Arabische Halbinsel Baden in verborgenen Naturpools: Wadi-Hopping im Oman
Barfuß über Felsen, Kaffee am Fluss und smaragdgrüne Pools: Warum Wadi-Hopping im Oman mehr bietet als bloßes Planschen – und was Reisende über Dresscode und Kultur wissen sollten.

Maskat - Das Felsloch am Ende des letzten Naturpools ist kaum erkennbar. „Einfach reinschwimmen“, sagt Guide Mohammed Khalfan Al Riyami. Der Körper passt knapp durch die Enge. Die schmale Passage endet nach wenigen Metern. Nun öffnet sich eine Grotte, in die ein kleiner Wasserfall kracht.
Stehen kann man nirgendwo. Die Finger krallen sich ins Gestein. Sonnenlicht zwängt sich durch Spalten. Der Boden strahlt türkisfarben. Zauberstimmung. Eine versteckte Kapsel im Innern der Erde. Kaum zu glauben, dass man sich im Wüstenstaat Oman befindet.
Wadi Shab: Familienbad im Canyon
Höhle und Kaskade gehören zum Wadi Shab, einem leicht zugänglichen Trockental. Der Einstieg liegt eineinhalb Fahrstunden südöstlich der Hauptstadt Maskat hinter der Küste. Auf eine kurze Bootsfahrt folgt der Fußweg durch den Canyon, gesäumt von Überhängen und senkrechten Felswänden. Verlaufen kann man sich nicht.
Nach einer Stunde ist das erste Becken erreicht, das größte und schönste des Wadis. Ganze Familien schwimmen und planschen. Die Steine im Wasser sind höllisch glatt. Ein Bad ist für Fremde kein Freibrief, in dem islamischen Land zu viel nackte Haut zu zeigen. Der Respekt verlangt nach einem Dresscode. Bikinis und Badehosen sind tabu, Shirts und Bedeckungen bis auf Kniehöhe geschlechtsübergreifend okay.
Wo Wasser aus der Wüste sprießt
Eigentlich definiert man Wadis so, dass sie sich nur temporär nach Regenfällen füllen. „Bei uns führen viele aber ganzjährig Wasser“, bricht Führer Al Riyami mit der gängigen Vorstellung. Inmitten karger Gebirgs- und Wüstenkulissen tauchen sie plötzlich aus dem Nichts auf, sind Adern des Lebens, sorgen samt abgezwackter Kanalsysteme für blühende Mikrolandschaften.
Etwa 60 Wadis verzeichnet das Sultanat. Im Nord- und Ostteil basteln sich Selbstfahrer ab Maskat ein Wadi-Hüpfen zu den attraktivsten Trockentälern als etwa 1.000 Kilometer lange Route zusammen; Alternative ist eine organisierte Tour mit Guide. So oder so braucht man ein geländegängiges Fahrzeug.
Einsames Naturparadies
Durch das Wadi Tiwi, den Nachbarn von Shab, zieht sich ein enges, steiles Sträßchen. Das Grün des Talgrunds und die Wildwest-Szenerie darüber sind wie mit einem Messerschnitt voneinander getrennt. Auf den Parzellen wachsen Mangos, Bananen, Palmen. Doch die Traditionen verblassen. Die Jüngeren wandern lieber in die Städte ab.
In einer Oase des Wadis Hawer bestellt Abdullah Khamis Al Rashdi (42) gerade ein Stückchen Land. Sein knöchellanges Traditionsgewand Dishdasha behält er dabei an. Ein Helfer bietet dem Fremden Kaffee und Datteln an – die Gastfreundschaft ist großartig. Im Hauptjob schuftet Al Rashdi auf einem Ölfeld in der Wüste. Zwei Wochen Arbeit, zwei Wochen frei. Das Wohnhaus der Familie, die hier seit 150 Jahren lebt, liegt erhöht: wegen der Gefahr nach Regenfällen, die verheerende Sturzbäche auslösen können.
