Drei überraschende Tipps

Wie Kinder richtig Lernen lernen

Ihr Kind paukt und paukt vor sich hin? Und doch bleibt nicht viel hängen? Das könnte am falschen Lernen liegen - denn auch das will gelernt sein. Eine Expertin verrät, wie Pauken effektiver geht.

Von Gespräch: Claudia Wittke-Gaida, dpa
Auch ein aufgeräumter Arbeitsplatz mit guter Lichtquelle ist eine Voraussetzung für richtiges Lernen. Denn wer seine Arbeitsmaterialien nicht mittendrin zusammensuchen muss, kann ohne Unterbrechung konzentriert lernen.
Auch ein aufgeräumter Arbeitsplatz mit guter Lichtquelle ist eine Voraussetzung für richtiges Lernen. Denn wer seine Arbeitsmaterialien nicht mittendrin zusammensuchen muss, kann ohne Unterbrechung konzentriert lernen. Ulrich Perrey/dpa/dpa-tmn

Berlin - Gerade am Anfang eines Schuljahres müssen Schülerinnen und Schüler erst wieder in den Flow kommen, denn mit jeder Unterrichtsstunde prasseln mehr Lernstoff und mehr Hausaufgaben auf sie ein. Doch wie bleibt Gelerntes auch lange haften und ist nicht gleich wieder aus dem Kopf verschwunden?

Der richtige Zeitpunkt zum Lernen

Das fängt schon mit dem richtigen Zeitpunkt zum Lernen an. Meist heißt es daheim: Bevor du mit dem Computerspielen loslegst, machst du aber erst die Hausaufgaben! „Genau andersherum wäre es richtig“, sagt die Berliner Gymnasiallehrerin Rosa Schritt, die Schülerinnen und Schülern auch in Hausaufgabenchats weiterhilft. Sie plädiert dafür, die Spielzeit altersgerecht zu begrenzen. Darf jedoch gespielt werden, empfiehlt sie, mit dem Computerspielen zu beginnen, sich im Anschluss mit Bewegung richtig auszupowern und dann zu lernen.

„Denn durch das Computerspielen wird Cortisol ausgeschüttet, was für Stress sorgt. Dadurch wird Gelerntes überschrieben und bleibt nicht hängen“, erklärt Schritt. Erst durch kräftiges Bewegen könne dieser Stress im Körper abgebaut werden. Wenn man danach lernt, könne sich das Wissen im Schlaf festigen.

Verstehen statt auswendig lernen

Wer sich Wissen passiv aneignet, indem er sich Lernstoff immer wieder durchliest, tausend Mal anhört oder ansieht, wird ihn irgendwann auswendig können. „Aber vermutlich nicht lange behalten oder auf komplexe Fragestellungen anwenden können“, prophezeit die Pädagogin.

Sie rät, den Stoff aktiv zu erlernen. Und wie? „Indem man Übersichten anfertigt, wichtige Informationen in Texten markiert und am Rand Notizen macht, Zusammenfassungen schreibt. Sehr effektiv ist es auch, sich selbst Fragen zum Stoff auszudenken und sie dann auch zu beantworten“, zählt Rosa Schritt auf.

Aktiv Vokabeln lernen könne man, indem man Gegenteilpaare bildet, Bilder zeichnet und mit den zu lernenden Wörtern beschriftet oder überall in der Wohnung Vokabelzettelchen befestigt. So wird die Vokabel mental etwa mit dem Schrank, der Tür oder der Waschmaschine verknüpft.

Gemeinsam Lernen im Chat

Wer sich zusammenschaltet und gemeinsam mit Schulfreundinnen oder Schulfreunden lernt, kann sich Lerninhalte gegenseitig erklären. „Dabei merke ich schnell, ob ich es selbst erklären kann. Und wenn ich es erkläre, ob mich die anderen verstanden haben. So können Fehler schnell aufgeklärt werden“, erläutert Rosa Schritt die Vorteile. Wer Lerngegenstände mit eigenen Worten ausdrücken kann, könne sie auch besser verstehen. Das stärke das Selbstvertrauen.

Rosa Schritt ist Lehrerin am Berliner Immanuel-Kant-Gymnasium. Außerdem ist sie für die Lernplattform sofatutor tätig, für die sie Fachtexte erstellt und in Hausaufgabenchats weiterhilft.