Dreckecke an der Froser Straße

Die Dschungelmüllhalde wächst

Unhaltbarer Zustand am ehemaligen Schulgebäude am Rand der Stadt. Auch unter der Autobahnbrücke der A 36 wurde illegal Sperrmüll entsorgt

Von Rolf Strehler
An der Froser Straße ist eine Dreckecke entstanden. (Foto: Frank Gehrmann)

Aschersleben - Das Ascherslebener Stadtbild ist in den vergangenen Jahren sichtbar aufgewertet worden und gewinnt weiter an Attraktivität. Dieser Prozess vollzieht sich dynamisch weiter, wie man gegenwärtig an den zahlreichen Baustellen sehen kann. Sogar das ehemalige Wohnhaus des städtischen Henkers wird grundlegend neu errichtet, obwohl dessen Planstelle seit ewiger Zeit nicht mehr existiert. Jedoch hat nicht jede Liegenschaft das Glück, sich im historischen Stadtzentrum, also im Fokus der Verantwortlichen, zu befinden. So ist es wohl zu erklären, dass man eher am Stadtrand Grundstücke trifft, die sich in einem beklagenswerten Zustand befinden.

Verantwortliche zum Handeln bewegen

Über eine solche, so genannte „Dreckecke“, am Ende der Froser Straße, berichtet dieser Beitrag. In den vergangenen Monaten hatten sich wiederholt Bürger mit der Bitte an die MZ gewandt, über einen unhaltbaren Zustand am Rand der Stadt Aschersleben zu berichten und somit die Verantwortlichen zum Handeln zu bewegen. Es geht um das Grundstück der ehemaligen Grundschule „Froser Straße“, das sich seit Jahren in einem verwahrlosten Zustand befindet. Ein Anwohner der August-Bebel-Straße teilte uns mit, die Stadt habe ihm auf seine Anfrage mitgeteilt, nicht zuständig für das Gelände zu sein, da sich die Liegenschaft in Trägerschaft des Salzlandkreises befindet.

Unmut der Bewohner

Er beschrieb uns auch den wachsenden Unmut der Bewohner der angrenzenden Wohnhäuser und forderte, dass von den zuständigen Verantwortlichen derartige Problemfälle nicht einfach ignoriert werden. Wenn die Stadt schon nicht direkt zuständig ist, könne man doch erwarten, dass Kommunalverwaltung und der Landkreis sich gegenseitig über solche Probleme informieren und zusammenarbeiten!“.

Die MZ ist diesen Hinweisen gefolgt und hat sich auf den Weg zur beschriebenen Wildnis gemacht. Wer in Aschersleben, aus Richtung Hoymer Chaussee kommend über den Hangelsberg stadteinwärts läuft, stößt an der Einmündung zur Froser Straße, urplötzlich auf eine fast undurchdringliche Wildnis. Hier, wo bis vor einigen Jahren ein Schulgebäude stand, wähnt man sich plötzlich außerhalb jeglicher, organisierter Zivilisation. Ein gepflasterter Weg, der hinter dem Standort des ehemaligen Schulgebäudes in einen offenbar häufig benutzten Trampelpfad übergeht, empfängt den neugierigen Spaziergänger. Wer will, kann so den ehemaligen Fest- und Rummelplatz erreichen.

Unkontrollierter Wildwuchs

Hohes Dornengestrüpp, unkontrollierter Wildwuchs und alle denkbaren Unkrautpflanzen haben von dem aufgegebenen Grundstück Besitz ergriffen. Von dem mannshohen Maschendrahtzaun, welcher ehemals als Umfriedung gedient hatte, sind nur noch Reste vorhanden, die der Erosion ausgesetzt sind. Auch das angrenzende Gelände ist von ungehemmter Überwucherung betroffen. Links hinter dem undurchdringlichen Gestrüpp sind teilweise noch die ehemalige Berufsschule und die aufgegebenen Sportanlagen zu erkennen. Rechtsseitig ist der Blick auf den nahe gelegenen Garagenkomplex völlig zugewachsen.

