Wohnmobil-Parkplatz in Aschersleben

Wohnmobil-Parkplatz in Aschersleben: Seegraben ist bei Campern begehrt

Aschersleben - Camper müssen früh aufstehen. Jedenfalls wenn sie mit dem Wohnmobil unterwegs sind und in Aschersleben einen Parkplatz erwischen wollen. Wer nach Zwölf kommt, muss derzeit viel Glück haben oder weiterfahren, sagen Hildegard und Hermann Werner aus Baunatal bei ...

Von Harald Vopel 24.07.2017, 15:27

Camper müssen früh aufstehen. Jedenfalls wenn sie mit dem Wohnmobil unterwegs sind und in Aschersleben einen Parkplatz erwischen wollen. Wer nach Zwölf kommt, muss derzeit viel Glück haben oder weiterfahren, sagen Hildegard und Hermann Werner aus Baunatal bei Kassel.

Die beiden Hessen waren in der vergangenen Woche jedenfalls zeitig ran, so dass die Übernachtung in der ältesten Stadt Sachsen-Anhalts gesichert war. Genau wie für die anderen sieben Wohnmobile, die in direkter Nachbarschaft geparkt haben.

Camper-Idylle sieht etwas anders aus

Dabei sieht Camper-Idylle wahrscheinlich doch etwas anders aus, könnte der eingefleischte Pauschaltourist mutmaßen. Jedenfalls anders als auf einem betonierten Parkplatz zwischen Eisenbahngleisen und einer vielbefahrenen Straße. Gut - Idylle sieht tatsächlich anders aus, trotzdem werden die Stellplätze am Ascherslebener Seegraben in diesen Wochen gut besucht.

Meist sind es Wohnmobilisten, die während ihrer Rundfahrten einen Kurzstopp in Aschersleben einlegen. Schon am nächsten Tag geht’s dann für die meisten weiter. So wie für die Werners, die am nächsten Morgen nach Quedlinburg weiter wollen.

Viele Besucher während der Landesgartenschau

Es ist offensichtlich, dass der überhaupt erste Nutzer dieses Angebots, Horst Voigtländer aus Bensheim, Recht behalten hat. Nachdem der seinen Caravan schon in der Nacht vor der offiziellen Übergabe auf einem der acht Stellplätze gestellt hatte, mutmaßte er am 20. Mai 2010, dass der Platz keiner speziellen Werbung bedürfe. Er werde sich ganz schnell in der Szene herumsprechen. Während der Landesgartenschau 2010 eingeweiht, erfreut sich der „Campingplatz“ tatsächlich bis heute einer gewissen Beliebtheit beim „fahrenden Urlaubsvolk“. Ein bischen vielleicht auch deshalb, weil hier keine Standgebühren fällig werden. Andererseits ist sich Herrmann Werner sicher, dass die Stadt, um Gebühren zu kassieren, etwas mehr Pflege auf den Caravan-Parkplatz verwenden müsste. Und er zeigt dabei auf die meterhohen Brennnesseln - mit denen er und seine Frau sich aber schon arrangiert hätten - direkt vor seiner Wohnung auf Rädern. Und überhaupt mache der Platz einen etwas verwahrlosten Eindruck.

Seit 25 Jahren sind die beiden Hessen schon regelmäßig mit ihrem Wohnmobil unterwegs, haben schon fast ganz Europa und Skandinavien erkundet. Bis zu 120 Tage im Jahr auf vier Rädern kämen da schon zusammen. Diesmal sei man drei Wochen am Stück auf Tour.

Durch den Osten Deutschlands. „Jetzt steht nur noch der Harz auf dem Programm, dann geht’s erst einmal zurück ins hessische Baunatal“, sagt Hermann Werner. Obwohl - die nächste Ausfahrt stehe schon so gut wie vor der Tür. Die soll in den Schwarzwald führen - und im Herbst an die Mosel. Wo übrigens jeder Ort einen Stellplatz für Wohnmobile habe.

„Schön ist es hier in Aschersleben“

Auch wenn Aschersleben nur eine Durchgangsstation sei, habe man natürlich die Gelegenheit genutzt, der Innenstadt einen Besuch abzustatten. „Schön ist es hier“, meint Hildegard Werner. Und ihr Mann schwärmt von den vielen guten Straßen in den neuen Bundesländern. Die seien im Westen fast schon Mangelware.

Erfahren habe er von dem Ascherslebener Caravan-Parkplatz übrigens nicht durch Mund-zu-Mund-Propaganda, erklärt der ehemalige Berufskraftfahrer - sondern durch einen Blick in ein einschlägiges Verzeichnis. Das liegt dann auch auf dem Campingtisch, den die Werners inzwischen neben ihrem Wohnmobil aufgebaut haben. Das gehöre zur Grundausstattung eines engagierten Wohnmobilisten. Und solche sind die beiden. Und sie sind Mitglied des Vereins „Wohnmobilfreunde Baunatal“. Mit eigenem Campingplatz, auf dem die Vereinsmitglieder in regelmäßigen Abständen „Dienst“ schieben, um das Gelände sauber und attraktiv zu halten.

Während sich Hildegard und Hermann Werner auf den Abend vorbereiten, kehren auch die wohnmobilen Nachbarn auf Zeit von ihren Besuchen der Ascherslebener Innenstadt zurück. Einige stellen ebenfalls Tisch und Stühle auf und machen es sich gemütlich - gemütlich zwischen Bahngleisen und Straße.

(mz)