Grünes Labor Gatersleben

Womit Schüler bei „Jugend forscht“ gewannen

Amelie und Paul haben in der Genbank recherchiert und eine besondere Weizenlinie gefunden. Was das mit dem Klimawandel zu tun hat.

Gatersleben - Es ist ungewöhnlich still im Grünen Labor von Gatersleben. Kein Wunder, ist die Nachwuchs-Forscher-Schmiede doch seit Mitte Dezember für Schülergruppen geschlossen. Doch hinter den Kulissen wird weiter gewerkelt - gerade erst an einem Siegertitel beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“.

Dort sind Amelie Dybus und Paul Lünenborg auf dem Siegertreppchen im Bereich Biologie gelandet. Mit einem Projekt, dem Laborleiterin Ute Linemann ihren Respekt zollt. „Es geht um Weizenwechselkandidaten, die eine Antwort auf den Klimawandel sein könnten“, berichtet die Laborchefin von der Arbeit der beiden Jugendlichen, die die Gaterslebener seit zwei Jahren begleitet haben.

In der Genbank des Instituts suchten die Schüler nach „Wechselweizen“

Am Anfang waren Paul und Amelie noch Schüler des Norbertusgymnasiums in Magdeburg. „Ihre Lehrerin Coletta Markefka-Stuch ist sehr umtriebig und sucht immer nach interessanten Herausforderungen für ihre Schüler. So ist sie auf das Grüne Labor gestoßen“, berichtet Linemann, wie der Kontakt entstanden ist. Inzwischen haben die 14- und 15-Jährigen die Schule aber gewechselt: Paul ist am Domgymnasium in Magdeburg, Amelie an der Landesschule Pforta, doch ihrem Projekt sind sie weiter treu geblieben.

„In dem ging es um die Frage: Was passiert, wenn die Winter so warm werden, dass der Winterweizen - der ja Kälte braucht - keine Erträge mehr bringt“, berichtet Linemann. In der Genbank des Gaterslebener Leibniz-Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung haben sie dafür nach Wechselweizenlinien gesucht, die weder wirklich dem Sommer- noch dem Winterweizen zuzuordnen sind.

Im Grünen Labor haben die Schüler dann die acht zur Verfügung gestellten Linien genetisch untersucht. Andreas Börner - ihr Partner im IPK - veranlasste zudem, dass die Proben im vergangenen Herbst mit ausgesät wurden. So konnten die jungen Leute Felddaten sammeln - etwa, wie groß die Ähren werden, wie viele Körner sie haben.

Das könnte jetzt der Ausgangspunkt für eine neue Züchtung sein

Laborleiterin Ute Linemann

„Am Ende haben sie so eine Sorte herausgefiltert, die als Sommerweizen im Herbst angebaut werden kann und vergleichbare Erträge bringt. Das könnte jetzt der Ausgangspunkt für eine neue Züchtung sein.“

Eine Arbeit, die allen Beteiligten einiges abgefordert hat. „Allein die Fahrerei“, sagt Ute Linemann. Da seien vor allem die Eltern eingesprungen. „Und wir haben versucht, das alles sehr kompakt zu gestalten“, sagt die Laborleiterin, die auch selbst einmal am Wochenende nach den Pflanzen auf dem Feld geschaut hat. Dazu die Corona-Vorsichtsmaßnahmen, zu denen Schnelltests und das Arbeiten mit Maske gehörten.

Für das Projekt, das von der Landwirtschaftlichen Rentenbank gefördert wurde, haben die Schüler im vergangenen Jahr im Regionalausscheid den zweiten Platz und in diesem Jahr landesweit den ersten Platz ergattert, weshalb sie Ende Mai am Bundeswettstreit teilnehmen. Das Besondere daran: „Alles fand digital statt.“

Nicht nur die Vorbereitungen, die durch Corona eben oft per Videokonferenzen liefen, auch der Wettkampf selbst. So wurde die Präsentation vor der Jury einfach in Gatersleben durchgeführt. Im Labor. Und per Video übertragen. Ähnliches soll auch für den Bundeswettstreit gelten. „Dafür haben wir am Wochenende ein Video gedreht“, verrät Linemann. Nun müssen die Jugendlichen noch ihre Facharbeit aufpeppen, einige Tipps der Juroren einarbeiten, dann geht es weiter.

Paul Schreiber aus Halberstadt hat Platz 2 beim Regionalausscheid erreicht

Die Laborleiterin, die ein bisschen mit den beiden mitfiebert - schließlich hatte das Grüne Labor schon einmal einen Bundessieger gestellt -, hat aber auch noch andere gute Nachrichten: Paul Schreiber vom Martineum Halberstadt, der ebenfalls schon seit zwei Jahren in Gatersleben an einem Jugend-forscht-Projekt arbeitet, ist im Regionalausscheid Zweiter geworden. Und das Grüne Labor hat den Sonderpreis 2021 als außerschulischer Lernort erhalten.

Für Linemann ist das eine schöne Bestätigung für den Erfolg der Einrichtung, die gerade sehr unter Corona leidet. Die Zeit, in der die Türen geschlossen und Mitarbeiter in Kurzarbeit bleiben mussten, haben die Gaterslebener zum Renovieren der Labore genutzt. „In der Zeit, dass wir die Pandemie überstehen.“

Umso wichtiger ist es, dass viele Partner die Schülereinrichtung weiter finanziell unterstützen. Durch die Gisela-und-Hermann-Stegemann-Stiftung hat es sogar eine direkte Corona-Hilfe gegeben. (mz/gin)