Sanierung

Klein Schierstedter Gnadenkirche in einem neuen Licht

Nach Schäden durch eine Explosion im Jahr 1945 waren die Fenster lange ein Provisorium. Nun wurden sie erneuert.

Von Anja Riske
Vor der Sanierung
Vor der Sanierung Foto: S. Knoblauch

Klein Schierstedt/MZ - Es war ein echter Meilenstein, den die Kirchengemeinde in Klein Schierstedt am Wochenende feiern konnte. In einem Gottesdienst am Sonntagnachmittag, den der Klein Schierstedter Frauchenchor unter Leitung von Peter Blail musikalisch begleitete, segnete Pfarrerin Claudia Drese die neuen Fenster der Gnadenkirche.

Relikt aus Kriegstagen

Deren Vorgänger waren ein Relikt aus den späten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Im Jahr 1945, kurz vor Kriegsende, explodierte in der Nähe von Güsten ein Munitionszug. Die Folgen dieser Detonation waren auch in Klein Schierstedt spürbar: Zwar blieben die Fenster mit Glasmalerei unbeschadet, einige andere barsten jedoch. Sie wurden notdürftig repariert - bis sie im vergangenen Jahr ausgebaut und 2021 schließlich erneuert und in ihren Originalzustand versetzt wurden. Nicht einmal Rita Herrmann, mit 90 Jahren das älteste Gemeindemitglied, hatte die Kirche je mit ihren ursprünglichen Fenstern gesehen. Sie war erst im August 1945 in Klein Schierstedt angekommen. „Da war schon alles passiert“, sagt sie.

Im Rahmen der Sanierung haben die großen Fenster der Kirche nun neue Einfassungen aus Eichenholz erhalten, erklärt der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats Albrecht Knoblauch. Das Glas wurde nur teils erneuert - aus Gründen des Denkmalschutzes. Statt der schlichten Leiterfenster, die mitunter schon milchig trüb waren, lassen nun wieder klare Prismenfenster Tageslicht in den Innenraum der Kirche fallen. Darauf sei die Gemeinde sehr stolz, meint Knoblauch. Insgesamt 62.800 Euro haben die Umbaumaßnahmen gekostet. Der Großteil des Geldes kommt aus Fördermitteln des Amtes für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) in Halberstadt, der Rest aus Mitteln der Gemeinde sowie einer Spendensammlung.

Nach der Sanierung
Nach der Sanierung
Foto: Riske

Ein großes Dankeschön

„Die neuen Fenster sehen wunderschön aus“, stellt Albrecht Knoblauchs Frau Siglinde begeistert fest. Das ist auch dem Schackstedter Architekten Frank Rieland zu verdanken sowie Renate Lisock. Sie bekleidete 26 Jahre lang das Amt der Pfarrerin. Der Gottesdienst am Sonntag, an dem sie aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich teilnehmen konnte, diente auch ihrer Verabschiedung. Mit einem kleinen Rollenspiel bedankten sich stellvertretend für die Gemeinde Gudrun Steinbach und Angelika Schwartz bei der Pfarrerin, deren „beschwingte, fröhliche und lockere Art“ allen gefallen habe.

Auch Claudia Drese, seit 1. April Lisocks Nachfolgerin, fühlt sich wohl in Klein Schierstedt: „Ich bin sehr glücklich und wurde herzlich aufgenommen“, erzählt sie. Wie zur Bestätigung stimmte im Anschluss an den Gottesdienst - draußen bei Kaffee und Kuchen - der Frauenchor ein nachträgliches Geburtstagsständchen für die neue Pfarrerin an.