Einsames Naturparadies
Wer tiefer ins Wadi Hawer eintauchen will, vertraut sich dem lokalen Führer Hweather Hamud (26) an. Ohne dessen Ortskenntnis findet man den Anschlusspfad im breiten Tal nicht. Es geht über Geröllmassen und durchlöcherte Felsen. An einer kritischen Stelle hangelt man sich über Sprossen an einer Metallkette aufwärts. Hamud ist barfuß auf Achse. „So habe ich mehr Halt. Mit Schuhen ist mir das zu glitschig“, sagt er. Lohn der Kletterpartien sind smaragdgrüne Badebassins und ein Wasserfall, der sich vor den majestätischen Bergflanken abhebt. Ein entlegenes Naturparadies.
Kein Mensch, kein Dorf ist in Sicht. Welch eine Wohltat in Zeiten von Overtourism. „Hier gibt es keine Umweltverschmutzung, das klare Wasser kommt einfach aus der Erde“, durchbricht Hamud die Stille. Auf dem Rückweg holt er Dattelpaste und einen Gaskocher hervor, setzt Kaffee auf.
Schaukeln im Schritttempo
Kontrast zur Einsamkeit ist das Wadi Bani Khalid, das vor allem an Wochenenden große Andränge erlebt. Auf dem Asphaltweg zum See und den Badepools vereint sich ein bunter Völkermix - etwa die Hälfte der Bewohner im Oman besteht aus Einwanderern. Zainul Abideen, 38, ist Inder, Bauingenieur, Moslem. Ein- bis zweimal im Monat kommt er mit seiner Familie hierher.
Ein Erinnerungsbild mit seiner Frau und den beiden Töchtern lehnt er freundlich, aber entschieden ab. Das ist bezeichnend für ein Land, das sich teils verschließt. „Frauen sollen auf Fotos nicht öffentlich zu sehen sein. Das ist Teil unserer Kultur“, bemerkt Führer Al Riyami lapidar.
Die spektakulärste Fahrt ist die durch das Wadi Ghul: sieben Kilometer bis zur Oase Nakhr. Eine Stein- und Geröllpiste schlängelt sich durch Felsmassen, die Würfelgebilde formen, Schichtwerke wie aus Pfannkuchen. Spitzen stechen in den Himmel. Bergrücken schieben sich wie Schiffsbuge vor. „Diese Gegend ist unser Grand Canyon“, sagt Guide Al Riyami.
Im Schritttempo schaukelt man durch die wilde Szenerie. Pistenrippen und Schläge nehmen zu. Es knirscht und knarzt. Die Reifen fräsen sich tief in den Grund. Libellen tanzen. Ziegen streifen umher. Ein Wadi-Hopping im Oman hat viele Gesichter.
Links, Tipps, Praktisches:
Reiseziel: Das 309.500 km² große Sultanat Oman liegt auf der Arabischen Halbinsel. Die beste Reisezeit ist von September/Oktober bis Ende März/April.
Anreise: Direktflüge gibt es ab Frankfurt/M in die Hauptstadt Maskat.
Einreise: Man braucht einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist. Für einen Aufenthalt von maximal zwei Wochen bekommt man bei der Einreise ein kostenloses Visum („Visa on arrival“).
Unterkünfte: Es gibt kleine Hotels und Gasthäuser.
Umherreisen kann man im allradgetriebenen Mietfahrzeug.
Bekleidung: In dem islamischen Land sollte man Respekt zeigen und nicht zu viel nackte Haut zeigen. Bikinis und Badehosen sind tabu. Schultern sollten bedeckt sein, ebenso wie die Beine bis Kniehöhe. Trekkingsandalen, die sich auch fürs Wasser eignen, sind ideal. Für manche Wadis empfiehlt sich ein wasserdichter Beutel für Kamera oder Handy. Denken sollte man an Sonnenschutz, Handtuch, Badesachen; hilfreich bei kühleren Temperaturen ist ein kurzer Neoprenanzug.
Warnhinweis: Wenn die Zeichen auf Regen stehen, sollte man einen Wadi schnellstmöglich verlassen.
Geld: Währung ist der Omanische Rial; 1 € = 0,45 Rial (Stand Januar 2026). Es gibt ATM-Automaten. Man braucht immer etwas Bargeld, u.a. für das Boot im Wadi Shab.
Strom: Nötig ist ein Adapter mit drei schmalen Stiften.
Zeitverschiebung: MEZ + 3 Std.
Weitere Auskünfte: https://experienceoman.om/