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Modellprojekt im Seeland So wird Kröten, Fröschen und Molchen geholfen

Mitglieder eines Arbeitskreises erfassen Gewässer. Warum Amphibien kartiert werden und wofür diese Daten beim BUND genutzt werden.

22.04.2021, 06:00
Steve Hahnemann vom BUND zählt in den Froser Seeländereien Amphibien. In einem Pilotprojekt sollen Gewässer und Tiere erfasst werden.
Steve Hahnemann vom BUND zählt in den Froser Seeländereien Amphibien. In einem Pilotprojekt sollen Gewässer und Tiere erfasst werden. Foto: Regine Lotzmann

Frose - Steve Hahnemann stapft durch das noch feuchte Gras. Hin zu den Eimern, die entlang der Kreisstraße zwischen Frose und dem Abenteuerspielplatz im schwarzen Torfboden eingegraben sind.

Erst vor wenigen Tagen hatte der junge Mann, der ehrenamtlich für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) arbeitet und Mitglied des Arbeitskreises Feldherpetologie ist, in den Seeländereien bei Frose etwas entdeckt, das wohl das Herz jedes Naturschützers höher schlagen lassen würde. Der Eimer am Krötenzaun war voller Amphibien. Ein Potpourri an Erd-, Knoblauch- und Wechselkröten. Und jeder Menge Molche

Ein Eimer voller Erd-, Wechsel- und Knoblauchkröten mit zahlreichen Molchen am Krötenzaun.
Ein Eimer voller Erd-, Wechsel- und Knoblauchkröten mit zahlreichen Molchen am Krötenzaun.
Foto: Steve Hahnemann

Dass Hahnemann regelmäßig im Seeland unterwegs ist, hat einen triftigen Grund: „Frose ist ein Modellprojekt“, sagt der Naturschützer und berichtet davon, dass ganz Sachsen-Anhalt in Quadranten unterteilt ist, in denen die Amphibienvorkommen stichprobenartig kartiert und in eine Datenbank eingepflegt werden.

Das Feuchtbiotop im Seeland
Das Feuchtbiotop im Seeland
Foto: Regine Lotzmann

In Frose ist der Arbeitskreis seit diesem Jahr aber dabei, jeden Teich, jede noch so kleine Pfütze zu erfassen. „Auch temporäre Gewässer“, sagt der Ascherslebener. „Alles wird katalogisiert und soll dann über Jahre beobachtet werden.“

Welche Gewässer gibt es wie lange? Welche werden zum Laichen genutzt? Von welchen Arten? „Wir wollen gute, stabile Daten bekommen“, sagt Hahnemann, der deshalb regelmäßig im Seeland zum Amphibienzählen unterwegs ist.

In Frose gibt es zahlreiche Molche.
In Frose gibt es zahlreiche Molche.
Foto: Regine Lotzmann

„Das ist mehr als das, was nur in den Eimern sitzt. Ich schaue etwa, was nachts an den Zäunen entlangläuft“, erzählt er von den fest installierten Krötentunneln, die im Bereich des Feuchtbiotops unter der Straße entlang führen. Dort habe er vor kurzem über 200 Molche entdeckt. Allerdings nur Teichmolche. „Von den Kammmolchen war nur ein einziger dabei.“

An den Gewässern selbst geht es meist nur nach Sicht. Nein, er stehe nicht mit Wattstiefeln mitten im Teich, sagt Hahnemann lachend. „Die Erdkröten sitzen direkt am Rand. Bei den Wechselkröten wird es schon schwieriger. Da gehen wir nach dem Gehör.“ Wobei diese Methode etwas ungenau sei. „Die Weibchen rufen ja nicht“, sagt er. Allerdings merke man schon, ob es über die Jahre weniger Rufe werden. Und andere Arten werden einfach geschätzt.

„Die Populationen der Amphibien sind überall stark eingebrochen.“

Steve Hahnemann, BUND

Was das am Ende bringt? „Wir wollen schauen, wie der Trend sich über Jahre hinweg entwickelt“, erklärt der BUND-Mitarbeiter. Und meint: Das könne auch einen Nutzen für andere Gebiete haben. Denn nicht überall sehe es so gut aus, wie im Seeland.

„Man könnte dann überlegen, ob man in anderen Gegenden künstliche Wasserflächen anlegt - und wenn es nur für die Laichzeit ist. Oder wir graben vorhandene Teiche ein bisschen tiefer“, überlegt der Naturschützer. Auch für spätere Bauprojekte seien die Zählungen wichtig.

Denn die Daten aus ganz Sachsen-Anhalt zeigen schlechte Werte. Vor allem bei Moor-, Spring- oder Grasfrosch. „In der Ascherslebener Tonkuhle habe ich über 100 Erdkröten gesehen, aber kaum Laichschnüre.“ Oder in der Schloss Hoym Stiftung, auf deren Gelände es zwei Teiche gibt. „Hier war früher alles voller Grasfroschlaich. Letzte Woche habe ich grade mal zwei Pakete gesehen.“

Viele Kröten fühlen sich hier wohl.
Viele Kröten fühlen sich hier wohl.
Foto: Regine Lotzmann

Denn auch in diesem Jahr spielt das Wetter einfach nicht mit. Drei Jahre lang war es so trocken, dass die Laichgewässer und die Tiere selbst ausgetrocknet sind. Es an Futter, wie Regenwürmern und Nacktschnecken, fehlte. Nun ist ausreichend Feuchtigkeit vorhanden, aber die Nächte sind einfach zu kühl.

Immer wieder, wenn sich die Tiere zu paaren beginnen, werden sie unterbrochen. „Die Populationen sind überall stark eingebrochen.“ Solche Flachgewässer wie in Frose - ohne Fische und Libellenlarven - sind, auch wenn es sie nur für zwei bis drei Monate gibt, für den Nachwuchs deshalb enorm wichtig. (mz/gin)