Amazon Echo

Amazon Echo: Digitale Assistent Alexa als Spion

Amazon Echo: Wurde der Digitale Assistent Alexa in den USA eingesetzt, um einen Mordfall zu lösen

15.01.2017, 18:00

Ein Mord. Ein Verdächtiger. Und ein unauffälliger Zeuge, groß wie eine Keksdose, still und bescheiden in der Ecke versteckt, von einem aufmerksamen Polizisten aber ausgemacht und ins Visier genommen.

Binnen weniger Tage ging die Geschichte des Roboterzeugen von Bentonville um die Welt. Es ist ja auch sensationell: Erstmals wollen Mordermittler einen Amazon-Echo quasi in den Zeugenstand rufen, um einen Mörder zu überführen.

Das Problem ist nur, dass sie nicht stimmt.

Hat Amazon Echo einen Mord beobachtet?

Richtig ist zwar, dass ein Gericht im US-Bundesstaat Arkansas Amazon im Dezember dazu aufforderte, den Behörden Zugang zu Daten zu geben, die ein Echo aufgezeichnet haben könnte.

Konkret forderten die Ermittler Einblick in das Amazon-Konto eines James Andrew B., der dringend verdächtigt wird, seinen Arbeitskollegen Victor C. während eines Besuches in seinem Haus getötet zu haben.

Nach Angaben der Internetseite The Information glauben die Behörden, dass Amazon in einer Zeitspanne von zwei Tagen um den mutmaßlichen Tat-Termin im November des letzten Jahres auch Tonaufzeichnungen gespeichert haben könnte, die dazu beitragen, den Mord an einem Mann aufzuklären, der erdrosselt in einem Whirlpool aufgefunden wurde.

Zwar reagiere der Amazon Echo nur auf sprachgesteuerte Befehle, doch vielleicht hätten auch Umgebungsgeräusche die Aufnahmefunktion aktivieren können, so dass der komplette Tatablauf archiviert worden wäre.

Amazon verweigert Herausgabe

Amazon hat die Herausgabe verweigert - mit dem Hinweis darauf, dass solche Aufnahmen nicht existierten. Denn, so der Internetgigant, der Echo sei zwar stets in Zuhörbereitschaft, um sein Aktivierungskennwort „Alexa“ jederzeit zu erkennen. Das erfolge aber in einer engen Schleife von 60 Sekunden, die jeweils mit den folgenden 60 Sekunden überschrieben werden, bis das Stichwort „Alexa“ fällt.

Gespeichert wird lokal, also im Echo, nicht auf den Servern der Firma. Erst nach dem Aktivierungswort hinterlegt Amazon Fragen und Antworten ähnlich wie ein Internetbrowser im Konto des Nutzers.

Als Zeuge kommt James Andrew B.s Echo daher kaum infrage. Selbst wenn Amazon mehr als die reinen Nutzerdaten herausgeben wollte, könnte das Unternehmen keine Audio-Aufzeichnungen liefern, die es nicht gibt.

Gäbe es sie aber doch, würde die Zukunft der intelligenten Home-Assistenten enden, ehe sie begonnen hat: Einen ständig lauschenden Spion würde sich kaum jemand in die Wohnung stellen.