Gartenkunst

Gartenkunst in Aschersleben: Friedhof Schmidtmannstraße wird umgestaltet

Aschersleben - 150 Jahre alter Friedhof in Aschersleben wird immer mehr zur Parkanlage.

Von Uwe Kraus 25.09.2016, 17:13

Sekt und Saft, Bodendecker und Kuchen - die Geburtstagsfeier auf dem Friedhof Schmidtmannstraße verbindet Gedenken und Ruhe mit moderner Garten- und Landschaftsgestaltung.

„Wir wollen, dass der Friedhof zunehmend als Parkanlage wahrgenommen wird. Schließlich ist es die größte Grünanlage der Stadt“, erläutert André Könnecke, Leiter des Bauwirtschaftshofes Aschersleben.

Die Farben Grau, so die Haare des Großteils der Gäste, und Schwarz für die Würde der Bestatter herrschen vor, als nach vier Monaten Bauzeit auf dem Friedhof am Sonnabend ein „Erinnerungsgarten“ öffnet.

Ascherslebener Stadträte wie Gartengestalter sind bei der Übergabe dabei, selbst Könneckes Friedhofskollegen aus Halle nutzen einen Betriebsausflug, um sich den modern und zeitgemäß gestalteten Friedhof Schmidtmannstraße anzuschauen.

Das Wort innovativ verbinde man gemeinhin nicht mit solchen Orten der Ruhe, Andacht und Besinnung. Doch seit die am 5. Januar 1866 als Nr. 1 in das Begräbnisregister des neuen Friedhofes eingetragene Marie Kobert hier ihre letzte Ruhe fand, erlebte der Gottesacker einen umfangreichen Wandel.

Darüber berichtet eine sorgfältig recherchierte Jubiläumsschrift von Frank Reisberg und Jörg Puhl (Geschichtswerkstatt Aschersleben), die zum 150. Friedhofsgeburtstag erschien.

3.000 Quadratmeter Friedhofsfläche wird umgestaltet

Kern der aktuellen Neu- und Umgestaltung des Friedhofes bildet der Erinnerungsgarten, ein 3.000 Quadratmetern großes Feld, das eine neue Bestattungs-Ära einläutet.

Er ermöglicht sieben verschiedenen Bestattungsarten, mit denen wie mit der Mensch-Haustier-Beisetzung teilweise Neuland betreten wird. Bereits 2014 entstand die Idee der Nutzung von Frei- und Überhangsflächen für Urnengemeinschaftsgräber, -wahlgrabstätten und -paargrabstätten, aber auch von Baumbestattungs- und -horoskopgräber, die die Grabstelle für Sternenkinder mit einbeziehen, erinnert sich André Könnecke.

Dazu fand die Berliner Landschaftsarchitektin Katharina Baumgart interessante Lösungen. Sie hatte schon früher in Aschersleben ihre Spuren hinterlassen.

Schließlich verfügt sie über Gestaltungserfahrungen auf den Flächen der Landesgartenschau 2010. Das empfahl sie auch für das Friedhofsprojekt in der Schmidtmannstraße.

Dort zieht sich nun ein „Fluss des Lebens“ von einem Sprudelstein entlang von Pergolen durch den Erinnerungsgarten und endet an Ruheorten, die zum Verweilen einladen. Katharina Baumgart erläutert bei den Rundgängen über das Areal den zahlreichen Gästen ihre Intensionen beim Entwurf dieser ganz speziellen Bestattungsstätte.

Deren optischer Fokus liegt auf dem Keltischen Baumhoroskop. Es besteht aus Ulme, Pappel, Zürgelbaum, Linde, Eiche, Baumhassel, aus Elsbeere, Ahorn, Kastanie und Hainbuche sowie aus Birke und Buche - ringförmig angeordnet und nach gärtnerischen Aspekten ausgewählt.

Sie symbolisieren als spiegel des Ichs verschiedene Charakterzüge, so dass die Grabstelle danach ausgewählt werden könne. Feingefühl und Eigenwilligkeit, Redlichkeit, die Außergewöhnlichkeit, das Schöpferische und Zweifelnde findet hier eine botanische Entsprechung.

In jedem dieser Baumsegmente steht eine Stele, auf der mit Bronzetafeln der Name des Verstorbenen vermerkt wird. In dieser pflegefreien Urnengemeinschaftsanlage nutzen die Bestattungsunternehmen Öko-Urnen.

Großen Dank für das Gelingen der Umgestaltung der Gräberfelder spendet der Leiter des Bauwirtschaftshofes nicht nur den Gestaltern von verschiedenen Firmen und den Werkstätten für Denkmalpflege Quedlinburg, sondern auch seinen Mitarbeitern.

Sie führten alle Pflanzarbeiten selbst durch. Trotz der extremen Witterung seien fast alle Pflanzen gut angewachsen und grüne der Rasen. So versorgten seine Mitstreiter die frischen Pflanzungen auch an den wochenenden mit Wasser.

Tag des Friedhofes

Die Bedeutung des Friedhofs als Ruhestätte, Ort der Trauerbewältigung, Erholungs- und Lebensraum soll den Menschen wieder näher gebracht, der Umgang mit den Themen Tod und Trauer enttabuisiert werden.

Der Friedhof ist Ort für unsere Verstorbenen, der Trauer, der Ruhe, der Erinnerung aber auch Treffpunkt, grüne Oase, Ort der Kunst und Kultur, aber auch ein Stück Lokalgeschichte.

Gerade für Kinder ist es spannend, sich bei altersgerechten Aktionen am Tag des Friedhofs mit dem Tod als Bestandteil des Lebens auseinanderzusetzen.

Seit 2001 finden im SeptemberVeranstaltungen zum bundesweiten Tag des Friedhofs statt. 2016 lautet das Motto „Raum für Erinnerung“. (mz)

(mz)