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Kumpel von Ex-FreundMordfall Josefine H. aus Aschersleben: Anklage gegen möglichen Mittäter erhoben - Neuer Prozess?

Der Fall rund um den Mord an der damals 14-jährigen Josefine H. aus Aschersleben ist neu aufgerollt worden. Der Täter, ihr Ex-Freund Jonas K., wurde bereits 2022 zu neuneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ein möglicher Mitwisser rückte nun ins Visier der Ermittler.

Von Sebastian Rose Aktualisiert: 06.02.2024, 10:22
Absperrband der Polizei sperrt einen Teil eines Garagenkomplexes ab. Dort war die Leiche einer 14-Jähriger gefunden worden die seit Tagen als vermisst galt.
Absperrband der Polizei sperrt einen Teil eines Garagenkomplexes ab. Dort war die Leiche einer 14-Jähriger gefunden worden die seit Tagen als vermisst galt. (Archivfoto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild, Klaus-Dietmar Gabbert)

Aschersleben/DUR. - Im Mordfall Josefine H. aus Aschersleben gibt es neue Entwicklungen. Es wurde eine neue Anklage erhoben. 

Bereits im März 2023 prüfte die Staatsanwaltschaft neue Ansätze rund um die Tatumstände. Nun heißt es auf Nachfrage: "Die Ermittlungen sind abgeschlossen. Die Verfahrensakte wurde dem Landgericht Magdeburg vorgelegt", so der Magdeburger Oberstaatsanwalt Frank Baumgarten.

 
Archiv, 12.11.2021: Josefine H. ist tot – ihr Ex-Freund in Untersuchungshaft: Ascherleben am Tag danach. (Kamera: Thomas Schulz/Matthias Strauß, Schnitt: Samantha Günther)

Heißt: Im Anschluss an die Ermittlungen kann die Staatsanwaltschaft bei nicht hinreichendem Tatverdacht diese entweder einstellen - oder aber die Akten dem Landgericht zur Prüfung vorlegen. Christian Löffler, Pressesprecher des Landgerichts Magdeburg, teilte auf Nachfrage am Telefon mit, dass gegen eine weitere Person Anklage erhoben wurde und diese dem Gericht vorliegt.

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Ein Polizeisiegel an einem Garagentor: Knapp eine Woche nach ihrem Verschwinden ist eine 14-Jährige tot in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) gefunden worden. Der Täter wurde verurteilt - eine weitere Anklage wurde erhoben.
Ein Polizeisiegel an einem Garagentor: Knapp eine Woche nach ihrem Verschwinden ist eine 14-Jährige tot in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) gefunden worden. Der Täter wurde verurteilt - eine weitere Anklage wurde erhoben.
(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild, Matthias Bein)

Mittäter im Mordfall Josefine H. aus Aschersleben im Visier

Nach Informationen der Redaktion soll bei den erneuten Ermittlungen ein möglicher Mitwisser im Visier stehen. Denn bisher war die Rolle eines Freundes des Täters unklar. Dieser habe "Schmiere" während der Tat gestanden und soll das Handy der Getöteten entsorgt haben. Auch die mögliche Hilfe beim Beseitigen der Leiche steht nach Redaktions-Recherchen im Raum.

Ebenso unklar ist, ob die Staatsanwaltschaft nach den Ermittlungen in der Anklageschrift von einer Mittäterschaft, einem Helfen oder sogar von einer Anstiftung ausgeht. Die kann Auswirkungen auf das spätere Strafmaß bei einer Verurteilung haben. Denn beispielsweise die Anstiftung wiegt schwerer als die Hilfe bei einem Mord.

Erneute Anklage: Wie geht es jetzt weiter?

Nach der Zustellung der Anklage muss sich das Landgericht nun im sogenannten Zwischenverfahren mit dieser beschäftigen. Entweder kann diese nach der Prüfung abgelehnt, zugelassen oder mit kleinen Änderungen zugelassen werden. Bei positiven Prüfergebnis folgt dann das Hauptverfahren und Gerichtstermine werden festgelegt.

Das ist im Mordfall Josefine H. aus Aschersleben passiert

Dem 14-jährigen Ex-Freund aus Aschersleben wurde vorgeworfen, am 4. November 2021 seine damals ebenfalls 14 Jahre alte Ex-Freundin Josefine H. getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft ging in ihrer Anklageschrift im Jahr 2022 davon aus, dass die Tötung aus niedrigen Beweggründen grausam erfolgt sein soll, sodass Mordmerkmale erfüllt sein können.

Blick auf eine Garage, den wahrscheinlichen Tatort in Aschersleben.
Blick auf eine Garage, den wahrscheinlichen Tatort in Aschersleben.
(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild, Matthias Bein)

Ex-Freund Jonas K. ermordet Josefine H. in Aschersleben

Die tagelangen Hoffnungen der Angehörigen, die Schülerin doch noch lebend zu finden, zerplatzten am Mittwoch, 10. November 2021, als eine Person nahe des Garagenkomplexes in der Aschersleber Valentina-Tereschkowa-Straße die Leiche der 14-Jährigen entdeckte.

Der leblose Körper soll auf einer Wiese in der unmittelbaren Nähe eines Grabens nur wenige Meter von den Garagen entfernt gelegen haben.

Anschließend, so heißt es aus vertrauenswürdigen und informierten Kreisen, hatte die Polizei direkt mit der Befragung des 14-jährigen Ex-Freundes Jonas K. begonnen. Dieser habe im Verlauf der Befragung seine Eltern aus dem Verhörzimmer geschickt und die Tat spontan gestanden. Auch nach der Belehrung durch die Beamten habe er weitere erschreckende Details preisgegeben. Die vermeintliche Tatwaffe, ein Messer, wurde durch den Tipp des Ex-Freundes entdeckt.

Erschreckende Details im Mordfall Josefine H.

Es sollen eine Vielzahl an Messerstichen im Nacken, Brust- und Gesichtsbereich gefunden worden sein. Zwischenzeitlich sorgten Tiktok-Videos im Namen des Täters, der sich bereits in Untersuchungshaft in der Jugendanstalt Raßnitz befand, für Unruhe. Die Videos stellten sich jedoch als Fake heraus.

Der Angeklagte wurde im August 2022 wegen Mordes in dem nicht öffentlichen Prozess zu neuneinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Die Kammer blieb damit knapp unter der möglichen Höchststrafe.

Die Staatsanwaltschaft hatte in der Anklage niedere Beweggründe als Mordmerkmal genannt. Dies hat sich angesichts des Urteils offensichtlich im Rahmen der Hauptverhandlung auch so bestätigt. Die maximale Jugendstrafe ist mit bis zu zehn Jahren Haft vorgeschrieben. Ein erwachsener Straftäter hätte bei Mord mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen müssen.