Bauwirtschaftshof Aschersleben

Bauwirtschaftshof Aschersleben: Heckner-Bau kann besichtigt werden

Aschersleben - Der Städtische Eigenbetrieb blickt am 1. September nicht nur auf sein 20-jähriges Bestehen zurück, sondern auch auf den 100 Jahre alten Standort.

Von Detlef Anders 31.08.2018, 11:56

Hans Heckner (1878 bis 1949) zählt zu den bekanntesten Architekten der Region.

In Aschersleben sind es unter anderem die Fabrikgebäude der Firma Bestehorn in der Wilhelmstraße, das städtische Krankenhaus, die Wohn- und Geschäftshäuser in der Hecknerstraße, die Ex-Maschinenzentrale der Kaliwerke, das Elka-Kaufhaus, die Rathauserweiterung oder der Saal des Bestehornhauses, die Heckner berühmt machten.

Auch die Gebäude des heutigen Bauwirtschaftshofes Heinrichstraße plante Heckner.

Führung und Technik-Schau

Am Sonnabend, 1. September, sind die Gebäude des Bauwirtschaftshofes anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Eigenbetriebs der Stadt zu besichtigen.

Um 16 Uhr gibt es eine Führung durch den Standort, kündigt Eigenbetriebsleiter André Könnecke an. Bereits ab 15 Uhr wird die Technik präsentiert.

Außerdem stellt der Betrieb einen neuen Flyer vor, in dem der historische Standort in der Heinrichstraße vorgestellt wird.

Viele historische Fotos sind zu sehen

Könnecke und seine Mitstreiter wollten die vorhandenen historischen Fotos der Gebäude mit einer Beschreibung der Entwicklung des Betriebsgeländes verknüpfen.

Es ist ein Flyer geworden, der nicht nur die Architektur-Fans von Heckner interessieren dürfte, sondern die Ascherslebener selbst. Der Autor der Texte, Uwe Hennig, brachte alle Entwicklungsschritte in den Text.

Gründung Mitte der 1920er Jahre

Mitte der 1920er Jahre wurden die Produktionsstätten für den 1898 von Robert Thieme gegründeten Kupferschmiedebetrieb zu klein, schreibt er.

„1926 war der Bau einer geräumigen Montagehalle zur Notwendigkeit geworden, und ab 1938 wurden die Betriebserweiterungen für die gewachsene Produktion der Firma Thieme Heizungen und Rohrleitungen in der Heinrichstraße unumgänglich.“

Es entstanden bis 1941 auch eine neue größere Montagehalle und ein neues Verwaltungsgebäude. An den Plänen der Erweiterungsbauten im Bauhausstil 1926 und 1938 war auch Heckner maßgeblich beteiligt.

Bei Bombenangriffen am 11. April 1945 gab es an der Halle II und dem Lager in der Heinrichstraße starke Schäden, zum Glück aber keine Tote und Verletzte.

Demontage für Reparation

Es wird auf die teilweise erfolgte Demontage nach Kriegsende verwiesen. Reparationsaufträge seien in die UdSSR erfolgt, 1948 folgte die Enteignung und Umwandlung in einen „volkseigenen Betrieb“ (VEB).

Ältere Ascherslebener erinnern sich noch an die Zeit, als ab 1951 die Firmengebäude in der Heinrichstraße zum VEB Heizungs- und Rohrleitungsbau Aschersleben im VVB Energie- und Kraftmaschinenbau Halle (EKM) gehörten.

Ab 1958 wurde der Betrieb dem neuen VEB Wasseraufbereitungsanlagen Markkleeberg als Werk II zugeordnet. 1966 als VEB Rohrleitungsbau zur VVB Rohrleitungen und Isolierungen.

„Mit den Werken I in der Heinrichstraße 63 – 71 und dem Werk II in der Güstener Straße (ab 1951) war er einer der größten Betriebe der Stadt“, schätzt der Autor des Flyers ein.

Nach der Wende in der DDR 1989/90 wurden die Gebäude in der Heinrichstraße zunächst weiter von der neuen Rohrleitungsbau GmbH Aschersleben genutzt.

DDR-Betrieb Ende 1990 aufgelöst

Dann spannt Uwe Hennig den Bogen zur Stadtwirtschaft. Der Betrieb „Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen“ wurde Ende 1990 aufgelöst und in zwei Betriebe mit unterschiedlichen Aufgaben aufgespalten.

Für die Friedhofspflege, die Gärtnerei und die Pflege der Grünanlagen, die Straßenunterhaltung, Straßenreinigung sowie diverse Handwerker wie Maurer, Tischler und Elektriker sei nun der Kommunalbetrieb Bauwirtschaftshof/Baubetriebsamt verantwortlich geworden, der der Stadtverwaltung angegliedert wurde, heißt es weiter.

1998 in Eigenbetrieb umgewandelt

Der Bereich Grünanlagen/Friedhof habe seinen Sitz damals in der Baracke der alten Stadtgärtnerei am Friedhof, die 2003 abgerissen wurde, gehabt.

Sie wurde als Außenstelle des BWH/BBA am Seegraben, früher Heizwerk/Zuckerfabrik, jetzt E-Center geführt. Bis 1992 wurde der Sitz des BWH/BBA in die Heinrichstraße 71 verlegt. Der Stadtrat beschloss dann die Umwandlung des Baubetriebsamtes in den Eigenbetrieb Bauwirtschaftshof zum 1. Januar 1998.

Vorteile der Abkopplung von der Verwaltung

„Durch die Abkopplung von der direkten Verwaltung sollten eine größere Flexibilität durch größere Selbstständigkeit und eigene Organisation, Wirtschaftsführung und Rechnungslegung erreicht werden“, heißt es zu den Hintergründen.

Ein Betriebsausschuss, bestehend aus dem Oberbürgermeister, Stadträten und Mitarbeitern des Unternehmens, wurde gegründet. Im weiteren Text wird die folgende Entwicklungszeit beschrieben.

Eine Zeit, in der der Eigenbetrieb bis 2006 für das Freibad Unter der Alten Burg verantwortlich war und es 2004 in eine „Naturnahe Badelandschaft“ umwandelte.

Mehr Aufgaben nach der Eingemeindung

Erinnert wird an die Übernahme weiterer Aufgaben durch die Eingemeindung von elf umliegenden Ortschaften und die erste Beteiligung des städtischen Friedhofs am bundesweiten „Friedhofstag“, an dem sich Friedhöfe als Orte des Gedenkens, der Erinnerung oder Ort zur Entspannung präsentieren können.

Die umfassende Sanierung in der Heinrichstraße 2012 wird gewürdigt.

Auch der erste Preis des Image-Awards der Fachzeitschrift KommunalTechnik für den Erinnerungspfad mit QR-Code auf dem Friedhof Schmidtmannstraße oder der dritte Platz bei den KT-Image-Awards 2017 in der Kategorie „Beste Einzelaktion“ mit dem Friedhofskonzept „Erinnerungsgarten“ sowie der Naturparkpreis des Regionalverbandes Harz im Wettbewerb zum Thema „Lebensraum Friedhof“ wird als Erfolg angeführt.

Drei Amtsvorgänger kommen zum Jubiläum

André Könnecke freut sich, dass er zur Eröffnung der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Jubiläum auch seine drei Vorgänger begrüßen kann. Manfred Schön, Klaus-Dieter Brandt und Enrico Jorde hatten den Eigenbetrieb zwischen 1998 und 2009 geleitet. (mz)