Beim Durchqueren der dschungelartigen Wildnis kann man sich kaum vorstellen, dass man sich noch innerhalb der Grenzen der Stadt Aschersleben befindet. Man trifft jedoch auf Spuren der „Zivilisation“. Unzählige kleine, zumeist schwarze, Plastikbeutel liegen im Gestrüpp oder hängen in luftiger Höhe an Ästen. Als Insider weiß man, dass es sich hier um entsorgten Hundekot handelt. Es ist zu einer unverständlichen Unsitte geworden, dass einige Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Tiere zwar in Beuteln mitnehmen, diese jedoch dann, wenn sie sich unbeobachtet fühlen, achtlos wegwerfen.

Beseitigen Straftäter hier Spuren ?

Mittlerweile ist das verwahrloste Gelände auch zur willkommenen Müllkippe für Abfälle jeglicher Art geworden. Eine aufgehebelte alte Stahlblechkassette und mehrere weggeworfene Taschen lassen vermuten, dass auch Straftäter das Dickicht zur Spurenbeseitigung nutzen. Entsorgte Lebensmittelabfälle dürften zweifellos eine große Anziehungskraft auf streunende Haustiere, Wildtiere und Ungeziefer haben, für die das dichte Unterholz auch gleich als sicherer Unterschlupf willkommen ist.

Wie wir in Erfahrung bringen konnten, sollen sich auch Wildschweine regelmäßig dem Unterholz am angrenzenden, ehemaligen Festplatz nähern. Aus eigenen Beobachtungen kann mit Sicherheit gesagt werden, dass die Verwilderung des ehemaligen Schulgeländes seit Jahren fortschreitet und sich niemand darum zu kümmern scheint. Für die Anwohner der benachbarten Wohngrundstücke dürfte der Blick auf die „Dschungelmüllhalde“ eine Zumutung sein. Wir können den Bürgern, die von einer unzumutbaren Dreckecke sprechen, vorbehaltlos zustimmen.

Zuständige Behörde muss einschreiten

Ein außenstehender Betrachter kann durchaus andere Vorstellungen von der Gestaltung und Pflege eines Privatgrundstückes haben, als dessen Eigentümer. Wenn sich aber Flurstücke in öffentlicher Hand befinden und zunehmend dem Wildwuchs und Verfall ausgesetzt sind, ist es eben keine Privatsache mehr. Im Amtsdeutsch bezeichnet man als „verwahrloste Grundstücke“, wenn dort insbesondere störender Wildwuchs, illegale Abfallablagerungen mangelnde Grundstückssicherung oder Vandalismus vorherrschen. Vereinfacht ausgedrückt, werden sie zunehmend zu einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung und gebieten deshalb das Einschreiten der zuständigen Behörden.

Eigentümer in der Pflicht

Treffend vom Volksmund als „Dreckecken“, bezeichnet, zeugen sie gewissermaßen von fehlendem Gemeinsinn und Desinteresse. Solche vernachlässigten Geländeabschnitte ziehen weiteren Müll geradezu magisch an. Wir meinen, es ist an der Zeit, dass der Grundstückseigentümer seinen Pflichten gerecht wird und geeignete Maßnahmen zur Abwehr bzw. Beseitigung der Gefahren und Belästigungen veranlasst.

Unmittelbar nach den Fotoaufnahmen zu diesem Beitrag sind wir einem weiteren Hinweis nachgegangen. Unbekannte Verursacher haben am Ende der Froser Straße, unter der Autobahnbrücke der A 36, illegal ihren persönlichen Sperrmüll entsorgt. Links und rechts des betonierten Landwirtschaftsweges fanden wir unübersehbare Abfallhaufen.

Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Hinterlassenschaften mit einem Kraftfahrzeug transportiert und unter der Autobahnbrücke rücksichts- und verantwortungslos abgekippt worden sind. Aus welchem Grund einzelne Bürger immer wieder Abfälle jeglicher Art in der Natur entsorgen, bleibt ein Rätsel, zumal der Weg zum Wertstoffhof für jedermann offensteht und die Gebühren moderat sind. So bleibt zu erwarten, dass diesem Beitrag Berichte über weitere „Dreckecken“ folgen werden. (mz)