbahn gestellt. Die Rede ist von Harriet Ködelpeter, die ihren Opa Wolfgang sehr geliebt hat, sich aber in seiner schwersten Stunde nicht von ihm verabschieden konnte.

„Ich war Opa-Kind. Unsere ganze Familie wusste, dass er geht. Wir wollten ihn zum Sterben nach Hause holen und hatten um Nachricht aus dem Krankenhaus gebeten“, erzählt die 46-jährige gebürtige Köthenerin. Doch das Telefon klingelte zu spät. Als die Familie im Krankenhaus ankam, war das Bett des inzwischen verstorbenen Großvaters schon frisch bezogen.

„Von diesem Tag an stand für mich fest, dass ich Krankenschwester werde und mit den Angehörigen eines todkranken Menschen nicht so umgehen würde. Uns wurde Opas Tasche mit seinen Utensilien samt den Hausschuhen obendrauf einfach in die Hand gedrückt“, schildert die in Maasdorf aufgewachsene Frau das Szenario.

Harriet Ködelpeter begann 1992 nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung als Krankenschwester im Kreiskrankenhaus Köthen, arbeitete nach der erfolgreichen Prüfung 23 Jahre im städtischen Krankenhaus Dessau-Alten.

Während ihrer beruflichen Tätigkeit bestand die in Edderitz lebende stolze Mutter von Tim (21) und Luise (15), die mit ihrem Stefan (48) glücklich verheiratet ist, die Prüfung zur Praxisanleiterin im Jahr 2005. Sechs Jahre später qualifizierte sie sich für die Stations- und Pflegedienstleitung.

Harriet Ködelpeter war 23 Jahre Krankenschwester im Krankenhaus Dessau-Alten

„Ich war mit Leib und Seele Krankenschwester. Das hat mir enorm geholfen, auch im unbekannten Umfeld Fuß zu fassen“, so die Edderitzerin, die nach über zwei Jahrzehnten noch einmal von vorn begann. „Ich habe eine neue Herausforderung gesucht und gefunden.“

Als ambulante Pflegefachkraft hatte sich die Krankenschwester vor drei Jahren bei der Kanzler von Pfau´schen Stiftung mit den Zweigstellen in Ballenstedt, Eisleben, Bad Suderode, Köthen, Güsten, Könnern sowie dem Hauptsitz in Bernburg beworben, praktisch bei Null noch einmal angefangen und dabei auch auf Gehalt verzichtet.

Seit dem 13. November 2019 agiert die Expertin als Heimleiterin für den Pfau- und das Jeanette-Stift in Bernburg, hat den Hut für 107 Senioren und die Mitarbeiter auf. Und zieht dabei einen Trumpf aus dem Ärmel.

Der Edderitzerin schwirren nicht nur die Zahlen durch den Kopf wie bei studierten Betriebswirten, sondern sie kann auch auf die Sorgen und Nöte ihrer Belegschaft dank der mehr als 20-jährigen Berufserfahrung eingehen und diese besser verstehen. Gerade während der Corona-Pandemie war die Heimleiterin mehrfach gefordert. Sie holte die Qualifikation für ihre jetzige Stellung nach, schrieb die Hausarbeit und büffelte dabei für die Prüfung.

Doch Harriet Ködelpeter hatte dabei die Probleme im Blick. „Corona war für alle beteiligten Menschen bitter. Unsere Pflegekräfte arbeiteten am Anschlag. Die Angehörigen hatten wegen der Hygieneauflagen zeitweise keinen Zutritt zu den Einrichtungen. Das war eine Katastrophe“, so Harriet Ködelpeter.

Sie musste die ständig wechselnden Hygienekonzepte mit ihrem Personal umsetzen und „nebenbei“ zum zweiten Mal den Sprung nach oben geschafft hat. Zum nötige Ehrgeiz besitzt sie auch das Feingefühl und hat seit mehr als 30 Jahren ihr Herz für die Pflege anderer Menschen geöffnet.