Heimatgeschichte

Der etwas andere Weg

Bernburgs besondere Stadtkerne - die Entwicklung vom Mittelalter bis zum Jahr 1850.

Bernburg - Die Stadt Bernburg entwickelte sich an einer alten Handelsstraße, die sich von Magdeburg, beziehungsweise Waldau kommend entlang der heutigen Breiten Straße bis zum Markt hinzog. Das Besondere war, dass Bernburg aus einer Alt- und einer Neustadt bestand. Spätestens im 12. Jahrhundert entwickelte sich an einer Furt, wo heute die Saalebrücke am Markt besteht, die ursprüngliche Altstadt. Richtung Waldau muss bereits nach einigen Jahrzehnten eine Neustadt - praktisch an einem zweiten Saalearm (heute Waldauer Anger) entstanden sein.

Beide Städte befanden sich in Insellage und waren durch einen weiteren Saalearm voneinander getrennt, noch dazu mit geschlossenen Ringmauern und einem Tor auf Höhe der später errichteten Alten Kanzlei. In welchem Zeitraum die Entwicklung beider Städte voran ging, kann man nicht nachvollziehen. Jedenfalls verlieh der askanische Fürst Bernhard der Alt- und der Neustadt im Tale bereits 1278 die Stadtrechte.

Stadtkerne im Mittelalter

Somit hatte Bernburg im Mittelalter zwei Stadtkerne mit zwei Rathäusern und zwei Kirchen, der heute noch bestehenden Marienkirche und der Nikolaikirche. Auch das Altstädter Rathaus ist noch am gleichen Fleck zu sehen, wie damals. Nur das Neustädter Rathaus wurde 1866 abgerissen. Das pulsierende Leben fand auf den Plätzen vor den Rathäusern und den Kirchen statt, wo auch Handel betrieben wurde. Die Handwerksinnungen sorgten ebenfalls für ein reges Leben. Seit 1325 wurden sie in Urkunden im Rat benannt.

1354 standen die Innungsmeister der Altstadt nach den Ratsmannen, dem Gemeindevorsteher Schultheiß und den Schöffen im Rang an vierter Stelle. Wie in vielen Städten ließ sich auch in der Bernburger Talstadt ein Bettelorden nieder. Die Serviten, auch als Marienknechte bekannt, bewohnten ihr Kloster in der Bernburger Neustadt an der Grenze der Altstadt, das am 21. Juli 1308 erstmalig erwähnt wurde. Dem heute noch bestehenden Kloster haucht bekanntlich die Hochschule Anhalt Leben ein.

Stadtkern am Markt

Seit der Vereinigung der Alt- und der Neustadt im Jahr 1561 befand sich das Stadtzentrum Bernburgs mit seinem pulsierenden Leben in der ehemaligen Altstadt am Markt.

Siedlung am Schloss

Die Bergstadt war im Mittelalter noch eine ländliche Siedlung. Aus dem Lehnbuch des Fürsten Bernhard III. von Bernburg aus dem Jahre 1342 geht hervor, dass es auf dem Berg eine ganze Reihe von Höfen gab.

Im Schutz der Burg werden sich Hörige des Fürsten angesiedelt haben. Es ist also sicher, dass es dort, wo heute das Stadtzentrum rund um den Karlsplatz liegt, zahlreiche landwirtschaftliche Felder und Viehweiden gab. In der damaligen Bergstadt verlief die genannte Handelsstraße nur am Rande entlang an der Siedlung vorbei, und zwar am Kugelweg, in Richtung Köthen und am heutigen Louise-Braille-Platz in Richtung Halle.

Die Bergstadt erhielt 1457 das Stadtrecht und 1461 ein Rathaus inmitten der Anhöhe, dort, wo heute die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde ihren Sitz hat. Wegen der ungünstigen Hanglage wurden Märkte und Feste auf dem heutigen Theatervorplatz abgehalten. Trotz aller Bemühungen, in der Bergstadt städtische Bedingungen zu entwickeln, blieb sie zunächst ein Anhängsel des Schlosses.

Bis 1561 war hier das Neustädter Rathaus untergebracht, das 1866 abgerissen wurde. Auch dieses Bild stammt aus dem Buch Geschichte der Stadt Bernburg von Hans Peper.
Repros: Lothar Semlin

Bernburg im 19. Jahrhundert

Im Jahr 1825 ordnete Herzog Alexius die Vereinigung von Berg- und Talstadt zu einem Grundwesen an. Das Stadtzentrum Bernburgs blieb aber aus den erläuterten Gründen am Markt in der Talstadt.

Gerade in dieser Zeit gewann jedoch die einst so unbedeutende Bergstadt Bernburgs an Wertschätzung. Wesentliche Erweiterungen der Bergstadt gab es unter Fürst Viktor Friedrich (1721-1765) mit der Anlegung der Leipziger und der heutigen Theaterstraße. Außerdem ließ er einen Steinbruch auf dem Gebiet der Heinrich-Zille-Straße in einen schmucken Garten umwandeln, den Prinzengarten. Die Bergstadt als kulturellen Anziehungspunkt förderte Herzog Alexius Friedrich Christian (1767-1834). Er ließ 1825 ein Theater errichten, das am 2. März 1827 eröffnet wurde. In dieser Zeit breitete sich die Bergstadt in die Richtung des heutigen Rheineplatzes aus.

Weiterhin sorgten die Inbetriebnahme des ersten Bahnhofes 1846 und der Bau der Karlskaserne von 1858 bis 1860 am heutigen Karlsplatz für weitere Höhepunkte der damaligen Stadtentwicklung. Eine solche Ausbreitung war zu dieser Zeit wohl gegenüber anderen Städten unter anderem auch deshalb möglich, da die Bergstadt keine feste Stadtmauer besaß.

Das machte sich auch auf die Einwohnerzahl bemerkbar. Im Jahre 1827 lebten 5.448 Einwohner in Bernburg. Im Jahr 1858 waren es bereits 10.691 Einwohner (mit Waldau 11974).

Industriell geprägtes Land

Doch das war nur der Beginn einer Entwicklung, die in Bernburg mit ihrer räumlichen Ausdehnung anders geprägt war, als in vielen anderen Städten Deutschlands. Um das zu verstehen, muss man zunächst den Zeitgeist betrachten. Zwischen 1871 und 1914 entwickelte sich Deutschland von einem Agrarstaat zu einem industriell geprägten Land, in dem sich die Städte immens ausbreiteten. Dieses Wachstum fand in Städten, wie zum Beispiel Aschersleben, Halle und Erfurt rund um das mittelalterliche Stadtzentrum mit ihren Rathäusern und Kirchen statt. Bernburg entwickelte sich anders. Um es vorweg zu nehmen: In der Bergstadt gab es um 1900 optimale Bedingungen für die Urbanisierung, die in der Talstadt mit ihrem historischen Stadtzentrum nicht gegeben war. In der Talstadt verhinderte im Norden und Süden Waldau und die Bergstadt die Ausbreitung.

Im Osten und Westen breitete man sich wegen der Auenlandschaft und deren naturbedingten Hochwassergefahr, die einer Industrialisierung im Wege stand, nur in bescheidenem Ausmaß außerhalb der ehemaligen Stadtmauern aus. Fortsetzung folgt