Aschersleben

Aschersleben: Ein Jäger auf der Suche nach geprägten Blechen

ASCHERSLEBEN/MZ. - In Gedanken sortiert er sein Archiv und sekundenschnell weiß er, dass das Objekt der Begierde nicht unter den rund 16 000 Stücken ist, welche sich im Verlaufe der Jahre "angesammelt" haben.

Von MARION POCKLITZ 08.04.2011, 16:41

In Gedanken sortiert er sein Archiv und sekundenschnell weiß er, dass das Objekt der Begierde nicht unter den rund 16 000 Stücken ist, welche sich im Verlaufe der Jahre "angesammelt" haben.

Seit seinem fünften Lebensjahr faszinieren den 23-jährigen Studenten geprägte Bleche - Autokennzeichen, die es heute zum Teil so nicht mehr gibt. Die meisten sind einzigartig und haben ihre eigene Historie. So wie die beiden Autokennzeichenschilder "INY 1-94" und "BPS 9 - 79", die er als erste seiner Sammlung von seinem Großvater geschenkt bekam. Mit diese Gabe wurde eine Sammelleidenschaft ausgelöst, die bis heute noch anhält. Christian Hansows Sammelleidenschaft umfasst heute Car-Blechschilder aus allen Teilen dieser Welt.

"Die Schilder von meinem Großvater gehörten an einen Trabi. Damit hat es angefangen. Sie bekamen in meinem Zimmer einen Platz über dem Schreibtisch, so konnte ich sie immer sehen. Mein Interesse war sofort geweckt und ab diesem Tag habe ich oft am Fenster gesessen und Schilder von vorbeifahrenden Autos abgeschrieben", verrät der künftige Kommissar. Eine Tätigkeit, die ihm schon vor Schulbeginn lesen und schreiben einbrachte. Natürlich habe er auch seine beiden Schilder stolz in der Verwandtschaft herumgezeigt, mit dem Ergebnis, dass die anderen Großeltern ebenfalls mit ein paar Schildern zu ihm kamen.

"Doch so richtig packte es mich 2003. Zur kalten Jahreszeit habe ich da im Internet gestöbert und einfach mal den Begriff ,Kennzeichenschilder' eingegeben und eine Menge gefunden", erzählt er weiter. Unter anderem auch die E-Mail-Adresse von einem Kennzeichensammler. Dieser habe ihm dann empfohlen, dem Autokennzeichensammlerclub beizutreten. "Eine gute Empfehlung. Dort gibt es etwa 200 Sammler aus Deutschland, von denen sich etwa 60 drei Mal im Jahr treffen", erklärt er. Bei diesem Treffen gebe es immer neue Kontakte. Auch über die Mitgliederzeitung. So war die Sammel-Bilanz nach dem ersten Jahr bereits 1 200 Schilder. Dann habe er auch angefangen Zulassungsstellen zu kontaktieren. Das Ergebnis: Es kam Post vom Bayrischen Landtag mit Kennzeichen und aus Schwerin das Autokennzeichen vom Minister von Mecklenburg-Vorpommern. "Ein Höhepunkt für mich und natürlich Motivation, damit weiterzumachen", gibt er gern zu. So bekam er von der Autobahnpolizei das einmillionste Porsche-Autokennzeichenschild. "Der Porsche ist jetzt im Museum, das Schild bei mir", zuckt er mit den Schultern. Die Staatskanzlei Düsseldorf schickte ihm im Päckchen das Kennzeichen des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau und vom Kraftfahrzeugbundesamt in Flensburg gab es das "FL - 1". "Ich habe von den offiziellen Behörden sehr gute Reaktionen verspürt. Nur das Kanzleramt ist sehr unkooperativ. Natürlich fehlt mir das Kennzeichen der Kanzlerin", gibt er zu.

Natürlich gibt es auch Kennzeichen aus anderen Ländern in seiner Sammlung. Wie zum Beispiel der USA, Japan, Russland, Jordanien, Ukraine... "Nur aus dem Vatikan habe ich keins." Aber dieses Autokennzeichenschild gilt als blaue Mauritius unter den Sammlern, denn der Vatikan rücke keins heraus.

Jedes Mal, wenn er in den Urlaub fahre und eine offene Garagentür entdeckt, dann bekommt er förmlich einen "Scannerblick". "Ich entdecke die Schilder meistens. Und dann frage ich auch nach, ob ich sie bekommen kann. Manche hängen an ihren alten Kennzeichen, denn sie erzählen Geschichten von ihren ehemaligen Autos. Doch oft bekomme ich sie auch", erzählt Christian Hansow. Und dabei sind ihm die liebsten Kennzeichen solche von Landkreisen, die durch die Gebietsreformen "verschwunden" sind.

Seine vielen Schilder verschwinden übrigens nicht in einer Kiste oder gar in einem Karton auf Nimmerwiedersehen. Seit 2005 stehe er im Kontakt mit dem technischen Museum in Schwerin - seiner Heimatstadt. Dort waren bis vor kurzem viele Exemplare ausgestellt. Im kommenden Jahr wird es eine neue Ausstellung im Museum in Wismar geben. Dazu habe er auch die Geschichte der Kennzeichen recherchiert. "Auf diese Ausstellung freue ich mich schon", gibt Christian Hansow gern zu. Denn das ist doch für den Jagdtrieb ein guter Grund. Oder?